Kritik an der Politik: Fritz Kalkbrenner über das Clubsterben in Berlin

Wenige Monate vor dem Release seines neunten Studioalbums „Third Place­ hat Fritz Kalkbrenner in einem Interview über das Clubsterben in seiner Heimatstadt Berlin gesprochen. Verantwortlich macht er dafür insbesondere die Politik.

Im Gespräch mit T-Online erinnert sich der 43-Jährige an seine Zeit als aktiver Clubgänger zurück: „Ich bin noch Teil dieser Kultur, auch wenn ich nicht mehr so oft weggehe“. Obwohl immer noch neue Clubs eröffnet werden, würden Tanz- und Musikspielstätten in vielen Stadtteilen Berlins immer mehr zur Mangelware werden. „Mitte, Kreuzberg und Friedrichshain sind nahezu bereinigt, was größere Namen angeht“, erklärt er. Im Stadtteil Prenzlauer Berg falle ihm kein einziger Club mehr ein.

Zu verantworten habe das laut Kalkbrenner in erster Linie die Politik. Die Stadt funktioniere nicht wegen, sondern trotz der Politik, so der in Lichtenberg geborene DJ und Produzent. „Man hätte die Räume frühzeitig absichern und erwerben müssen. Das hätte der Staatshaushalt bestimmt hinbekommen. Dann hätte man den Clubbetreibern eine langfristige Abzahlung ermöglichen können. Stattdessen haben die Verantwortlichen die Häuserblöcke an irgendwelche Jungs verhökert, die jetzt genervt davon sind, dass der Boden mal wackelt.“ Im Interview findet der mehrfach ausgezeichnete Künstler eindeutige Worte in Richtung der Regierung.

Neben Einblicken in die frühe Feierszene der 90er-Jahre gibt Kalkbrenner auch seine Haltung zum Partytourismus zu Protokoll – unter vielen Einheimischen eine verschmähte Klientel. Diese zu pauschal zu verteufeln, sei für den Platin-Act allerdings zu einfach. Er erklärt: „Ich bin kein Freund davon, diese garstige Exklusivität vor sich herzutragen und zu fordern, dass die alle herausmüssen. Es war schon vor 20 Jahren so, dass Tausende Personen zum Feiern nach Berlin gekommen sind. Das hätte eine Initialzündung für die Politik sein können, um die Clubkultur zu unterstützen und zu expandieren, einen größeren Mix zu haben und eine gewisse Balance herzustellen. Das ist nicht passiert.“

Abschließend beantwortet er die Frage nach seinem Lieblingsclub. Zu finden sei er im Sommer gelegentlich im Sisyphos oder im Heideglühen: „Es sind die Läden, die allgemein eher unbeobachtet sind.“

Das gesamte Interview findet ihr hier.

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