Xenia Beliayeva
Das ist er also, der Hund! Zuckersüß, ein Goldendoodle. Familienhund, eine Mischung aus Golden Retriever und Königspudel. Mittlerweile schon Teenager und knapp ein Jahr alt. Eigentlich lebt er bei meinem Bruder, aber ich verbringe gerne Zeit mit ihm und momentan ist er für drei Wochen bei mir.


Es gibt verschiedene Arten, einen Hund zu erziehen. Seit einer Woche beobachte ich bei meinen Spaziergängen Hundebesitzer und werde von Passanten anders wahrgenommen, weil ich einen Hund habe. Die Frage ist: Was erwarte ich eigentlich von meinem Hund? Meine romantische Vorstellung von mir und einem Hund sieht so aus: Ich gehe bei Regen, Donner, Schnee, Sturm oder Hagel durch den Park und der Hund friedlich neben mir. Immer achtsam, wo ich bin. Ich stehe auf keiner Wiese und werfe Bälle, Frisbees oder Stöcke. Ich möchte einen Hund, der mich respektiert, auf den ich mich verlassen kann, mit dem ich souverän durch die Stadt komme und nicht konstant angeschaut werde, weil ich entweder rede oder an der Leine zerre. Der Hund soll mir wortlos folgen und stehenbleiben, wenn ich stehenbleibe oder das entsprechende Kommando gebe. Vor allen Dingen aber möchte ich einen entspannten Hund. Denn: Ein Hund ist von Natur aus stressfrei. Tricks vorführen, unnütze Kommandos und Aufgaben befolgen, den ganzen Tag Entertainer spielen, das setzt den Hund unter Leistungsdruck. Das sieht man gut an „kleinen“ Hunden, die einen aus Unmut hinterhältig ankläffen und dabei auf zwei Pfoten stehen, während Frauchen an der Flexileine zieht und wild auf den Hund einredet: „Fixi, mach aus, Fixi komm mit, Fixi schau auf das Bällchen, Fixi hör auf, Fixi wir gehen jetzt weiter, Fixi lass das …“. Dann kommt Fixi zwei Meter mit und bekommt ein Leckerlie. Irre!

Unser Hund besitzt kein Spielzeug. Er weiß, wo sein Schaffell ist, dass er nicht auf die Couch darf, und er bekommt von mir Leckerlies ohne Grund, aber er darf sie erst essen, wenn ich es ihm erlaube. Wir gehen mittags eine lange Runde, morgens und abends eine kurze. Dazwischen gibt es „Quality Time“. Dreimal am Tag ein paar Minuten, die ich intensiv nur mit dem Hund verbringe.

Den Rest der Zeit liegt er auf seinem Fell oder in der Küche, hin und wieder schaut er, was ich mache. Der Hund ist ein Traum. Unser Problem sind Kaninchen. Sieht der Hund einen Hasen, ist er „Out Of Order“, und wo sonst unsere Kommunikation so toll läuft, ist es in Anwesenheit eines Hasen wahrlich schwer, eine Verbindung herzustellen. Das geht natürlich gar nicht! Ich möchte nicht, dass der Hund jagt, weder auf dem Land, noch in der Stadt.

Auch wenn Kaninchen schnell sind, er wird sie weder töten noch fressen. Im schlimmsten Fall fasst oder packt er es kurz, wir gehen weiter und der Hase leidet qualvoll mit inneren Verletzungen. Das ist nicht gut, deswegen treffen wir uns jetzt mit einem Hundetrainer. Der Hund soll lernen, die Kaninchen zu ignorieren. Ich kann nur empfehlen, mal wieder spazieren zu gehen. Der Herbst ist schön!

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