Modeselektor im Interview: Warum Berlin nervt und die AfD Angst macht

Modeselektor im Interview: Warum Berlin nervt und die AfD Angst macht. Foto-Quelle: Instagram

Die Berliner Zeitung hat sich kürzlich mit keinem Geringeren als Modeselektor getroffen – und das Duo nahm dabei kein Blatt vor den Mund. Gernot Bronsert und Sebastian Szary, seit Mitte der 90er im Geschäft, sprachen über ihre Anfänge auf illegalen Raves, über die Veränderungen der Berliner Clublandschaft und über ihren neuen Beitrag zur legendären DJ-Kicks-Reihe auf !K7.

Das Setting fürs Interview: ein frisch bezogenes Studio im Norden Berlins. Der Grund: Weg aus Mitte, weg vom Hype. „Berlin hat schon immer genervt“, heißt es im Interview. Gentrifizierung, Lastenräder und Sauerteigbrot hätten vieles verdrängt, was einst Subkultur war. Heute verbringe die beiden ihre Freizeit lieber auf dem Land – entspannter, ehrlicher, näher an den eigenen Wurzeln.

Ihr Büro, das sich vorher oberhalb des KitKatClubs und somit auch in der Nähe des Tresors befand, vermissen Modeselektor nicht. Der Vibe stimmt für die beiden nicht mehr, es sei nervig, wenn man das tagtäglich miterlebe. Damals sei „das Tacheles noch das Tacheles gewesen“ – heute also nicht mehr

Auch zur Clubkrise äußerten sich Modeselektor: Dass Clubs umziehen mussten, sei schon immer so gewesen. Die Berliner Zeitung fragt, ob das „Jammern über (die) Clubkrise und (das) Clubsterben überzogen sei“. Laut Modeselektor sei es für Clubs lange Zeit gut gelaufen. Viele hätten mutmaßlich nicht geschätzt, dass es so gut lief, und realisierten das jetzt erst. Eine weitere Vermutung: die ursprüngliche Vision der Technokultur könne verloren sein gegangen.

Diese Vision haben Modeselektor noch vor ihrer musikalischen Karriere persönlich mitbekommen: Anfang der 90er feierten Bronsert und Szary ihre ersten Raves in leerstehenden Zementwerken und Fabriken. Strom aus dem Aggregat, Dieselheizung, Betonhallen voller Schweiß und Bass – genau da fanden sie ihre musikalische Sozialisation. „Keiner hatte mehr Bock auf Dorfdisco, wir wollten Abenteuer“, heißt es rückblickend.

Im Gespräch zeigen sich Modeselektor kritisch gegenüber der Gegenwart. Social Media habe die Rave-Erfahrung verändert: Wo früher Kollektiv und Ekstase im Fokus standen, gehe es heute oft um Selfies und Outfits. Auch die Pandemie habe Spuren hinterlassen. Eine ganze Generation sei ohne echte Clubnächte groß geworden – eine Lücke, die sich nicht so einfach schließen lässt.

Musikalisch bleiben die beiden aber rastlos. Ihr neuer DJ-Kicks-Mix ist alles andere als ein geradliniger Clubsound. Stattdessen gibt’s Techno von Ben Klock, HipHop von Little Simz, Singer-Songwriter-Beats von Beirut – und jede Menge eigenes Material, darunter auch brandneue Tracks. Ein wilder Trip, der Modeselektors eklektischen Ansatz perfekt widerspiegelt: „Wir sind keine reinen Techno-DJs, wir sind Musiker, die alles spannend finden.“

Doch nicht nur Musik war Thema. Die wachsende Zustimmung für die AfD in Brandenburg macht Bronsert und Szary Sorgen. Sie genießen die Vielfalt der Hauptstadt, sehen außerhalb der Stadt jedoch oft Angst und Engstirnigkeit. Trotzdem bleibt Brandenburg für sie Heimat: Bei der Fête de la Musique legten sie jüngst ein Vinyl-Set in Woltersdorf auf – als kleines „Zurückgeben“ an die Szene, aus der sie stammen.

Und die Zukunft von Techno? Für Modeselektor liegt sie in den Händen der Menschen, die diese Kultur mit Herzblut weitertragen. Künstliche Intelligenz? „Die soll unsere Spülmaschine ausräumen. Musik machen wir selbst.“

Quelle: Berliner Zeitung

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