laughing gas

Lachgas – die unterschätzte Gefahr – jetzt in Glastonbury verboten



Green Velvets Klassiker „Flash“ sollte jeder kennen, der sich für elektronische Musik interessiert. Das Thema dieses grandiosen Techno-Songs von Relief Records ist Lachgas oder in Englisch: laughing gas. Wer den Song noch nicht kennt, kann hier ein Ohr riskieren.
Zur Hochzeit der Rave-Bewegung gab es auf nahezu jedem größeren Event einen Lachgas-Stand; dort konnte man einen Luftballon mit Lachgas gefüllt für 5.- DM kaufen. Vor allem die höhere Stimme, die der Konsument nach dem ‚Genuss‘ hat, sorgte für viel Gelächter auf den Veranstaltungen.
Was ist Lachgas? Lachgas oder auch Distickstoffmonoxid ist ein Narkosemittel, das in geringen Dosen schmerzstillend wirkt und in hohen Dosen betäubend. Die Verbindung wurde 1772 von Joseph Priestley entdeckt und zum ersten Mal hergestellt. Da es in Deutschland legal zu kaufen ist – z.B. in N2O-Patronen für Sahnesyphons – war die Hemmschwelle, dies Gas zu konsumieren, sehr gering.

Dabei unterscheidet man zwischen medizinischem und technischem Lachgas. Ersteres darf nur an einen bestimmten Personenkreis abgegeben werden (Ärzte, Krankenhäuser) und wird hauptsächlich für die Narkose eingesetzt. Der Vertreiber (Abfüller) medizinischer Gase darf nur an diesen Personenkreis das Lachgas abgeben. Ansonsten verstößt er gegen das Arzneimittelgesetz. Der Besitz medizinischen Lachgases ist (mit Befugnisberechtigung) nicht strafbar. Medizinisches Lachgas ist mit 98 bis 99,5 Prozent fast rein, darf aber bis zu 2 Prozent Verunreinigungen beinhalten. Technisches Lachgas – Sahnesyphons – wird hauptsächlich in der Industrie verwendet. Dieses Gas ist ein sogenanntes unreines Gas und dadurch günstiger.

Bei wiederholtem Gebrauch kommt es zu einer Gewöhnung (Toleranzentwicklung) gegenüber des Stoffes. Der Konsument benötigt daher immer größere Mengen Gas, um dieselbe Wirkung zu erzielen. Sie kann zu einer psychischen Abhängigkeit führen. Eine körperliche Abhängigkeit ist nicht bekannt. Weder die Herzfunktion noch die der inneren Organe werden nennenswert beeinflusst. Bei unreinem Gas oder auch bei einigen seltenen Personengruppen ist Übelkeit und Erbrechen zu beobachten. Es entstehen schwere Erfrierungen an Mund und Atemorganen, wenn versucht wird, das Gas direkt von der Gasflasche oder Kapseln aus zu inhalieren.

Glastofriday2003

Das Glastonbury Festival, das seit 1979 auf einer Farm bei Pilton, nahe der Stadt Glastonbury in Somerset im Südwesten Englands stattfindet, gilt als britisches Woodstock (alle Gewinne werden für gemeinnützige Institutionen gespendet) und ist für seinen liberalen Umgang mit Drogenkonsum bekannt.
Für dieses Jahr hat Green Field-Coordinator Liz Eliot jedoch auf der Homepage erklärt: „Wir sind traurig, dass einige Gäste vergessen haben, worum es uns geht und das Festivalgelände als Ort bekannt geworden ist, an dem die Menschen Lachgas konsumieren. Eine Droge, die unsere Umwelt in hohem Maße durch Treibhaus-Gas verunreinigt. Deswegen fordern wir alle Gäste auf, diese Droge nicht mehr zu konsumieren.“
Darüber hinaus führte der Konsum von Lachgas im vergangenen Jahr zu einem Unglück bei Glastonbury als ein Gas-Behälter explodierte und viele Menschen verletzte.

Hier noch ein paar wichtige Fakten zu Lachgas.

Aufnahme/Wirkungsdauer

Lachgas wird in Ballons gefüllt und inhaliert. Die Wirkung hält von einigen Sekunden bis zu drei Minuten an.

Rausch
Lachgas dämpft das Schmerzempfinden. Es führt zu Benebelung und gehobener Stimmung. Wegen der kurzen Wirkzeit ist es gut steuerbar. Das Sehen verändert sich und ein Prickeln ist am ganzen Körper zu spüren. Auch die akustische Wahrnehmung ist stark verändert. Meist wird der Zustand als eine Art Hypnose oder Trance beschrieben.

Abbau
Lachgas wird im Körper nicht verstoffwechselt bzw. umgewandelt, sondern verlässt beim Ausatmen zu 99,9 Prozent den Körper in gleicher Form und Menge.

Langzeitfolgen
Bei Langzeitkonsum in hohen Dosen ist ein Effekt auf das Knochenmark zu beobachten. Lachgas zerstört in den B12-Vitaminen die wichtige Kobaltverbindung, sodass die schützenden Hüllen der Nervenzellen nicht mehr einwandfrei aufgebaut werden können. Dadurch ist u.a. eine Schädigung der längeren Nervenbahnen (Polyneuropathie) zu beobachten.
Erste Anzeichen dafür sind Kribbelempfindungen in Händen und Füßen, später Gefühllosigkeit und Koordinationsschwierigkeiten. Theoretisch kann diese Schädigung, wenn sie nicht rechtzeitig entdeckt wird, zum Tode führen. Die tatsächlichen psychischen und physischen Langzeitschäden sind bislang nicht bekannt bzw. wissenschaftlich eindeutig belegt.

Gesetz
Technisches Lachgas unterliegt grundsätzlich NICHT dem Arzneimittelgesetz und ist auch nicht apothekenpflichtig. Wird Lachgas jedoch als Rauschmittel eingesetzt und zu diesem Zweck verkauft, fällt es nach Auskunft der zuständigen Staatsanwaltschaft Baden-Württemberg unter die Bestimmungen des Arzneimittelgesetzes und wird dementsprechend strafrechtlich verfolgt.

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