NovaMute ist schon länger zurück – seit 2017 werden hier wieder verlässlich tolle Singles und EPs aus dem Techno-Spektrum veröffentlicht. Nun war es höchste Zeit, dass wir uns genauer mit dem eigentlich sehr traditionsreichen Label beschäftigen. Wer jetzt fragt „warum traditionsreich?“, der sollte unbedingt lesen, was uns Label-Gründer Daniel Miller zu erzählen hat.


Die Geschichte von NovaMute beginnt tatsächlich zweimal. Gucken wir also zurück zum ersten Anfang des Labels, um uns einen Überblick zu verschaffen: Daniel Miller, Gründer und Inhaber von Mute Records, war schon immer ein der Zukunft zugewandter Mann und entschied sich Anfang der Neunziger dazu, ein Techno-Label zu gründen. Zu den ersten Künstlern zählten damals unter anderem Richie Hawtin, Luke Slater oder auch Emmanuel Top. Viele von ihnen waren damals schon bekannt, aber NovaMute konnte ihnen durch die Erfahrung mit Mute eine stark aus-gebaute Infrastruktur für Promotion und internationale Distribution bieten. So ging es weiter bis 2005. Dann war erst mal Schluss, da der damalige Chef des Labels nach Berlin zog und NovaMute damals zu dem Majorlabel EMI gehörte. EMI war jedoch nicht auf die Arbeit eines Labels ausgerichtet, das nur wenige 12Inch-Maxis veröffentlicht. Einige Jahre später begann Daniel Miller damit, sein DJing zu perfektionieren und häufiger zu spielen. Da lag die Idee, das Label neu zu starten, nicht fern. Unterstützung fand er in ehemaligen Labelbegleitern wie Chris Liebing und Regis, aber auch in neuen Fans wie Matrixxman. So wurde aus der Idee Wirklichkeit.

Angesprochen auf die Philosophie des Labels, erzählt Daniel Miller, dass er nur Musik veröffentliche, die er selbst in seinen DJ-Sets spielen würde – denn NovaMute sei ein Label für Dance-Music. Eine experimentelle Seite, wie man sie zum Beispiel in der aktuellen Terence-Fixmer-EP hören kann, möchte er bei den Produktionen allerdings nicht missen. Auf die Frage, ob es für ihn auch einen eigenen NovaMute-Sound gebe, antwortet Daniel, dass das nur für die Neunzigerjahre gelte. Heutzutage sei der Sound abwechslungsreicher und umfasse ein breiteres Spektrum an Techno-Stilen. Nur House wird man auf NovaMute nicht finden, denn Miller mag zwar den Sound, hat ihn für sich selbst aber nie als so wichtig empfunden. „Ich stehe mehr auf den eher industriellen Sound des Techno, habe aber auch nichts gegen House-Music und die verschiedenen Spielarten“, verrät er uns.

Mit dem Interesse an härterem Techno steht er momentan auch nicht allein da, da es eine Menge ausgezeichneter junger Produzenten gibt, die tolle Musik veröffentlichen. Unter ihnen befinden sich auch eine Menge junger Frauen – und mit Charlotte de Witte, Fidelity Kastrow und ANNA haben einige der bekanntesten auf NovaMute veröffentlicht. Darauf angesprochen, muss Daniel Miller eine Weile nachdenken. Es sei nicht der Plan gewesen, mehr Produzentinnen zu fördern, doch es sei richtig, das zu tun, antwortet er. „Mir geht es vielmehr um den Sound, den die drei oben genannten DJs und Produzentinnen spielen und kreieren“. Außerdem bestehe zu den dreien eine enge künstlerische Beziehung, ohne die NovaMute nicht funktionieren würde. Denn laut Miller ist es der Plan, langfristig mit Künstlern zu arbeiten, was seiner Meinung nach heute viel zu wenig geschieht. Diese Auffassung hat er von seiner langjährigen Arbeit als Labelchef beibehalten und auf NovaMute übertragen. Anders lasse sich sein Label auch nicht führen, merkt er noch an, da pro Jahr nur fünf oder sechs Platten veröffentlicht würden. Da mache es mehr Sinn, einen Stamm an Künstlern zu haben, auf den man sich verlassen könne. Das ist auch eine von Daniel Millers Antworten auf die Frage, was denn als Nächstes bei NovaMute geplant sei: „Ich suche neue Künstler, die Lust haben, längerfristig mit uns zu arbeiten“.

Momentan stehen außerdem noch einige weitere Releases an. Nicolas Bougaïeff veröffentlicht nach seiner gerade erschienenen – und übrigens sehr tollen – EP noch in diesem Jahr sein nächstes Album auf Mute und NovaMute. Zusätzlich laufen die Vorbereitungen für ein weiteres Fidelity-Kastrow-Release auf Hochtouren. Sie ist eine der neuesten Künstlerinnen auf dem Label und Daniel Miller schätzt ihren Sound sehr. Auf Anfrage verrät Fidelity uns, dass sie NovaMute schon seit den Neunzigern verfolgt und Plastikmans „Sheet One“ sie damals schwer beeindruckte. „Ich liebe die Verbindung aus dunklen, melancholischen Sounds und Richies treibenden innovativen Beats“. Durch das Label wurde sie außerdem auf Luke Slater aufmerksam. Durch die jetzt entstandene Zusammenarbeit fühlt sie sich stark geehrt und ist auch etwas stolz. „Als ob ein Traum wahr werden würde“ sind ihre Worte dazu. Da NovaMute ja längerfristig mit Künstlern arbeitet, wird da wohl auch noch einiges mehr von Fidelity Kastrow erscheinen. Seid also gespannt, was da noch kommt.

 

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Text: Daniel Matthias
Foto Daniel Miller: Diane Zillmer