Die Pandemie hat uns alle im Griff. Ob wir es nun wollen oder nicht. Wie man das Beste aus dieser schwierigen Situation macht, zeigt uns der DJ und Produzent liquidfive, der aktuell ein Release nach dem nächsten veröffentlicht. Seine Fanbase wächst im gleichen Maße wie seine Spotify-Listener-Gemeinde. Was ihm dennoch momentan fehlt und was er an den Maßnahmen der Regierung kritisiert, hat er uns in einem Gespräch anlässlich seiner neuen Single „Baby, It’s alright‘ verraten.

 

2020 war ja ganz schön nervig, erinnerst du dich noch an die letzte geile Party vor dem großen Knall Anfang des Jahres?

Ja, es war eine Silvesterparty in Amsterdam und danach hat ja leider nichts mehr stattgefunden. Ich hoffe, dass der Lockdown endlich bald endet.

Haben Corona oder der Lockdown deine letzten und kommenden Sachen beeinflusst?

Eigentlich hat Corona bei mir dazu beigetragen, dass ich mehr im Studio war und somit noch mehr neue Songs produzieren konnte.

Hat die Situation sich denn auf deinen Produktionsprozess ausgewirkt, wurdest du gehemmt?

Ich persönlich wurde nicht gehemmt – aber es ist natürlich so, dass Sänger nicht ins Studio kommen konnten und einige Prozesse so länger gedauert haben als üblich. Ich hatte eher mehr Zeit als sonst.

Inwiefern hat dich das Jahr im Allgemeinen verändert oder geprägt?

Das Jahr hat mich schon zum Nachdenken gebracht, denn es ist nicht einfach, mit der Situation umzugehen. Ich bin ein sehr positiver Mensch und ich glaube, dass mir diese Eigenschaft bisher geholfen hat, durch die Krise zu kommen.

Bist du in dieser Hinsicht zufrieden mit den Maßnahmen der Regierung? Findest du, die Krise wird gut bewältigt?

Ich bin mit den Maßnahmen der Regierung überhaupt nicht zufrieden, da in meinen Augen nur Aktionismus betrieben wird, anstatt Konzepte mit Planungssicherheit zu entwickeln. Ich bin bisher sehr gut durch die Krise gekommen, kenne aber viele, die Angst vor der Zerstörung ihrer Existenz haben und keine Zukunft für sich sehen. Das ist sehr bedrückend und die Stimmung ist katastrophal, da eine Perspektive fehlt.

Was machst du im Musik-Kontext zuerst, wenn die Pandemie beendet ist?

Ich freue mich darauf, live zu spielen, endlich wieder unter Menschen zu kommen, Clubs und Festivals zu besuchen und vor allem zu tanzen.

Dein Stil ist ja immer von einer gewissen emotionalen Tiefe geprägt, ohne dabei seine Leichtigkeit zu verlieren. Ist das auch die Art, wie du im echten Leben mit Problemen oder auch schönen Momenten umgehst?

Ja, so könnte man meine Musik, aber gleichzeitig auch mein Leben beschreiben. Ich bin sehr positiv und treibe viel Sport zum Ausgleich. Ich fahre viel Rad und bin auch sonst sehr viel in der Natur unterwegs. Damit schüttle ich Stress ab und bekomme diese gewisse Leichtigkeit in mein Leben.

Deine neue Nummer heißt „Baby, it‘s alright“. Worum geht es in dem Song?

In dem Song geht es vordergründig um Herzschmerz, der Song soll aber auch positiv gesehen werden, denn wir haben aktuell in der Welt genug Übel und Depression.

Wie gehst du mit so heiklen persönlichen Situationen um?

Ich versuche, heiklen persönlichen Situationen vorzubeugen und es erst gar nicht dazu kommen zu lassen. Falls es mir einmal nicht gelingt, versuche ich einen klaren Kopf zu bewahren und lösungsorientiert die Situation zu bewältigen.

Dein Stil ist sehr stringent von Vocal-Parts geprägt, wie entdeckst du die Künstler*innen, mit denen du zusammenarbeitest?

Da ich Dance-Pop-Musik mache, ist es logisch, dass Vocal-Parts jeden Song bestimmen. Es ist so, dass ich im Songwriting-Prozess zuerst entscheide, ob es ein weiblicher oder männlicher Vokalist sein wird. Danach schaue ich, wer von den Künstlern, die ich kenne, infrage kommt. Es ist ein natürlicher Selektionsprozess, bis man am Ziel ist.

Arbeitest du mit bestimmten Künstler-Kolleg*innen öfter zusammen?

Ja, mit Alltag habe ich bereits vier Nummern gemacht. Wir sind im gleichen Studio und unterstützen uns gegenseitig. Mit DJ Luane habe ich schon zwei Nummern produziert, Vocals werden oft von Künstlern eingesungen, die man persönlich gut kennt.

Was dürfen wir in nächster Zeit von dir erwarten?

Es wird dieses Jahr noch viele neue Songs geben, auf die ich mich sehr freue, vor allem auf zwei Nummern, die ich eigentlich schon letztes Jahr bringen wollte, die ich aber wegen Corona auf dieses Jahr verschoben habe. Ich hoffe sehr, dass ab Juli alle Maßnahmen aufgehoben werden und wir wieder langsam zur Normalität zurückkehren können.

 

 

Aus dem FAZE 109/03.2021
Text: Sven Schäfer
Foto: privat