Credit: Leslie Artamonow


Die Label-Historie des Landes war schon immer prestigeträchtig, nun wird das Königreich Belgien mit „Out Of Border“ um ein weiteres Imprint reicher. Gegründet wurde das Brand von Antoine Verbrugge aka dKA und Jonathan Stordeur, besser bekannt als Jon Mosto. Ihre beiden Diskografien listen Labels wie Hot Creations, Mobilee, Break New Soil, Scatcity, Moodmusic und mehr auf – in ihrer Heimat gelten die beiden als gestandene Künstler und maßgebliche Mitgestalter innerhalb der Szene. Am 1. September erschien mit der „Rave On“-EP die Katalognummer 001. Passend dazu erscheint ein Musikvideo unter der Regie von Farres Manners und einem Artwork von 0.V.9.7 (COA).

Verbrugge selbst hat die Techno-Kultur bereits Ende der 90er-Jahre für sich entdeckt, damals noch mittels Musiksender wie MTV. Es folgten eigene Mixtapes mit zwei heimischen Hi-Fi-Anlagen und einem Mikrofon. 2000 gründete er seinen eigenen Club, wo er die heimische Jugend vereinte, ehe er 2004 Musik von Daniel Bell entdeckte und selbst anfing zu produzieren. Ähnlich verlief auch die musikalische Erziehung seines Freundes Stordeur, berichtet er: „Aufgewachsen bin ich mit Rock/Pop, meine ältere Schwester führte mich mit zwölf zu Hip-Hop und Techno. Ich hörte Rap-Musik genauso gerne wie Acid oder Hard Techno.“ Mit 13 folgten ebenfalls Mixtapes, zwei Jahre später erste Club-Erfahrungen mit 15 sowie die Faszination für Künstler wie Stephan Bodzin und Dusty Kid. Generell war Belgien vor allem in den 90er-Jahren für seine enorme Euro-Dance- und Trance-Szene bekannt, Stücke wie „Don’t Laugh“ von Winx liefen tagsüber auf kommerziellen Radiostationen: „Unsere Heimat hat uns sicherlich sehr beeinflusst, selbst unsere Großeltern redeten teilweise über diese Genres, die damals allgegenwärtig waren. Clubs wie ,Fuse‘ und das ,Cherry Moon‘, die ich 1999 entdeckte, haben mir den Weg geebnet“, erinnert sich Verbrugge.

Die Idee zum eigenen Label entwickelte zunächst nur Jonathan: „Die Idee ließ mich nicht mehr los. Wir haben nach einem Namen gesucht, der leicht zu merken ist und der den Wunsch ausdrückt, die aktuellen musikalischen Codes durcheinanderzubringen. Zu erkennen, dass diese Codes existieren und uns die Freiheit zu erlauben, sie zu überschreiten, wenn wir das Bedürfnis danach haben. Die Freiheit zu haben, das zu produzieren, was man gerade fühlt, und dabei die Rave-Kultur zu respektieren, in der wir uns mit diesen Werten wohlfühlen. ,Out of Border‘ ist unsere Philosophie im Alltag, wir passen uns den Regeln an, aber es ist immer verlockend, sie manchmal zu überschreiten.“ Und so setzt dKA mit seiner „Rave On“-EP zur Geburtsstunde des neuen Brands an und kollaboriert auf „Shade“ mit seinem Label-Co-Founder Jon Mosto. Die insgesamt drei Titel waren dabei schon vor rund drei Jahren fertig, erinnert er sich: „Ich hatte große Zweifel an mir selbst, an dem, was ich in meinem Leben und in meiner Arbeit wollte. Ich verließ meine damalige Freundin nach zehn ziemlich giftigen Jahren und hatte die Nase voll vom Nachtleben und der Szene, in der ich mich befand. Ich verließ alles – mein Haus, meinen damaligen Manager und wollte zu meinen Wurzeln zurückkehren. Ich fing an, die Musikkultur, die ich in den 90er-Jahren hörte, zu studieren und zu verstehen. Damals hörte ich sie noch etwas naiv. Ich beschloss, zu diesen Grundlagen zurückzukehren, indem ich diese Kultur richtig verstand und versuchte, sie mit meiner Erfahrung als Erwachsener neu zu interpretieren. Der Titel ,Rave On‘ stammt aus dieser Reflexion, es ist quasi ein neuer Anfang.“

Gemeinsame Sache machen die beiden seit nunmehr fast acht Jahren. Dabei sind sie im Studio sehr intensiv fusioniert, berichtet Jonathan: „Seit unserer ersten Session haben wir alle unsere Entscheidungen respektiert und nicht verurteilt. Wenn du eine Idee für gut hältst, sie aber auf den ersten Blick nicht magst, kannst du sie bis zum Ende ausreizen und sehen, was passiert. Wir blockieren uns nie gegenseitig und sind uns am Ende immer einig. Der belgische Konsens halt (lacht). Antoine ist sehr intuitiv, alles muss sehr schnell gehen. Ich glaube, wir sind auch deshalb ein gutes Team, weil ich ab einem bestimmten Punkt die Fähigkeit habe, ihn in seinen Ideen zu bestärken und meine Note einzubringen.“

Aktuell arbeitet dKA bereits an der zweiten EP für das Label sowie an weiterem Output eines befreunden Künstlers, den er „sehr schätzt“, wie er sagt. „Generell nehmen wir uns immer vor, auch mal etwas zur Ruhe zu kommen. Klappen tut das allerdings nur sehr selten. Wir freuen uns auf alles, was da kommt.“

 

Aus dem FAZEmag 116/10.21
Text: Triple P
Credit: Leslie Artamonow
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