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Saskia Slegers, besser bekannt unter dem Namen Miss Djax, ist seit Ende der Siebziger im Gesch


äft. Ihr selbstgeführtes Label Djax Records war in den Neunzigern einer der Vorreiter in der elektronischen Musikszene und veröffentlichte unzählige Releases aller Subgenres. Auch wenn es nach der Jahrtausendwende etwas ruhiger um Slegers und ihr Label geworden ist, hat sie sich noch lange nicht verabschiedet. Im Gegenteil: Mit ihrem gerade erschienenen Album „Flight 303” zeigt sie ihre Liebe zu rauem Acid-Sound.

Seit sie ein Kind war, wollte die Niederländerin Saskia Slegers DJ werden. Nicht des Geldes oder des Ruhmes wegen – die Vorstellung, einem kleinen Publikum neue Musik vorzustellen und ihm einfach nur eine tolle Zeit zu bescheren, faszinierte sie schon von klein auf. Aspekte, die so manch ein Plattenunterhalter der Gegenwart ab und an zu vergessen scheint. 1979, als sie unter dem Namen Miss Djax ihre Karriere begann, war an viel Geld oder große Konzertsäle sowieso nicht zu denken. Zu dieser Zeit war der DJ tatsächlich noch eine wandelnde Jukebox in kleinen, dreckigen Bars. Ihr Label Djax Records entstand 1989. „Es gab so viel gute Musik, aber niemand wollte sie veröffentlichen. Also habe ich mich dazu entschieden, mein eigenes Label zu gründen”, erzählt uns Miss Djax. Dass sie mit ihrem – damals noch – Nischenlabel so einen Erfolg feiern würde, hat sie nicht erwartet. MTV bezeichnete Djax Records als eines der wichtigsten Labels der Neunzigerjahre. Das damalige Szenemagazin Frontpage kürte es 1990 zum besten internationalen Label. „Das war eine unglaubliche Zeit, aber auch viel Arbeit. Zeitweise hatte ich 50 Künstler unter Vertrag. Dazu kamen auch noch DJ-Gigs am Wochenende.” Nach der Jahrtausendwende wurde es etwas stiller um sie. Der Hype der Szene wurde ihr damals zu viel. Auch wollte sie endlich wieder mehr Zeit in ihre eigenen Produktionen stecken. Jetzt erschien ihr neues Album „Flight 303“. „Seit den ersten Acid-Tracks aus Chicago war ich geradezu verliebt in die TB-303. Meine erste kaufte ich 1992, ein Jahr später kam noch eine hinzu. Damals konnte ich sogar die komplette Roland-Serie mein Eigen nennen. Von der 101 bis zur 909 – ich hatte sie alle zu Hause stehen.” Aber auch andere typische Acid-Synths wie z. B. Microkorg spielten eine Rolle bei ihrem neuen Album. „Alles was fett und dreckig klingt und viele Knöpfe besitzt, ist genau mein Ding!”

 

Das mit zwölf Tracks bestückte Album ist eine lebhafte Mischung aus Oldschool-Acid und Elementen der aktuellen elektronischen Musik. Dennoch ist es kein reines Acid-Album. Eine der Stärken von Miss Djax war es schon immer, sich nicht in eine Schublade stecken zu lassen. Sie bleibt ihren Wurzeln treu und produziert Musik, auf die sie gerade Lust hat. Sie bezeichnete sich selbst stets als Vorreiter: Immer ihren eigenen Weg gehend und lieber einen Trend setzend statt einem Trend folgend. Das hat sie im Laufe ihrer Karriere mehrmals bewiesen – ob als Produzent oder mit ungewöhnlichen Releases auf ihrem Label. Durch den Mix aus Old- und Newschool wirkt das Album, als hätte Slegers hier eine Zeitreise durch die vielfältigen Stationen ihrer mehr als dreißigjährigen musikalischen Reise auf Format gepresst. Das aber eher zufällig, denn geplant war es laut Slegers nicht. „Aber in der Tat kann man das Album, so wie es geworden ist, als Retrospektive meiner Karriere sehen.”

„Flight 303” ist digital und in einer auf 303 Stück limitierten Doppel-Vinyl-Edition erhältlich. Der Vinyl-Variante liegt außerdem noch ein Comic bei. / Janosch Gebauer

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www.djax.nl