Unsere Reihe „Neben den Decks – Künstler und ihre Nebentätigkeiten“ geht in die zweite Runde. Nachdem wir euch in der ersten Episode Einblicke in die Hörspiel-Welt von Mario Wilms aka Douglas Greed gewährten, geht es nun ins Designer-Möbelstudio Einraum.Berlin, das jüngst von Sandrino Tittel (Frankey & Sandrino) und seinem langjährigen Freund Andre Henneberg eröffnet wurde. Warum Einraum.Berlin kein gewöhnliches Einrichtungshaus ist und welches Konzept die beiden verfolgen, erfahrt ihr im Interview.

 

Wie ist die Idee für den Designermöbel-Store entstanden? Ein spontaner Einfall oder ist es das Resultat einer langjährigen Planung?

A: Das Interesse an Möbeln und auch an einer gemeinsamen Tätigkeit ist bei uns schon seit vielen Jahren stark ausgeprägt. Dennoch schlugen wir zunächst verschiedene Wege ein, auf denen wir uns in unserem Fachbereich spezialisieren und wichtige Erfahrungen sammeln konnten. Nun führen diese Wege wieder zusammen.

S: Andre hatte sich als Innenarchitekt selbstständig gemacht und ich habe mir ein Standbein im Polstermöbel- und Teppichhandel aufgebaut. Schon damals saßen wir im Coworking-Space von Andre und hatten die Idee, eine gemeinsame Ausstellung zu machen. Diese Vorstellung hatte sich jedoch aus diversen Gründen wieder verflüchtigt, ehe sie dann vor Kurzem durch spontane Gegebenheiten wieder aktuell wurde. Für mich spielt diesbezüglich auch Corona eine Rolle, denn durch den Wegfall von Events & Co. fühlte ich mich zusätzlich motiviert, dieses Projekt zu verwirklichen.

Eine Neueröffnung zu Corona-Zeiten, ist das nicht riskant?

S: Ein gewisses Risiko trägt man bei neuen Geschäftsideen immer, auch in „normalen“ Zeiten. Die Pandemie hält schon viel zu lange an, um sie weiterhin als Hindernis zu betrachten. Wir wissen uns damit zu arrangieren und haben nicht zuletzt durch unser weit verzweigtes Freundes-Netzwerk ein solides Fundament, auf dem wir aufbauen können.

A: Gerade durch die Krise hat sich der Zusammenhalt in unserem Kosmos nochmals gefestigt. Wir verspüren eine unglaubliche Rückendeckung aus unserem Freundes- und Bekanntenkreis. Dieser Localsupport ermutigt uns zusätzlich, das Projekt voller Power und Optimismus anzugehen.

Welches Konzept verfolgt ihr mit Einraum.Berlin? Was ist das Besondere an eurem Store?

S: Wir wollen keines dieser typischen Einrichtungshäuser nach Schema F sein. Bei uns soll eine familiäre Atmosphäre herrschen, das Wort „Kunde“ nehmen wir nur ungerne in den Mund. Unsere Gäste sollen sich wohlfühlen und sich nicht dazu genötigt fühlen, unbedingt etwas kaufen zu müssen. Man setzt sich zusammen, schnackt ein wenig und trinkt gemütlich einen Kaffee. Falls wir am Ende des Tages ein Objekt verkaufen konnten, freut uns das selbstredend, unser primäres Ziel ist es aber, ein Ort des Wohlfühlens zu schaffen.

A: Genau. Schließlich nutzen wir den Laden auch für andere Zwecke. Ich habe hier mein Architektenbüro und auch Sandrinos Musikstudio ist hier beheimatet. Daher rührt auch der Name „Einraum“: Ein Raum, in dem wir Soziales mit Geschäftlichem vereinen können. Ein Melting Point für alles.

Was zeichnet die Objekte aus, die man bei euch kaufen kann?

S: Bei uns herrscht eindeutig die Devise „Qualität statt Quantität“ vor. Wir arbeiten mit sehr wenigen Herstellern, die allerdings auf den Punkt umsetzen können, was wir von ihnen verlangen. All unsere Produkte sind handverlesene individuelle Einzelanfertigungen und besitzen Unikat-Status. Umso stolzer sind wir deshalb, sie zu moderaten Preisen anbieten zu können.

Inwiefern wird deine Liebe zur elektronischen Musik in eurem Laden zum Vorschein kommen?

S: Viele Leute unseres potenziellen „Kunden“-Stamms kenne ich natürlich durch meine Künstlertätigkeit. Der Aspekt der (elektronischen) Musik wird also allgegenwärtig im Laden herumschwirren, zumal – wie bereits erwähnt – auch mein Studio hier beheimatet ist. Sicherlich werden wir auch mal den ein oder anderen Ambient-/Electronica-Abend im Einraum.Berlin veranstalten oder im Hintergrund elektronische Klänge laufen lassen.

 

Einraum.Berlin findet ihr in der Harzer Straße 109 im Stadtteil Neukölln.

 

Aus dem FAZEMAG 110/04.2021
Text: Milan Trame
www.einraum.berlin