Genau dann einen Durchbruch zu erzielen, wenn die gesamte Szene aufgrund einer Pandemie quasi über Nacht ohne jegliche Vorwarnung stillgelegt wird, könnte man zweifelsohne als äußerst beeindruckend bezeichnen. Die 18-jährige „AJ“, wie sie von fast allen genannt wird, startete vor vier Jahren mit Musik. Heute gehört LUNAX mit weit über 30 Millionen Streams auf ihren Songs sowie über zwei Millionen Views auf ihre Musikvideos zur bis dato erfolgreichsten Slap-House-Künstlerin aller Zeiten.

Auf Streaming-Plattformen wie Spotify, Apple Music oder Amazon Music wurde sie nicht nur in den weltweit größten Playlisten gefeaturet, sondern zierte auch die Cover etlicher Playlists, darunter die größte Dance-Playlist Europas, „Main Stage“, mit 1,6 Millionen Follower*innen. Auf BigFM, der reichweitenstärksten Radiostation im Südwesten Deutschlands, liefert „AJ“ regelmäßig DJ-Sets ab. Nach gefeierten Shows bei einigen der größten Livestream-Festivals, wie „Freak Circus – 100th Easter Edition! Presented by Housekasper & Justin Pollnik“ oder dem „Kontor Records DJ Delivery Services“ mit etablierten Artists wie „VIZE“, „LIZOT“, „Harris & Ford“ und „Le Shuuk“, veröffentlichte sie Anfang des Jahres mit dem mit einem Gold Award ausgezeichneten Künstler Jerome einen Track, sowie zwei Musikvideos auf „kontor.tv“, dem größten Dance-YouTube-Channel Deutschlands. Für Kontor mixte sie die dritte CD der 89. Ausgabe der meist verkauften Dance-Compilation der Republik „Kontor Top of The Clubs.“ Ganz aktuell ist mit „Bye Bye Bye“ eine Kooperation mit Marnik erschienen, „Drunk In Love“ heißt ihre derzeitige eigene Single.

AJ, wie geht es dir?

Mir geht es sehr gut, ich nutze aktuell noch die Ruhe und bin fast jeden Tag im Studio, bereite meine Sets vor, baue Edits und produziere sehr viele neue Tracks für kommende Shows und natürlich auch für neue Releases. Als Ausgleich gehe ich oft danach ins Fitnessstudio, hier kann ich abschalten und mich nach einem Studiotag auspowern.

Lass uns am Anfang beginnen. Wie bist du zur Musik gekommen und was hat dich dabei am meisten beeinflusst?

Ein Kumpel zeigte mir damals, wie man produziert, das hat mich total fasziniert, sodass ich mich selbst immer wieder darin ausprobiert habe. Irgendwann habe ich dann schließlich auch meine ersten Demos an einige Plattenfirmen verschickt. Eine davon war Beat Dealer Records und mit denen hat es dann glücklicherweise funktioniert, Beat Dealer hat mich dann auch ins Management aufgenommen, worüber ich sehr happy bin. Musik gehört schon immer zu meinem Leben. Egal, wo ich bin, ich höre immer Musik. Ob ich traurig oder glücklich war bzw. bin, Musik hat mir immer geholfen. Und das ist auch das, was ich möchte, dass die Menschen meine Musik hören, um dazu zu tanzen, feiern und dass sie dabei einfach glücklich sind. Wenn ich jetzt Videos sehe, wie die Fans zu meiner Musik feiern, dann spornt mich das noch weiter an, noch mehr Gas zu geben und zeigt mir, dass es genau die richtige Entscheidung war, Musik zu veröffentlichen.

Deine erste Single „Take on This“ ist pünktlich zum Start der Pandemie im März 2020 erschienen, wie rekapitulierst du die letzten eineinhalb Jahre?

Das ganze Projekt ist auf jeden Fall sehr schnell gewachsen, ja. Nach dem Release habe ich weitere Produzent*innen kennenlernen können und immer weiter an meinem Stil gearbeitet sowie meine Produktionen weiter verbessern können. Im März 2021 beim Kontor-Jubiläum hatte ich meinen ersten Livestream-Auftritt. Danach sind noch etliche weitere Streams gefolgt, die mir geholfen haben, mehr Routine in meine Live-Performance zu bekommen. Jetzt freue ich mich aber auch total darauf, endlich vor Publikum aufzutreten.

Obwohl du erst so kurz aktiv bist und die gesamte Szene förmlich stillgelegt wurde, feierst du bereits beachtliche Erfolge und unglaubliche Streaming-Zahlen. Erzähle uns mehr dazu.

Ja, das ist wirklich der Wahnsinn! Ich bekomme so viel Support, jeden Tag schreiben mir Leute und feiern das, was ich mache. Bei jedem Livestream hatte ich fantastische Zuschauer*innen, respektive Zahlen, womit ich am Anfang nie gerechnet hätte. Mittlerweile bin ich bei über 2,5 Millionen Hörer*innen, die meine Musik im Monat über alle Portale verteilt streamen. Das ist eine so surreale Zahl, und um ehrlich zu sein, habe ich das Ganze noch nicht richtig realisiert. Ich glaube, das passiert auch erst, wenn ein Bruchteil dieser Menschen vor mir steht.

Du hattest bereits Kollaborationen mit MOTi & Jerome, aktuell ist eine Single mit Marnik erschienen. Erzähle uns von deinem Workflow im Studio.

Routine gibt es eigentlich so gar nicht, es hängt oft von der Kreativität ab und oftmals kann ich kaum schlafen, weil mir Tausende Ideen durch den Kopf gehen. Da muss ich mich am Morgen dann sofort ransetzen. Ganz wichtig ist für mich auch der Ausgleich zwischen Produzieren und Sport oder draußen mit Freunden unterwegs zu sein, um den Kopf freizubekommen, um manchmal nicht an einem Projekt zu verzweifeln. Was ich auch gemerkt habe, ist, dass Kollaborationen für mich immer richtig gut sind, weil ich mich durch jede Zusammenarbeit weiterbilden und Neues dazulernen kann. Ich war extrem aufgeregt, als ich mich an die Projekte mit z.B. Marnik oder MOTi rangesetzt habe, schließlich sind das auf jeden Fall auch Vorbilder.

Was sind deine Favorites – sowohl in Sachen Soft- als auch Hardware?

Am liebsten arbeite ich mit digitalen Synths, da diese in der heutigen Zeit ja durchaus mit der Hardware mithalten können. Hierbei sind vor allem die gängigen Sachen wie Serum, Sylenth und Spire in Gebrauch, aus denen ich aber auch viel sample, die wiederrum dann pitche, layere oder reverse, um einen noch satteren Sound um meinen typischen Vibe zu erhalten. Generell habe ich am Anfang gemerkt, dass ein guter Rechner die wichtigste Startvoraussetzung ist, um einen vernünftigen Workflow zu bekommen. Hardwaretechnisch habe ich ansonsten ein simples Midi-Keyboard, um schnell Sounds austesten zu können.

„Drunk In Love“ ist deine neue Single, erzähle uns mehr zur Idee dahinter.

Als ich das erste Mal die „Drunk In Love“-Topline von Sofia Martin, Ben Thiele und Thore Schmakeit gehört habe, hatte ich sofort gute Laune und bekam die Vocals nicht mehr aus meinem Kopf. Ich habe mich dann direkt drangemacht, eine erste Version zu produzieren und war sofort im Tunnel. Der Song erzählt für mich dieses nahezu unbeschreibliche Gefühl, wenn man richtig verliebt ist und man nur den Namen der Person sehen muss oder die Person aus der Distanz schon sieht und direkt Schmetterlinge im Bauch hat. Allerdings lässt sich das meiner Meinung nach auch auf andere Dinge übertragen, wie zum Beispiel eine Leidenschaft zum Sport. Natürlich erinnert mich der Track aber auch an die Festival-Zeit, die wahrscheinlich jede und jeder vermisst.

In der Regel brauchen Künstler*innen immer einige Zeit, um „ihren Sound“ zu finden. Du bist schon jetzt, nach so kurzer Zeit, die wohl erfolgreichste Künstlerin in Sachen „Slap House“ in Deutschland. Wie entstand diese sehr genaue Idee von deinem Sound?

Ich glaube, dass es ganz viel mit der eigenen Erfahrung und mit den Leuten zu tun hat, mit denen man so unterwegs ist. Natürlich versuche ich aber auch immer, den Sound weiterzuentwickeln, da kann jeder gespannt sein, ob demnächst ein paar Überraschungen dabei sein werden, vielleicht ja auch mit anderen, bislang für mich neuen Sounds.

Was waren deine persönlich größten Highlights bis dato?

Da kommen mir tatsächlich direkt zwei Mega-Highlights in den Kopf. Das erste ist mein erstes Mal Auflegen, wie gesagt, das war jetzt vor Kurzem im März diesen Jahres. Ich war sehr nervös und wusste natürlich auch nicht, ob es gut ankommt, aber dann die ganzen Kommentare und Nachrichten im Nachhinein zu lesen, war einfach nur klasse und hat mich in allem bestätigt. Das zweite Highlight war dann definitiv, in Kroatien im Noa Beachclub aufzulegen. Es war das erste Mal, dass ich im Ausland auflegen durfte, auf einer riesigen Bühne mit einem super Team und coolem Publikum, wenn auch nur via Stream. Es war einfach eine ganz neue Erfahrung, und auch die Zuschauerzahlen haben für sich gesprochen!

Neben der Musik warst du bereits mehrfach deutsche Meisterin im Kickboxen, erzähle uns mehr von dieser Passion neben der Musik.

Ja, meine Mutter hat eine eigene Kampfsportschule, dadurch mache ich, seitdem ich vier Jahre alt bin, Kickboxen. Ich habe vor der Pandemie auch Kindergruppen trainiert mit Kindern von drei bis vierzehn Jahren und habe meinen Jugend-Schwarzgurt im Kickboxen gemacht. Mittlerweile wohne ich allerdings in Bremen und besuche meine Mutter ab und an mal, wenn sie Training hat, und es ist so erstaunlich und niedlich, wie viele Kinder, die ich damals trainiert habe, mich noch kennen und meine Musik auch total feiern und immer dazu tanzen oder deren Freund*innen davon erzählen. Die sind dann immer total stolz und erzählen mir, welches Lied sie eben noch im Auto gehört haben. Jeder möchte dann ein Bild mit mir haben, da kamen mir dann auch schon fast die Tränen.

Was ist für die nächsten Wochen und Monate geplant – sowohl musikalisch als auch außerhalb der Musik?

Vom 7. bis 14. August bin ich beim „Summer Break Island 2021“ im Noa Beach Club in Kroatien, da freue ich mich total drauf, weil auch Publikum dabei sein wird und auch Künstler*innen wie zum Beispiel IMANBEK mit am Start sind. Aktuell bin ich auch mit vielen Festivals im Gespräch, da gibt es demnächst definitiv Großes zu verkünden, wer da nix verpassen will, sollte mir am besten auf Instagram @lunax_music folgen. Neue Musik ist natürlich auch schon auf dem Weg. Außerhalb der Musik möchte ich wieder mehr Sport machen und eventuell nächstes Jahr wieder nach Hamburg ziehen.

 

Aus dem FAZEmag 114/08.21
Text: Triple P
instagram.com/lunax_music