Credit: Luca Venter


Fünf Jahre nach seinem Debütalbum “Mykki” meldet sich Performance-Rap-Künstler*in Mykki Blanco mit einer zweiten (Mini-)LP zurück: “Broken Hearts and Beauty Sleep”. In gewohnter Manier kombiniert Michael David Quattlebaum Jr., so der echte Name Blancos, belanglosen Trashtalk mit politischen und gesellschaftlich relevanten Themen wie Alltags-Sexismus- und Rassismus und meistert diese Gratwanderung mit Bravour. Doch nicht nur die frechen und gleichzeitig eloquenten Texte überzeugen, denn in musikalischer Hinsicht gelingt es Blanco, experimentelle Elektro-Elemente mit abwechslungsreichen Indie- und Hip-Hop-Elementen zu verknüpfen. Hier im Feature lest ihr mehr dazu.

Aktivist*in, Autor*in, Dichter*in Performance-Künstler*in, Musiker*in. Quattlebaums Facettenreichtum ist zwar enorm, doch in den fünf Jahren, die nunmehr zwischen “Mykki” und dessen Nachfolgeralbum liegen, kam nicht selten die Frage auf, wohin die Reise eigentlich führen soll. “Da ich insbesondere für meine Performances gefeiert wurde, legte ich mein Hauptaugenmerk immer mehr auf Touren und Shows, wodurch ich dann in musikalischer Hinsicht Abstriche machen musste”, erklärt Blanco, stets mit einem gewissen Unbehagen beim Nachdenken über die eigene Musik konfrontiert. Quattlebaum richtete den Fokus also fortan verstärkt auf die Individualität der Produktionen, verzichtete etwa auf Samples und begann unter der Mithilfe von befreundeten Produzent*innen, in Live-Jam-Sessions zu experimentieren. “Diese neu gewonnene musikalische Unabhängigkeit und Freiheit hat mir einen unglaublichen Auftrieb gegeben”, so der/die 35-jährige Queer, der/die sich sehr dankbar und erfreut über die steigende Akzeptanz und Relevanz der LGBT-Bewegung zeigt. “Als ich angefangen habe, sahen die Dinge noch ganz anders aus. Besonders als schwarze/r Queer hatte man noch vor wenigen Jahren einen deutlich schwereren Stand”, erklärt Mykki Blanco, dessen Name ursprünglich auf ein Videokunstprojekt (inspiriert von Lil Kims “Kimmy Blanco”-Alter-Ego) zurückgeht.

Auf “Broken Hearts and Beauty Sleep” finden wir im Übrigen auch eine ganze Reihe von Koproduktionen, etwa die bereits im Vorfeld erschienene Single “Love Me” (mit Jamila Woods & Jay Cue, Mykkis Bruder). “Das Stück handelt im Wesentlichen von den verschiedensten Formen der Liebe, von Geduld, Vertrauen und Zeit. Es geht um den Zaubertrank, der entsteht, wenn man die Zutaten für Liebe durchsiebt”, schwärmt Blanco begeistert von “[…] Jamilas beruhigender, gefühlvoller und folkloristischer Stimme”. Sie erinnere ihn/sie an Größen wie Janis Ian oder Joni Mitchell, sagt Quattlebaum, der/die mit dem Album “die Geburtsstunde eines neuen Mykki Blanco” einläuten möchte. “Da wäre beispielsweise der Song ,Walk For Me‘, der zwar phasenweise nach dem klassischen zickig-kecken Mykki-Blanco-Sound klingt, aber auch viele innovative, neuartige Komponenten enthält, wie das Gitarren-Outro, das an Carlos Santana erinnert.”

Es scheint, als hätte Mykki Blanco endlich den richtigen künstlerischen Pfad für sich gefunden. Unmittelbar nach “Broken Hearts and Beauty Sleep” soll der zukünftige musikalische Output mit Hilfe von 28 unveröffentlichten Tracks sukzessive befeuert werden. Neben Remixes, die primär in die elektronische Richtung gehen, steht für 2022 zudem ein weiteres Album auf Transgressive Records an, auf dem auch das jüngste Minialbum am 18. Juni erschien.

 

Aus dem FAZEmag 113/07.21
Text: Milan Trame
Credit: Luca Venter
www.mykkiblan.co