Zwei Jahre nach seinem gefeierten dritten Langspieler „Ruinism“ kehrt Stuart Howard für sein viertes Werk zurück zu Flying Lotus‘ Brainfeeder. Inspiriert wurde er zu „Amnioverse“, so der Titel des am 8. November erscheinenden Albums, erneut durch seine Faszination über das Leben, dem Bewusstsein und alles zwischen Geburt und Tod. In diesem Fall liegt Howards Fokus auf die simple Fluidität des Lebens. Die Zeit von Geburt bis hin zum Tod und der anschließenden Wiedergeburt sieht er als unendliches Kontinuum an.


Und um sein ständig wachsendes, modulares Synthesizer-Setup, das er mit großen Emotionen füllt, noch ein ganzes Stück lebendiger zu machen, hört man in nahezu allen Stücken Field-Recordings. Während es beim Vorgänger noch um klangliche Wrackteile und Dekonstruktion einzelner Sounds ging, basieren die insgesamt zehn Stücke auf einer anderen Herangehensweise. Er sampelte gesprochene Worte von Freund*innen, Ex-Partner*innen und Liebhaber*innen und konstruierte die Musik drum herum. Darüber hinaus kollaborierte der Brite mit der isländischen Sängerin Jófríður Ákadóttir aka JFDR, die „Thin Air“ und „The Lux Quadrant“ ihre Stimme leiht. Auch Lilia, ihres Zeichens ebenfalls Sängerin, steuert bei drei Titeln Features bei. „Für mich lag der eigentliche Fokus darauf, die ganze Platte in einen Fluss zu bringen.“, so Lapalux. „Ich bin die Songs nacheinander durchgegangen und wollte nicht aufhören, an einer Session zu feilen, bis ich die Geschichte erzählen konnte, die ich erzählen wollte.“ Und so trifft der Titel „Amnioverse“ – eine Art Portmanteau aus „amniotic sac“, was so viel bedeutet wie Fruchtblase, und „Universe“ – seine Absichten auf den Punkt.

Der erste Impuls ereilte ihn nach dem Betrachten eines Fotos von James Turrells und seiner „Twilight Epiphany Skyspace“-Installation in Texas. „Ich habe es mir drei Jahre lang jeden Tag angesehen“, erklärt Howard. „Die Leute sitzen in einem Wartezimmer, das in einem violetten Farbton beleuchtet ist, und schauen durch ein rechteckiges Loch in der Decke in den dunklen Nachthimmel. Das Bild hat so viel Tiefe und bedeutet mir so viel. Es scheint, als wären wir alle in diesem Wartezimmer und warten darauf, irgendwo zu sein oder irgendwo hinzugehen. Das ist es, was ich versucht habe, mit dieser Platte abzubilden.“ Dieser Einfluss zeigt sich auch auf dem eigenen Album-Cover, eine Art Hommage an die Arbeit Turrells mit Licht, Schatten und Perspektive. „Ich hatte zunächst eine Vorstellung von einer Person oder Gruppe von Menschen in einem unmöglich großen Raum, der in einem rosa Nebel liegt und der für eine Gebärmutter oder eine Fruchtblase steht. Wir kamen dann auf die Idee, eine Struktur zu schaffen, die eine tiefere Perspektive anbietet. Durch die immer kleiner werdende Achteckform, die auf eine Art Geburtskanal ins Unbekannte schließen lassen soll, konnten wir das verwirklichen.“

Aktuell arbeitet Lapalux an einer neuen Live-A/V-Show, mit der er im Rahmen der Album-Veröffentlichung auf Tour gehen möchte. Dabei wird die Show von seinem modularen Synth-Setup gesteuert und abgebildet, um eine stimmige Licht-Projektions- und Klangperformance zu präsentieren.

Aus dem FAZEmag 093/11.2019
Web: facebook.com/lapaluxmusic
Credit: Dan Medhurst