plastikman_ex
Die ganze Welt scheint hellhörig zu werden, wenn Richie Hawtin sein legendäres Plastikman-Alter-Ego wieder mal zum Vorschein bringt. Das war schon vor ein paar Jahren so, als es eine kleine Serie von eindrucksvoll inszenierten Liveshows gab, gefolgt von der durchaus okayen Single „Slinky“. Und so hören bei dem neuen Album „EX“ auch all diejenigen mal wieder rein, die sich schon vor Jahren von Hawtin und seinen nicht immer ganz nachvollziehbaren Aktivitäten verabschiedet haben. „EX“ ist ein Mitschnitt eines Auftrittes im New Yorker Guggenheim Museum und kommt daher auch gar nicht so ausgeklügelt und durchkonzipiert wie bisherige Plastikman-Alben daher – das will es aber auch gar nicht. EX ist vielmehr eine Art Bestandsaufnahme, ein einstündiger Überblick über das, was Plastikman heute (noch?) ist. Zugegeben: die Spannung ist ein bisschen raus und wirklich radikal ist das Album zu keiner Zeit. Auch mag sich manch einer die lieb gewonnene, reduzierte Finsternis eines „Consumed“ zurückwünschen, aber sagen wir es doch mal wie es ist: „EX“ ist wohl das Interessanteste, was Hawtin seit längerer Zeit fabriziert hat. Der Opener „EXposed“ ist brillant und auch im weiteren Verlauf bietet das Album Spannung, Experimentierfreude und natürlich die Extraportion Oldschool-Sound der alten Roland-Kisten bzw. deren Software-Pendants, dass es eine Freude ist. Dass Hawtin aber die ganze Zeit (genau: DIE GANZE ZEIT!) scheinbar vollkommen willkürlich am Bass-EQ herumdreht, kann ich nicht nachvollziehen. Unwahrscheinlich nervig und kontraproduktiv und schmälert das sonst wirklich gelungene Gesamtpaket doch merklich. Schade – und dennoch: 7/10 Gubot