Der 22-jährige Newcomer hat im Dezember sein Debütalbum „Censored“ veröffentlicht und präsentiert uns dort eine musikalische Reise zwischen Peaktime-Hymnen, treibenden Melodien und Psy-Elementen. Als Gäste sind A.N.A.L., Mark Dekoda, Corner, Dodobeatz, Suicide Toast, Toni Thorn und P Projekt am Start. Im Interview gibt er uns Auskunft über seinen Werdegang, das Album, sein Studio-Setup und seine Pläne für 2018.

Mausio 15 


Dein Name weckt Assoziationen zu Deadmau5. Wie bist du zu deinem Künstlernamen gekommen und mit welcher Musik bist du aufgewachsen?

Der Name Mausio hat wirklich absolut keinen Bezug zum Namen Deadmau5. Mein bürgerlicher Name ist Claudio und meine Freunde haben mir den Spitznamen Mausio gegeben, bevor ich überhaupt Kontakt zur elektronischen Musik hatte. Später, als ich dann mit dem Produzieren angefangen habe und nicht ständig meine Sachen über Facebook verschicken wollte, habe ich spaßeshalber einen SoundCloud-Account namens Mausio erstellt, um es für meine Freunde zu vereinfachen. So musste ich immer nur einen Link zum Anhören verschicken. Als ich dann die ersten Fans generiert hatte, habe ich wirklich wochenlang darüber nachgedacht, was denn ein cooler Name wäre, bin dann aber bei Mausio geblieben, weil ich das einfach bin. Ich verkörpere diesen Namen und meine Freunde nennen mich bis heute so. Ich hatte anfangs ziemlich Angst, weil der Name ja sehr „niedlich “ klingt im Gegensatz zu dem harten Sound, den ich gemacht habe, aber eigentlich empfand ich das im Nachhinein aus marketingtechnischer Sicht als gut gewählt. Er bleibt definitiv leicht im Kopf.

Aufgewachsen bin ich tatsächlich mit Deutschrap. Angefangen in meiner Kindheit mit Aggro Berlin, bis ich später auf Hollywood Hank kam, der meine Jugend, mich selbst und meine Musik bis heute prägt. Seine außergewöhnlichen, düsteren Beats haben mich sehr fasziniert. Als Hollywood Hank verschwunden ist und ich seine Lieder totgehört hatte, bin ich irgendwie von Dubstep, insbesondere Skrillex, zum EDM und letztlich zum Minimal-Techno gekommen. All diese Eindrücke versuche ich in meinen Liedern zum Ausdruck zu bringen.

Was sagt dein familiäres Umfeld dazu, dass du im „Haifischbecken Musikindustrie“ dein Geld verdienst? Welchen Berufswunsch hattest du in der Jugend? Und gab es eine Initialzündung in Bezug auf elektronische Musik für dich?

Meine ganze Familie steht absolut hinter mir; sie sind richtige Fans von dem, was ich tue. Ich habe meine Ausbildung zum Industriekaufmann abgeschlossen und ein Jahr lang Berufserfahrung gesammelt, bis ich mich entschlossen habe, mich mit der Musik komplett selbstständig zu machen. Ich wollte irgendwas Festes in der Tasche haben, damit ich noch einen Plan B habe, wenn mein Traum vom Musikmachen doch nicht klappt.

In meiner vom Deutschrap geprägten Jugend wollte ich schon immer irgendwie selbst Musik machen. Damals war es das Rappen, das habe ich aber nie wirklich verfolgt – und ich sollte es auch auf jeden Fall bleiben lassen … (lacht)

Im Bereich der elektronischen Musik gibt es viele junge, aufstrebende Künstler. Was macht dich und deinen Sound besonders? Wie würdest du den typischen Mausio-Sound beschreiben?

Ich glaube, es ist einfach so, dass ich meinen Weg jedes Mal konträr zur Szene einschlagen will. Ich beobachte, wo die Reise momentan hingeht, und sehe, wie viele DJs sich einfach gegenseitig kopieren, bis sich alles gleich anhört – ich will komplett weg davon. Immer etwas Neues ausprobieren und nicht bei einem Stil hängen bleiben. Ich finde es gut, wenn die Leute sich freuen und extra wegen meines Sounds in den Club kommen.

Ich denke, durch die vielen verschiedenen Genres, die mich beeinflusst haben, habe ich viel Inspiration erhalten. Ich versuche immer, verschiedene Stile zu kombinieren. Das, was mir an einem Stil gefällt, wird genutzt und mit anderen Elementen verbunden. Manchmal klappt das, manchmal auch nicht und manchmal kommt dadurch etwas völlig Neues zustande. Kurz gesagt: melodisch, fröhlich, aber auch düster und dreckig – und immer mit einem Haufen Humor.

Das Dance-Album ist die Königskategorie. Nur wenige Künstler schaffen es überhaupt, ein ganzes Album zu veröffentlichen. Wieso war es dir wichtig, ein Album zu veröffentlichen, und was erwartet den Hörer?

Dadurch, dass ich jeden Tag im Studio sitze und immer wieder neue Dinge ausprobiere, entstehen manchmal die verrücktesten, schönsten und außergewöhnlichsten Sachen. Dabei entstanden selbstverständlich auch Lieder, die für Singles einfach nicht geeignet waren – von Drum ’n’ Bass bis Future-Bass. Ich wollte den Leuten eine musikalische Geschichte bieten, ohne Rücksicht darauf nehmen zu müssen, ob ich jemanden „vergraule“, nur weil ich einen Track produziert habe, der untypisch für mich ist. Ganz wichtig war dieses Mal: ohne Gesang, ohne Filmzitate. Außerdem produziere ich so viele Lieder, dass ich jeden Monat locker fünf Singles veröffentlichen könnte. Ich habe dann die zum Thema des Albums am besten passenden ausgewählt.

Auf Facebook sieht man einige Bilder von dir mit dem Zensurbalken vor dem Gesicht, was mich zu dem Titel deines Studioalbums „Censored” bringt. Inwiefern hat der Zensurbalken oder das Zensieren von Kunst eine Bedeutung für dich und wie kamst du auf den Album-Titel?

Am Anfang war das ganze Thema mit der Zensur-Brille eigentlich nur als Spaß gedacht. Irgendwann wurde ich dann damit identifiziert und es wurde zu so etwas wie meinem Markenzeichen. Daher war von Anfang an klar, dass mein erstes Album „Censored“ heißen sollte. Die Idee verfolge ich schon seit 2014. Das eigentlich Lustige daran ist, dass ich gerne nah an den Fans bin, nach dem Auftritt Fotos mit ihnen mache und auch den einen oder anderen Jägermeister mit ihnen trinke.

Im Februar beginnt deine Album-Tour, du besuchst Städte wie Berlin, Köln und Münster. Was können die Leute von deinen Gigs erwarten?

Ich glaube, jeder, der jemals dabei war, weiß, was für eine unglaublich schöne Energie durch den Club geht. Ich liebe meine Fans dafür und mache hauptsächlich sie verantwortlich für das, was da passiert. Im Vordergrund steht selbstverständlich die Musik. Wir arbeiten aber gerade ebenfalls an eigenen Visuals, um auch ein audiovisuelles Erlebnis zu schaffen. Es wird also ein Komplettpaket und definitiv eine ordentliche Party!

Wenn du ein Erlebnis aus deiner bisherigen musikalischen Laufbahn auswählen müsstest, was war für dich das absolute Highlight und wieso?

Also, eigentlich gab es so viele schöne Momente, dass ich mich gar nicht so festlegen kann. Ein unglaubliches Erlebnis war auf jeden Fall das Bootshaus. Das war damals immer mein Karriereziel, da ich dort das allererste Mal so richtig feiern war, noch bevor ich mit dem Produzieren angefangen habe; ich wurde so von meinen Gefühlen überrannt, dass ich fast weinen musste. Ich habe dann irgendwann zu mir gesagt: „Wenn du es schaffst, hier zu spielen, hörst du auf!“ Und zwei Jahre später habe ich dann das erste Mal dort gespielt – mit „Alles nur aus Liebe“ direkt auf der Mainstage. Es war so unfassbar überwältigend und nach dem Gig sagte der Veranstalter zu mir: „Du, Mausio, nächstes Jahr machen wir dich als Headliner im Bootshaus.“ Mein Herz fiel mir in die Hose, als ich das gehört habe. Und als ich dann tatsächlich sechs Monate später dort als Headliner spielte und über 1000 Menschen nur wegen mir kamen, war ich so erstaunt, dass ich so viele mit meiner Musik begeistern kann, dass ich sprachlos war. Ende der Geschichte – ich konnte doch nicht aufhören! (lacht)

Wie sieht dein Fahrplan für 2018 aus? Was steht an?

Auf jeden Fall weiter Musik machen wie bisher. Ich bin sehr froh, mir eine so tolle Fan-Gemeinde aufgebaut zu haben, und will ganz Deutschland und Österreich bedienen können! Wir werden auch den internationalen Markt anstreben und Länder angehen, in denen ich bis jetzt noch nicht gespielt habe. Ich habe auch schon bestätigte Festival-Termine, die ich leider noch nicht nennen darf. Ich freue mich aber definitiv schon sehr!

Erläutere uns zum Abschluss noch kurz dein Studio-Setup. Welche DAW benutzt du etc.?

Tastatur, Maus und die KRK-Rokits. Ich könnte noch ein Midi-Keyboard aufzählen, aber das benutze ich eigentlich nie. Ich habe mich über die Jahre hinweg so daran gewöhnt, mit meiner Tastatur die Melodien zu spielen, dass ich dabei geblieben bin. (lacht) Ich produziere selbst mit FL Studio und spiele viele meiner Melodien mit Spire. Die anderen DAWs behalte ich für mich.

Mausios Alltime-Top-5
1. Skrillex – Summit
2. Vini Vici – Free Tibet
3. Mark Dekoda – Infected
4. Mr. Oizo – Flat Beat
5. Meiko – Leave The Light On (Droplex-Remix)

Aus dem FAZEmag 072/01.2018
Text & Interview: Jasemin Rafati Sajedi & Dieter Horny

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