Platten des Monats – Mai 2026 – Singles & EPs

Singles & EPs – Platte des Monats

Art Bleek Featuring Phoenix
Get Involved (Art Bleek Records 002)
Arthur Pochon aka Art Bleek vereint zwei Seelen in sich: eine französische und eine US-amerikanische. In beiden Ländern hat er in der Jugend gelebt und unter anderem eine Ausbildung zum Saxophonisten genossen. Überhaupt ist seine Vorliebe für Musik breit gefächert. Seit 2006 releast er Tonträger und hat dabei sowohl Lounge und Bossanova als auch Soul und natürlich House integriert. Das neue Release auf seinem eigenen Label bietet House in unterschiedlichen Ausfertigungen. Mein Favorit ist sein eigener Remix auf B1 – ein unwiderstehlicher Piano-House-Mover. Das Original auf A1 ist ein recht tech-housy-sphärisch und sorgt durch die spoken Vocals von Phoenix für einen großen Wiedererkennungswert. Überhaupt bietet das rosa Vinyl ein heftiges Remix-Package. Neben zwei eigenen Remixes finden sich Bearbeitungen von David Duriez und Jamie Anderson auf der 12“. Der Brique-Rouge-Honcho reitet die deepe troity Wave (auf A2) und addiert auf B2 ein paar angenehm schräge Acid-Sounds, während er weitestgehend auf das Vocal verzichtet. Die UK-Legende Jamie Anderson erhöht erwartungsgemäß etwas den Druck und schafft es, Houser und Technos als ‚one nation under a groove“ zu vereinen. Ein exzellentes Package. Zugreifen. Pronto. 10 points svenman

Singles & EPs – Top Ten

Dino Lenny
Piano Lessions At Eight (Rekids)
Dino ist einer der Typen, die seit paffzich Jahrzehnten umtriebig im Musikzirkus unterwegs sind. Releases auf Strictly, Innervisions, R&S, Crosstown und Kollabos mit Wu Tang, Missy, Underworld oder Madonna zeugen von seiner Expertise in Sachen House und Techno. Auf der neuen Rekids ballert er Erkenntnisse aus seiner Kindheit über die ersten Klavierstunden raus. Und das passiert mit einem überwältigenden, catchy Rhythmus, der fantastisch groovt mit funky Pianosequenzen und den Hörer vom ersten Momentan an in den Bann zieht. Zusätzlich taucht Tal Fussmann von Survival Tactics auf, der in seiner Version, den Percussions mehr Raum beatet und die deepe Seite mit melancholischen Pianostabs stärker in den Fokus rückt, ohne den rohen, technoiden Aspekt zu verschweigen. Atmosphärisches Ausklingen basierend auf dem Original. Welch eine außergewöhnliche Produktion! Thank you, Sir Dino Lenny! 10 Cars10.Becker  

Aney F.
Deep Inside EP (South Of Saturn)
Aney F. der bereits seit einigen Jahren erfolgreich deepen bis minimalen House veröffentlicht, bringt sein nächstes Release auf SoS, einem Label von Lee Foss. Zu hören bekommen wir deep gehaltenen House, allerdings labeltypisch etwas aufgepumpt. Mir gefällt „Mariache“ gut, denn hier kommen die Beats etwas entspannter, deepe Chords bringen einen oldschooligen Touch ins Spiel, der von den tollen Vocals noch verstärkt wird. Aber auch dieser schiebende House von „Having A Good Time“ überzeugt mit fetzigen Synthies, coolem Basslauf und treibenden Beats. Also insgesamt hört man den Sound von Aney F. deutlich heraus, und damit wird die EP sowohl Techhouser und ‚Oben-Ohne-Tänzer‘ aber auch die deepen Freunde überzeugen. 10Rusty

Dennis Cruz & Iuliano Mambo
The Trip (BotaniQ)
Kollabo vom spanischen Heavyweight Denniz Cruz auf dem eigenen Label mit seinem langjährigen Studiopartner Iuliano Mambo. Sie liefern mehr als amtlich auf „The Trip“ ab: Rollender Groove, crispy Percussions, warmer Low-end Druck und subtile rhythmische Details, wie die unterschwellige pochende Sequenz, die den Track wie eine Lifeline ständig am Köcheln hält. Die melodischen Male und Female Vocals vermitteln uns für diese Art von House eher unübliche, jedoch sehr schöne Momente. Hypnotischer Track! 9 Cars10.Becker

HEINZ
Hello (Adesso Music)
Mit seiner neuen Single kommt Heinz auf Adesso Music, und zu dem Label von Junior Jack passt dieses Release thematisch auch perfekt. Durch den Track führt ein Vocalsample, das nur aus dem Wort Hello besteht und sich lediglich in der Betonung leicht verändert. Hinzu kommt ein techhousiges, aber auch reduziertes Arrangement, in dem wuchtige Beats und forsche Percussions den Ton angeben. Hierzu gesellen sich fetzige und meist hintergründige Synthies, die aber von einem massiven Synthshot befeuert werden, der dem Ganzen einen technoiden Stempel aufdrückt. Damit ist der Track von Anfang bis Ende wirklich gut produziert, bringt den Drive an seine Grenzen und begeistert. 10Rusty.

Huxley
Pinball Skizzrad EP (Rekids)
Dicker House vom UK Produzenten auf Rekids Nummer 286. Ein kavernöser Bass, Oldschool Vocaltouches und ein leichtes Saxmotif projezieren Wärme und injezieren Energie auf dem Dancefloor. „Heaven“ klöppelt mit Stabs, addiert glimmende Chords und verschachtelte Melodien – deep, dubby House zum lockeren Swing auf der Fläche. Auf zum Backroom mit ultraguten Deep House, wenn „Deep Down“ soulfulle Vocalfragmente anbietet und anbetungswürdig performt!!! Der perkussive Roller „Felix“ bringt uns mit tribalen Akzenten und stripped-back Atmo raus – subtiler, knackiger House. Insgesamt liefert Huxley vier tolle Titel und damit eine absolute Kaufempfehlung. 10 Cars10.Becker

Kollektiv Turmstrasse
Post Hope EP (Post Hope Audio)
Mit der „Post Hope“-EP markiert Kollektiv Turmstrasse – mittlerweile das Soloprojekt von Nico Plagemann – mehr als nur eine neue Veröffentlichung: Als Debütrelease des eigenen Labels Post Hope Audio funktioniert sie wie eine Grundsatzerklärung, eine Rückkehr zu den Wurzeln dessen, was diese Musik einst ausgezeichnet hat, und nur selten wirkte eine künstlerische Entscheidung so stimmig und emotional authentisch. „IPROMISEU“ zieht die Aufmerksamkeit unmittelbar auf sich – die stimmliche Präsenz, die emotionale Tiefe, der behutsame Aufbau entwickeln eine Dringlichkeit, die außergewöhnlich ist: keine konstruierte Spannung, sondern eine Atmosphäre, die sich einprägt und auf emotionaler Ebene kommuniziert. „IFEELU“ erreicht dann einen Moment der Synthese, in dem Geborgenheit, Wehmut und Zuversicht nebeneinander existieren – beinahe gewichtslos und dennoch zentral treffend, große Emotionalität ohne theatralische Überhöhung, schlicht präsent, und gerade diese Zurückhaltung macht die Wirkung aus. „IMOVEU“ erzeugt Dynamik auf unkonventionelle Art: kein klassischer Höhepunkt, sondern ein subtiler, beinahe widerspenstiger Vorwärtsdrang, der nicht explodiert, sondern kontinuierlich trägt, nicht auf Lautstärke setzt, sondern auf Präsenz – und genau darin manifestiert sich die Stärke. Die wahre Qualität dieser EP liegt in ihrer Kompromisslosigkeit: Nichts erscheint überfrachtet, jedes klangliche Element findet seinen Platz, jeder Augenblick besitzt Bedeutung, und „Post Hope“ belegt damit, dass emotional tiefgründige elektronische Musik auf höchstem Niveau weiterhin existiert – ein Werk, das nicht durch Lautstärke überzeugt, sondern durch Substanz, und genau deshalb lange nachwirkt. 10/10 LDH

Quadrakey
Summer Vibes EP (Small Great Beats Vol. 3)
Ganz gelöst und entspannt konstruiert Quadrakey die dritte Ausgabe der Small Great Beats. Vier Titel im tiefen Houseumfeld lassen die Herzen der Housegemeinde höher schlagen. Das geloopte Klavier dominiert das wunderbare „Good For Your“. „Feel Alone“ klingt nach Crystal Waters Ende der 90er – melodiös etwas überstrapaziert, die Femalevoice passt allerdings sehr gut zum übrigen Kontext. Bester Track dann auf der Flip: „Dancing With You“ ist ein romantisch-melodiöser Killer, der alle paarungs- und nicht-paarungsbereiten Tanzverrückten auf die Housefläche holt und gemeinsam das Tanzbein schwingen lässt – fett! Hammond-affine Sequenzen und Pianoflow entlässt uns entspannt in die „Summer Vibes“. Super Scheibe! 10 Cars10.Becker

Seddig
Katharsis (Symbolism)
Seddig aus Bremen, aber ansässig in Berlin, kehrt mit der EP „Katharsis“ zum Label „Symbolism“ von Ben Sims zurück. Die EP ist ein durch und durch kompromissloses Fünf-Track-Werk, welches mit dem harten, sich ständig wandelnden Titeltrack beginnt, der für die Peak Time wie geschaffen ist. Beim Stück „Unfazed“ hingegen sorgt eine fast schon traumhafte Atmosphäre für einen psychedelischen Rausch auf der Tanzfläche. „Turbulence“ ist ein kraftvolles Stück eher dissonanter Dance-Musik, welches die EP in zwei Hälften teilt. Auf der B-Seite befinden sich dann die abschließenden Tracks „Sixstep“ und „Prism“, die beide klassischer Loop-Techno sind und für einen kraftvollen Abschluss sorgen. Für mich definitiv sein bestes Release bisher! 10 Transmitter

Sonidy & Benny S
Fantasy EP (Traxx Underground)
Inzwischen ist man bei TU bei Ausgabe 27 angekommen, die Qualität bleibt auf bekanntem, hohen Niveau. Sonidy startet „Deep Music“ herrlich deep und sehr tanzbar – Klasse! Im Zusammenspiel mit Benny kann der Titeltrack noch eine Schüppe drauflegen: „Fantasy“ kommt catchy und mit warmen, anschmiegsamen Chords. Im gleichen Stil setzt sich die B-Seite fort: Weiche Hintergrundlinien und Vocalfragmente kennzeichnen „Freedom“, gefolgt vom druckvolleren „Party Time“. Extrem fettes Deep House Vinyl und extrem empfehlenswert! 10 Cars10.Becker  

Tom Novy, Chris Trucher, Twism
Not Gonna Let /Defex & Tsodor Remix (Soulful Legends)
Der Track mit dem Colonel-Abrams-Vocal erschien bereits 2025, erhält durch Defex und Tsodor jedoch eine frische, housige Note. Der Remix verbindet soulful House-Vibes mit einem modernen, deepen Clubsound. Warme Chords, gefühlvolle Vocals und eine treibende, aber unaufdringliche Bassline sorgen für eine entspannte und gleichzeitig tanzbare Atmosphäre. Dabei bleibt der Remix nah am emotionalen Kern des Originals, verleiht dem Track jedoch deutlich mehr Groove und Club-Appeal – perfekt für späte Stunden auf der Tanzfläche oder stilvolle Warm-up-Sets. 8 Anil


Aus dem FAZEmag 171/05.2026