Vor fünf Jahren wagte sich Pioneer erstmals in die Oberliga der Battle-Mixer. Turntable-Artists fanden erstmals einen wahren Konkurrenten in einem Bereich, den die amerikanische Manufaktur Rane seit Jahren alleine beherrschte. Der DJM-S9 profitierte von den Funktionen der großen Pioneer-Clubmischer und integrierte diese in das sonst so spartanische Battlemixer-Konzept. Das Feedback der DJs war durchaus positiv, doch war jedem klar, dass man die neuen Ideen noch viel besser ausreizen könnte, um wirklich einen Battlemixer mit all den bewährten Pioneer-Elementen zu realisieren. Vielleicht ist dieser Zeitpunkt jetzt gekommen, mit dem neuen DJM-S11.

 

Zu Anfang schon ein kleiner Hinweis auf das abschließende Fazit: Manches aus dem S11 gab es auch schon bei seinem Vorgänger, doch alles ist nun wirklich ausgereift, greifbarer und intuitiver nutzbar konzipiert geworden. Womit wir schon bei der Oberfläche sind. Gleich zu Beginn fällt auf, dass einige Elemente größer geworden sind oder neu dazugekommen sind.

Der absolute Eye-Catcher ist natürlich das 4,3-Zoll-Touch-Display, mit dem man wirklich keinen Blick auf den Bildschirm richten muss, denn im Mixer hat man Zugriff auf die Library über den Browse-Button, die Decks mit allen Infos, Effekteinstellungen, Touch FX, Kontrolle über Deck 3 und 4 sowie das sogenannte Touch-MIDI. Hier kann man über den Bildschirm auf Parameter wie Sync, Keylock oder Record zugreifen. Für mich ist der Bildschirm ein riesiger Pluspunkt, denn wieso sollte immer ein Laptop im Vordergrund eines Turntablism-Gigs stehen? Diese doch sehr haptische Art aufzulegen passt doch viel besser damit zusammen, dass der DJ seinen Blick nur auf das Equipment richten kann. Ohne allerdings auf moderne Funktionen wie Performance-Pads oder Touch-FX zu verzichten.

Hier muss man sich auf jeden Fall kurz einarbeiten, sodass man schnell durch die Menüs kommt und jede Einstellung auswendig kann, denn das Display im S11 ist natürlich nicht so groß wie der Bildschirm eines Laptops. Die oben erwähnte Steuerung von zwei weiteren, virtuellen Decks in Serato funktioniert übrigens äußerst intuitiv: Man kann Tracks für Deck 3 und 4 aussuchen, Hotcues triggern, vorhören und die üblichen Features wie Sync oder Loops benutzen.

Insgesamt ist die Bedienung des Mixers deutlich einfacher geworden, da im Gegensatz zum Vorgänger nun alle Elemente genauso angeordnet sind wie bei den anderen Pioneer-Tools, seien es Controller oder Mixer. Wer das Club-Standard-Design kennt, kann hier sofort loslegen. Meine Hände wussten schon von alleine, wo sie hinsollten und haben den Weg aufgrund des sehr übersichtlichen Layouts auch sofort gefunden.

Der DJM-S11 hält zwei Eingänge mit jeweils Phono- und Line-Format bereit, sowie einen weiteren Chinch-Aux-Eingang. Für den Mikrofoneingang gibt es eine XLR/Klinken-Kombibuchse.

Drei Ouputs in den Formaten Cinch, XLR und Klinke gibt es, um Monitormix, PA und Aufnahmegeräte abzudecken. Was fehlt, ist ein Effektweg, um Tools wie den RMX-1000 einzubinden, was aber aufgrund der zahlreichen internen Effekte nicht so wichtig ist.

Um den Mixer mit Laptops zu connecten, gibt es zwei USB-Anschlüsse, mit denen man sich nahtlose Wechsel zwischen zwei DJs oder eben B2B-Sets gut vorstellen kann. Außerdem kann man noch über zwei weitere USB-Hubs Geräte wie CDJs oder Controller anschließen und diese über den S11 steuern.

Eine logische Weiterentwicklung der Performance-Pads ist nicht nur der größere Umfang, sondern definitiv auch, dass man unterschiedliche Modi auf unterschiedliche Decks legen kann. Das ging vorher nicht und erweitert aber das kreative Potenzial beträchtlich. Darüber hinaus kann man durch das gleichzeitige Drücken von zwei Modi auf einem Deck auch die Möglichkeiten für ein Deck nochmal erhöhen, da diese zwei Modi dann jeweils vier der acht Pads verteilt werden. Auch bei den Modi selbst gibt es Neuerungen: Neben den gewohnten Hot-Cue, Roll, Saved Loop, Sampler, Pitch Play, Slicer Loop und Saved Flip gibt es nun den Modus Scratch Bank. Hiermit geht der Mixer auf eine neue Funktion in Serato ein, mit der man acht Samples triggern kann, die sofort gescratcht werden können. Als Sample geht natürlich auch ein kompletter Track, bei dem man acht Cues einstellt, zwischen denen man blitzschnell springen kann.

Auch der Pitch-Play-Modus überzeugt mich sehr: Hier kann man Samples oder Cues einfach pitchen und somit perfekte Übergänge in Tracks aus einer anderen Tonart zaubern.

Pioneer hat in diesem Mixer eine ganze Menge Effekte integriert: Mehr als 22 Beat-FX aus den DJM-2000NXS, volle Kontrolle über alle Software-Effekte, die man ohne Probleme gleichzeitig benutzen kann sowie über das Display mit Touch-FX perfekt mit den Fingern steuern kann. Eine feine Sache, vielleicht sogar der beste Effekt an Board, ist das neue Smooth Echo, zu finden unter den Performance-Pads von Kanal 1. Dieses Echo reagiert auf deine Faderbewegungen und fügt ein sehr sanftes Delay hinzu, wenn der Fader unten ist, was Übergänge, bei den Scratches oder schnelle Cuts im Spiel sind, sehr smooth macht, wie der Name schon sagt.

Ein Kritikpunkt am nun fünf Jahre alten Vorgänger war die fehlende Wertigkeit und der schnelle Verschleiß des Crossfaders. An diesem Punkt hat sich Pioneer definitiv an die Nase gepackt, denn dieser Mixer fühlt sich wirklich robust an, was nicht zuletzt an der Alu-Oberfläche liegt. Außerdem wurde der Magvel Fader Pro nochmals komplett überarbeitet und hält jetzt harte Clubeinsätze ohne Probleme durch.

Wenn man über den S11 redet, kommt man nicht drum herum, das Thema Sound anzuschneiden. Hier hat sich noch Einiges getan, da die Sound-Engine vom Flaggschiff DJM-2000NXS übernommen wurde. Das heißt, intern wird mit 64-Bit gearbeitet und die Wandler funktionieren mit 32-Bit, also transparentester, rauscharmer Sound vom Feinsten. Und wie von Pioneer gewohnt, sehr clean, womit sich der Mixer etwas vom Rane-Konkurrenten unterscheidet.

Also, abschließend lässt sich sagen, dass Pioneer hier den am wenigsten reduzierten Battlemixer auf dem Markt entwickelt hat. Der S11 ist eine riesige, robuste und kreative Workstation mit wirklich allen Optionen, die man für modernen Turntablism auf Profi-Niveau braucht. Meckern gibt es nur auf hohem Niveau: Vielleicht hätte man für den Preis von 1988 EUR noch die Timecode-Vinyl mitliefern können. Ansonsten: Alles richtig gemacht!

 

Text: Bastian Gies
www.pioneerdj.com