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Patrice Bäumel ist wohl einer der gerade meist gehypten Künstler der elektronischen Musik. Der langjährige Resident des Amsterdammer Trouw ist ebenso ein fester Bestandteil der weltweit bekannten KOMPAKT Familie und von daher natürlich auch auf der kommenden TOTAL Compilation zu finden. Auch wenn sein Terminplaner kaum Spielraum lässt haben wir es geschafft mit ihm ein kleines Interview zu führen.

Die TOTAL Compilation Serie kehrt in diesem Jahr zurück und präsentiert seine bereits 15. Ausgabe. Noch immer hält sich die Reihe frisch und verspielt, genauso wie damals im Jahre 1999 als die erste Ausgabe die Plattenschränke zierte. Neben Namen wie z.B. Wassermann aka Wolfgang Voigt, Superpitcher, Jürgen Paape, Labelchef Michael Mayer, Kölsch, Terranova, Agoria oder Blond:Isch ist auch der Name Patrice Bäumel auf der Hinterseite der Verpackung zu finden.

In Dresden geboren und nun seit vielen Jahren in Amsterdam beheimatet, ist Bäumel einer der DJs und Produzenten die in der elektronischen Musikszene der letzten Jahre immer mehr an Bedeutung gewonnen haben. Bekannt ist er vor allem für seinen unvorhersehbaren Sound. Während andere Artisten sich gerne auf eine Schiene und ein Genre festlegen erfindet Patrice seinen Style immer wieder neu und überrascht das Publikum.

Sein Name ist vor allem auch durch seine langjährige Residenz im legendären Trouw in Amsterdam bekannt geworden. Zudem arbeitete er bereits mit angesehenen Labeln wie Trapez, Get Physical, Diynamic oder Systematic zusammen und ist seit einiger Zeit eine feste Konstante der KOMPAKT Familie.

Mit “The Vanishing” und “Fenomeno” ist er mit gleich zwei Tracks auf der TOTAL 15 Compilation zu finden. Außerdem spielt er am 22. August zum ersten Mal im Space Ibiza, wo das Label KOMPAKT in dieser Saison einmal pro Monat zur Labelnacht lädt.

Wir hatten die Chance Patrice Bäumel einige Fragen zu seinem Leben, zum Resident-Dasein und natürlich zur TOTAL 15 Compilation zu stellen.

Du bist in Deutschland geboren aber es hat dich in die Niederlande verschlagen. Was genau hat dich dazu bewegt ausgerechnet in die Niederlande zu gehen?

Der eigentliche Plan war dort nur für ein paar Monate die Sprache zu lernen und dann zurück nach Deutschland zu kommen. Aber irgendwie hing ich dann fest. Lange Rede, kurzer Sinn, auch nach 19 Jahren bin ich immer noch hier und habe eigentlich keine Intention zurück nach Deutschland zu gehen. Amsterdam ist eine wunderschöne Stadt zum Leben.

Viele Künstler ziehen ja gern wieder zurück nach Deutschland, vor allem nach Berlin. Berlin wird ja auch als Hauptstadt der elektronischen Musik bezeichnet. Wie du schon erwähnt hast, du hast das nicht gemacht. Erzähl uns doch ein bisschen warum dich Amsterdam so fesselt. Wie sieht es denn da mit der Szene aus?

Ich habe einfach nie das Bedürfnis gespürt zurück zu kehren. Das Leben ist einfach zu gut hier. Während Berlin echt ein großes Comeback hatte im letzten Jahrzehnt, fühlt sich Amsterdam einfach viel mehr mit der Welt verbunden an. Hier ist es voll mit Menschen verschiedenster Herkunft. Die Atmosphäre auf der Strasse ist super positiv und entspannt, Berlin fühlt sich rauer an in diesem Punkt. Die Leute in Amsterdam meckern auch viel weniger. Auch einfach mal nichts mit der Deutschen Bürokratie am Hut zu haben ist ein dicker Bonus. Die Niederländer sind hier sehr pragmatisch unterwegs.

Die Szene in Amsterdam ist wirklich riesig, wenn man das mit der Größe der Stadt relativiert. Es gibt unglaublich viele Locations, Musik und Events. Mit knapp 130 Festivals jedes Jahr ist es wohl auch die Festival-Hauptstadt der Welt. Gute Parties sind meist Wochen oder gar Monate vorher ausverkauft. Auch die Atmosphäre zwischen den Künstlern ist wirklich gut. Es wird jedem Respekt gezollt und nur sehr wenig negatives gibt es dazwischen zu hören. Ich liebe das.

Aber verstehe mich nicht falsch, ich liebe Berlin und habe auch Familie die dort lebt und welche ich immer und jederzeit besuchen kann. Ich genieße es Berlin als Tourist zu erleben. Die wunderschönen Seen, Wälder, Museen, das Nachtleben und auch das erschwingliche und leckere Essen dort. Ich versuche jedes Jahr mindestens ein paar Wochen in Berlin zu verbringen.

Wo wir gerade bei Amsterdam waren: Seit das Trouw geschlossen hat bist du in keinem Klub mehr als Resident tätig. Davor war das Club 11 eine lange Zeit dein Zuhause – ja eigentlich hattest du deine ganze Karriere lang irgendwo eine Residenz. Wie fühlt sich das an auf einmal ganz ohne dazustehen?

Es fühlt sich in irgendeiner Weise befreiend an. Ich kann mir endlich die ganzen anderen Orte der lokalen Szene anschauen. Ich bin sogar sehr viel mehr unterwegs seitdem das Trouw geschlossen ist. Es gibt auch noch so viel zu sehen auf dieser Welt.

Lass uns noch ein wenig beim Thema bleiben. Viele würden ja sehr gerne eine feste Residenz ihr Eigen nennen und argumentieren, man würde dann reguläre Gigs haben und schnell eine lokale Fanbase aufbauen können. Andere wiederum sagen, dass man dann ja immer im Schatten der Headliner stände. Was ist deine Meinung darüber? Wo sieht du die Vor- und Nachteile eines Resident DJ?

Es häng wirklich vom Resident selber ab. Es gibt viele großartige Beispiele, wo Resident DJs einen Status erreicht haben, der sie sogar oft höher stellt als die sogenannten Headliner. Damit meine ich zum Beispiel Marcel Dettmann im Berghain oder Craig Richard im Fabric. Ein guter Klub erlaubt seinen Residents auch mehr zu sein als nur ein Appetitmacher und auch mal die Primetime zu bespielen um ihre Fanbase zu vergrößern. Trouw hat das gemacht. Die Gefahr solcher langzeitigen Residenzen ist allerdings das du dich irgendwann zu sehr darauf ausruhst und dich selber nicht mehr herausforderst als Artist. Jeden Monat oder gar jede Woche aufzulegen über einen Zeitraum mehrerer Jahre kann sich auch echt langweilig anfühlen. Die perfekte Residenz für mich würde sein, dass ich in einem richtig guten Klub viermal im Jahr spielen kann. So bekommst du das Beste aus beiden Welten.

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Dein Stil ist sehr abwechslungsreich. Bei vielen Sets genießt du es augenscheinlich aus diesen typischen Genre-Stereotypen auszubrechen. Wo kommt diese Vielseitigkeit überhaupt her?

Am meisten vom Spielen vor einem wirklich vielseitigen Publikum. Ich bin wirklich nicht der Typ von Künstler der konsequent einen Sound fährt, egal was die Leute vor mir eigentlich denken. Für mich ist die Selektion der Musik wie ein Dialog den ich mit dem Publikum halte. In einem Klub wie die Panorama Bar würde ich sehr viel herausforderndes Material spielen als bei einem Tagesfestival wo einfach ein völlig anderer Vibe herrscht. Darüber hinaus bin ich auch schon seit 20 Jahren als DJ unterwegs. Ich habe eine sehr vielseitige Musikkollektion aufgebaut, was mir manchmal die Möglichkeit gibt sehr ungewöhnliche Sachen zu machen. Mein wichtigstes Ziel ist immer, dass ich die Verbindung mit dem Publikum aufbaue und auch die Menschen selber miteinander verbinde. Menschen zusammenbringen ist meiner Ansicht nach der Hauptjob des DJs.

Hast du manchmal das Gefühl das der Musikszene generell mehr Offenheit und Diversität nicht schaden könnte?

Wenn es einen Markt geben sollte für mehr Offenheit und Diversität, dann wird das schon von ganz alleine kommen. Ich denke, hier gibt es viele Möglichkeiten. Aber die meisten Menschen heutzutage gehen feiern um einen Sinn von Gemeinschaft zu erleben. Musik spielt da nur eine zweitrangige Rolle. Darum denke ich, dass die Mehrheit der Leute sich mit populärer Musik abfindet, es aber trotzdem noch eine kleine Gruppe von Die Hard Musik Connaisseurs die Zwischenräume füllen. Aber wenn die Diversität willst, die ist da draußen. In der Geschichte der Menschheit hat es nie mehr Menschen gegeben, die allerlei an verschiedenster Musik produzieren.

Um mal zu deinen eigenen Produktionen zu kommen, dein Debüt war ja 2005 bei Trapez. Danach hattest du eine kleine Reise zu Get Physical und Systematic. Jetzt bist du Teil bei KOMPAKT. Metaphorisch gesehen, fühlst du dich hier zuhause? Wie ist es ein Teil der Familie zu sein?

KOMPAKT ist wirklich wie ein Zuhause für mich. Ich kann mir kein besseres Label für meine Musik vorstellen. Deswegen bin ich auch nie auf der Suche nach einem neuen Label. Alle meine Produktionen landen erstmal auf dem Tisch von Michael Mayer und Job Berry. Die beiden haben wir so viel Selbstbewusstsein gegeben. Etwas wo ich immer ein wenig Probleme mit hatte. Es hilft, dass die ganze KOMPAKT Crew, vom Store Manager bis zum PR Agenten, einfach aus wunderbaren Menschen besteht. Eine große Familie und wir unterstützen uns gegenseitig wo wir nur können. Ich denke das spiegelt sich auch in der Beständigkeit und Qualität des Labeloutputs wieder. Aber wenn ich zurückblicke bin ich super dankbar diese Reise gemacht zu haben, die bei Trapez startete, wo mich der A&R Riley Reinhold (Riley ist bei Trapez dafür Verantwortlich neue Talente zu finden und zu fördern, Anm. d. Red.) an seine Hand nahm. Ich habe großartige Leute kennengelernt und auch gelernt mit auf und abs umzugehen die eine musikalische Karriere so an sich hat.

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Wir haben bereits ja über das Resident-Dasein gesprochen und KOMPAKT hält ja jetzt monatliche Residenz im legendären Space Ibiza. Du spielst da jetzt am 22. August und soweit ich weiß ist es auch dein allererstes Mal auf Ibiza. Schon aufgeregt?

Ich freu mich schon seit Monaten darauf! Auf Ibiza zu spielen heißt für mich auch irgendwie Erwachsenwerden und. Daher war ich immer etwas deprimiert, wenn mal wieder eine Saison vorbei war und ich nicht spielen durfte. Das ich mein Debut jetzt auch noch im Space habe ist mehr als ich mir je erhofft habe. Ich wünschte mir nur, dass ich etwas länger auf Ibiza bleiben könnte um dieses ganze Inselding durchzuziehen. So wird es zwar nur ein rein und raus aber ich werde hoffentlich bald wiederkommen.

Lass uns weitermachen mit der TOTAL 15 Compilation. Mit “The Vanishing” und dem exklusiven Titel “Fenomeno” bist du mit gleich zu Tracks darauf vertreten. Was führte dich zu diesen Tracks und wo holst du deine Inspiration her?

Wenn ich Musik mache habe ich oft das Gefühl das die Dinge einfach zu mir kommen und ich einfach nur ein Medium bin. Wenn ich einen Track fertig habe, frage ich mich oft selbst “Wie zum Teufel hast du das denn schon wieder gemacht?” Wahre Kreativität kommt von einem Ort weit hinter dem Intellekt. Ich habe nur Zugang zu ihr, wenn ich mich offen, entspannt und positiv fühle. Versuche aktiv über einen Track nachzudenken enden bei mir in eher mittelmäßigen Ergebnissen.

Auf der Compilation sind ja auch noch weitere wirklich gute Tracks von unter anderem Kölsch, Guy Mantzur und den relativ frischen Talenten von Weval zu finden. Was sind deine Favoriten auf der Compilation? Gibt es da Tracks die du aus welchen Gründen auch immer am liebsten hast?

Guy Mantzur & Roy Rosenfelds “Epica” ist schon das ganze Jahr über einer meiner Favoriten! Ich habe Guy während einer Silvesterparty in Groningen kennengelernt und wir haben uns wirklich super verstanden. Er hat mir das Stück noch Monate bevor es herauskam gesendet und gleich im ersten Moment wusste ich, dass dieses Stück echt was besonderes ist. Ich konnte selber nicht aufhören dazu zu raven. Ich glaube der Track förderte auch unsere gemeinsame Freundschaft. Ein anderes Stück, das für mich echt hervorsticht ist Dave DKs “Smukke Lyde”. Als Daves Album das erste Mal auf meinem Tisch lag musste ich ihn sofort anrufen und ihm persönlich mitteilen, welchen außergewöhnlichen Job er da geleistet hat. Dave ist einfach einer der aller, aller besten Produzenten da draußen und sein Album auf Kompakt ist einfach monumental.

Außer Ibiza und die TOTAL 15, ist da noch etwas aufregendes in der nahen Zukunft das du uns erzählen kannst?

Das worauf ich mich gerade am meisten Freue ist die Aussicht mit meiner Frau das erste Mal auf das Buring Man Festival zu gehen. Gerade sind wir total im Vorbereitungsmodus, kreieren Outfits, denken über Essensmöglichkeiten nach und sortieren einfach alle logistischen Herausforderungen. Ich hoffe das wird meine Augen für etwas völlig neues und wichtiges öffnen. Ich werde auch ein paar Parties bespielen, aber das ist wirklich nicht der Grund warum ich da hingehe. Ich glaube, dass diese ganze Bewegung in irgendeiner Weise der Schlüssel zu einem besseren Leben für alle von uns ist.

winWIN!
Erlebe Patrice Bäumel vor Ort! Wir verlosen 2 x 2 Tickets für die KOMPAKT Labelnight am 22. August 2015 im Space Ibiza.. Sende dazu eine E-Mail mit dem Betreff „KOMPAKT Ibiza“ an win@fazemag.de. Einsendeschluss ist der 18. August 2015. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

KOMPAKT TOTAL 15 erscheint am 21. August 2015.
www.kompakt.fm

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