Credit: Özge Cön


Der japanische Vibraphonist, Multi-Perkussionist und Komponist Masayoshi Fujita hat sein neues Album “Bird Ambience” veröffentlicht. Und das ist großartig, denn Fujita beschert uns nach rund dreijähriger Wartezeit nicht nur den lang ersehnten LP-Nachfolger von “Book Of Life”, sondern auch ein Album, für das er mit seinen bisherigen Konventionen brach und zahlreiche neue Dinge ausprobierte. Aber das ist noch nicht alles, was sich im Leben des Ambient-Großmeisters in letzter Zeit getan hat …

Mit seinem neuen Album betritt Fujita in vielerlei Hinsicht musikalisches Neuland, denn während er seine akustischen Solo-Recordings stets von seinen elektronischen Dub-Produktionen (als El Fog) und seinem Experimentell-Projekt mit dem Hamburger Künstler Jan Jelinek trennte, synthetisieren all seine musikalischen Facetten nun erstmals zu einem großen Ganzen: “Bird Ambience”. Auf die Frage, wie es denn überhaupt zu dieser Entscheidung kam, antwortet Fujita: “Meine Absicht für dieses Album war es, alles zu kombinieren, was ich in diesen verschiedenen Projekten gemacht habe. In der Vergangenheit habe ich die Projekte getrennt, aber dieses Mal habe ich diese verschiedenen Elemente gemischt und auch einen neuen Faktor hinzugefügt, die Marimba. Ich hatte einige Ideen und wollte einfach etwas Neues ausprobieren.”

Tatsächlich ist die Marimba (gehört zur Familie der Schlaginstrumente) das Instrument, das wohl am prägnantesten auf “Bird Ambience” zum Vorschein kommt und gleichzeitig das sonst von Fujita so häufig genutzte Vibraphon mehr oder weniger ersetzt. “Das Vibraphon habe ich zwar auch wieder genutzt, aber die Marimba steht klar im Fokus. Ich war von Anfang an von ihrem Klang und ihren Möglichkeiten begeistert. Die Art und Weise, wie man die Klangstäbe anschlägt, ähnelt zwar dem Vibraphon, aber der Ton- und Klangcharakter ist völlig anders”, erklärt Fujita, der sein gesamtes musikalisches Schaffen auf “Bird Ambient” vereint sieht. “Es ist, als ob mein ganzes Musikleben an mir vorbeizog und ich eine neue Reise mit einer Marimba antrete”, schwärmt er.

Eine echte, physische Reise trat Fujita indes vor Kurzem und nach Fertigstellung des Albums an, als er nach 13 Jahren seine Wahlheimat Berlin verließ, um sich in einem kleinen japanischen Dorf in den Bergen der Präfektur Hyogo niederzulassen. Es sei schon immer sein Traum gewesen, in der Natur zu leben und dort Musik zu produzieren, so der Japaner. Die deutsche Hauptstadt verließ er laut eigener Aussage mit gemischten Gefühlen: “Ich liebe Berlin und ich habe es sehr genossen, dort zu leben. Aber ich habe mich immer als Gast oder Außenseiter gefühlt und konnte nie spüren, dass es mein Zuhause ist. […] Meine Musik ist ziemlich stark mit der Natur verbunden, ich denke, dies ist einer der Hauptgründe, warum ich aufs japanische Land gezogen bin”, schildert Fujita, der sich auch aufgrund des bürokratischen Aspekts (er musste alle paar Jahre sein Visum erneuern) nie frei in Deutschland entfalten konnte.

Trotz dieses (vorsichtig ausgedrückt) „Handicaps“ beweist uns Masayoshi Fujita auf der neuen LP wieder einmal seine ganze perfekt ausbalancierte künstlerische Klasse, die zu einem signifikanten Anteil auch auf Improvisation basiert: “Meine oberste Priorität war es, diese Magie einzufangen, die gelegentlich in solchen Impro-Momenten aufflackert. […] Es kam daher durchaus vor, dass Mikrofone und Instrumente nicht perfekt aufgebaut waren”, erläutert er. Abschließend stellt sich uns noch eine Frage, die hoffentlich nicht lange unbeantwortet bleiben wird: Wenn Fujita sich nun endlich seinen Lebenstraum vom Leben in den Bergen Hyogos erfüllen konnte, wird seine Musik dann etwa NOCH besser? Ausgeschlossen ist es definitiv nicht.

“Bird Ambience” ist am 28. Mai als Doppel-LP, CD und Digitalversion via Erased Tapes erschienen.

 


Aus dem FAZEmag 113/07.21
Text: Milan Trame
Credit: Özge Cön
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