„Eine Mischung aus allen Einflüssen macht das Herzstück meines Sounds aus“, so der Kölner Produzent Patrik Berg. Den Beleg für diese Aussage liefert auch seine neue EP, die den Namen „Bright“ trägt und am 1. Juli auf Monika Kruses Label Terminal M erschien. Eine weitere EP des 33-Jährigen, die demonstriert, dass sich die Liebe zum Techno und der Ehrgeiz, den es als Produzent braucht, eines Tages auszahlen. Wir haben uns mit dem aufstrebenden Künstler unterhalten, dessen Tracks bereits von namhaften Artists wie Adam Beyer, Enrico Sangiuliano, Amelie Lens und Carl Cox gespielt wurden.


Hallo, Patrik. Am 1. Juli erschien deine neue EP „Bright“ auf Terminal M. Alle vier Tracks sind sehr vielfältig und gehen in verschiedene Sound-Richtungen. Woher kam die Inspiration für die EP und wie lange hat der Produktionsprozess gedauert?

Alle Tracks der EP sind unabhängig voneinander entstanden, daher hatte ich kein bestimmtes, zusammenhängendes Konzept. Beeinflusst und inspiriert wurde ich durch alles, was um mich herum passiert. Vor allem natürlich durch sämtliche musikalischen Einflüsse. Mal ist es ein Sound aus einem Film, mal ist es ein Vocal aus einem Videospiel. Die Grundidee für einen Track entsteht oft in alltäglichen Situationen. Der Produktionsprozess der „Bright“-EP hat im Großen und Ganzen ein halbes Jahr gedauert.

Wie lange sitzt du im Schnitt an einem Track? Hast du bereits zu Beginn der Produktion eine Idee, wie der Track aussehen soll, oder kommt alles Schritt für Schritt mit der ersten Bassline?

Die Produktionsprozesse meiner Tracks sind immer unterschiedlich lang. Im Durchschnitt brauche ich für einen fertigen Track, mit dem ich zu 100 Prozent zufrieden bin, etwa einen Monat. Manche Tracks sprudeln einfach aus mir heraus, andere sind ein wahrer Kampf.
Bestenfalls habe ich schon eine genaue Vorstellung davon, was ich machen will und in welche Richtung es gehen soll. Mal starte ich mit einem Piano-Akkord, mal mit einem Synth-Riff. Die Bassline passt sich meistens dem jeweiligen Thema an.

Du hast Audio Engineering am SAE Institut Köln studiert. Hilft dir deine Ausbildung denn sehr bei deinen Produktionen? Würdest du jungen Produzenten, die ihre Zukunft in der Musikindustrie sehen, raten, eine Ausbildung oder ein Studium im Bereich der Musikproduktion zu beginnen oder sich fachlich mit Workshops weiterzubilden?

Ja, das Audio-Engineering-Studium war definitiv ein Schritt in die richtige Richtung. Vor allem bin ich mit vielen Künstlern aus anderen Musikrichtungen zusammen gekommen. Das hat mir immer neue Perspektiven aufgezeigt und mich auch definitiv bis heute geprägt. Für mich war die Ausbildung der Grundbaustein für die technische Umsetzung; sie hat mich durch meine Leidenschaft zur elektronischen Musik und den Willen, Musik produzieren zu können, geleitet. Auf jeden Fall kann ich dazu raten, sich weiterzubilden und mehr zu lernen, egal ob mithilfe von Workshops, Ausbildung oder Studium.

Am 13. Juni fand das „How To Sound Like Patrik Berg“ am Sinne Institut statt. Bei diesem Event ging es darum, wie man seinen eigenen Sound kreiert. Was kann man sich genau darunter vorstellen? Eine Art Workshop, in dem du dein musikalisches Wissen weitergibst?

Es geht vor allem um meine eigene Herangehensweise und meinen Produktionsprozess im Allgemeinen. Ich versuche, den Schülern auch Aspekte wie Motivation und Konzentration näherzubringen. Eine gewisse Struktur und eine bewusste Herangehensweise sind wichtig für ein gutes Ergebnis. Deswegen erläutere ich anhand meiner eigenen Projekte meine Art des Produzierens. Ich öffne eines meiner Projekte und die Schüler können mich fragen, was sie wollen. So entstehen echt coole, anregende Gespräche. Es macht einfach Spaß, sein Wissen zu teilen und dabei immer noch etwas zu lernen!

Welche Hard- und Software verwendest du am liebsten beim Produzieren? Hat sich deine Studio-Ausstattung mit den Jahren verändert?

Meine Studio-Ausstattung hat sich definitiv verändert. Den ersten Track habe ich bei meiner Mutter im Schlafzimmer produziert. Ohne jegliches Equipment, lediglich mit Mac, Ableton und Boxen. Jetzt habe ich mein eigenes kleines Studio und bin für meine Bedürfnisse bestens aufgestellt. Ich bin Fan von den DAW-Ableton-Plugins und produziere mit Software wie auch mit Hardware. Mein Lieblings-Synthesizer-Plugin ist definitiv Sylenth, aber für Bässe ist der Moog Sub37 eine unschlagbare Waffe.

Nicht nur deine neue EP beweist, wie vielfältig dein Sound ist, sondern auch deine bisherigen Produktionen auf Labels wie Filth on Acid von Reinier Zonneveld oder Carl Cox’ Intec Digital. Wie hat sich dein Sound deiner Meinung nach innerhalb der letzten Jahre verändert und wo siehst du dich in fünf Jahren?

2013 habe ich angefangen, Musik zu produzieren. Nach einigen Releases auf kleineren Labels hatte ich dann 2017 mein erstes großes Release auf Filth on Acid. Seitdem hat sich mein Sound immer weiter Richtung Peak-Time entwickelt. Trotzdem ist es für mich wichtig, mich nicht konkret auf eine Richtung festzulegen. Fünf Jahre sind eine lange Zeit, wenn man überlegt, dass es das Projekt „Patrik Berg“ erst seit etwas über fünf Jahren gibt. Ich hoffe jedenfalls, in den nächsten Jahren so viel Musik wie möglich machen zu können – und wer weiß, vielleicht ist ja bis dahin das ein oder andere Album dabei.

Adam Beyer hat deinen Track „Galactica“ in seinem „Drumcode Radio Live 451“-Set gespielt. Wie fühlt es sich an, wenn solche Techno-Größen die eigenen Tracks spielen?

Surreal! Künstler wie Adam Beyer, Carl Cox oder Monika Kruse zählen zu den Gründen dafür, dass ich mit dem Produzieren begonnen habe. Heute zu sehen, dass sie meine Sachen supporten, spielen und auf ihren Labels releasen, ist für mich immer noch kaum zu fassen und macht mich auch ein bisschen stolz und glücklich.

Lass uns mal einen kurzen Abstecher in deine Biografie machen. Was waren die größten Etappen in deiner bisherigen Musikkarriere?

Die erste Herausforderung in meiner Karriere bestand natürlich darin, den ersten eigenen Track fertig zu bekommen. Danach kamen meine ersten Auslandsbookings in Sri Lanka, Frankreich, der Schweiz und im Libanon. Darauf folgte die „Running Numbers“-EP, weil ich ab dem Zeitpunkt produktionstechnisch genau das umsetzen konnte, was ich in meinem Kopf hatte. Außerdem wurde ich durch dieses Release den ersten Leuten ein Begriff. Der nächste Schritt war mein erstes Release auf Monika Kruses Label Terminal M, das beim Awakenings 2018 auf jeder großen Bühne gespielt wurde. Vor Kurzem hat mich eines meiner Idole gefragt, ob ich einen Remix für ihn machen möchte, was für mich persönlich natürlich eine große Ehre ist. Den Namen darf ich euch allerdings noch nicht verraten.

Vor Kurzem warst du auf dem Luft und Liebe Festival mit von der Partie, außerdem durftest du auch wieder im Tanzhaus West und im Sisyphos in Berlin auflegen. Wie sieht deine Club- und Festivalpräsenz denn in den nächsten Monaten aus?

Das erste Halbjahr war wirklich toll und hat mich bereits an viele Orte der Republik und im Ausland gebracht. Der Kalender für das zweite Halbjahr ist mindestens genauso voll und ich freue mich sehr auf jede einzelne Station auf meinem Weg. Sowohl Festivals als auch Club-Events sind bestätigt und ich bin bereit, mit euch zu feiern. Nicht zu vergessen meine beiden Residencys. Es ist unglaublich schön, zu sehen, was sich in Köln auf der „Lichtblick“ und in Frankfurt bei „We Are Together“ entwickelt hat, und es ist ein echtes Privileg, regelmäßig in Clubs wie dem Odonien, Artheater oder dem Tanzhaus West aufzulegen.

Gibt es auch Neuigkeiten im Hinblick auf zukünftige Kooperationen?

Ich kann verraten, dass ein Remix auf Carl Cox’ Label Intec Digital für meinen Buddy Roel Salemink kommt und ein weiterer Remix für eines meiner großen Idole – dazu darf ich aber wie erwähnt noch nicht mehr sagen. Eine weitere EP mit Originaltracks ist für Ende des Jahres in Planung.

Jeder hat ja immer seine persönlichen Lieblingstracks von einem Künstler. Drehen wir den Spieß mal um: Was sind deine fünf Favoriten von deinen eigenen Produktionen?

1) The Secret
2) Bright
3) Metroid
4) Running Numbers
5) Galactica

Aus dem FAZEmag 089/07.2019
Text: Denise Kelm/@wayofdk
Foto: Martin Eklund