Ihr neues Album steht vor der Tür und Protonica verraten uns im Interview, was euch erwarten wird! In der Goa-Trance-Szene kennt man Ralf Dietze und Piet Kaempfer seit über 20 Jahren. Mit dem Debütalbum „Search“ von 2007 und dem zweiten Album „Form Follows Function“, das 2012 folgte – beide wurden auf dem Berliner Musiklabel Iono Music veröffentlicht –, verzauberte das Duo die Menschen auf der ganzen Welt mit seiner psychedelischen Trance-Musik – und mit dem Projekt Collidr sind Piet und Ralf auch in der Techno-Szene unterwegs. Egal ob in Deutschland, Indien, Kanada, Australien, Brasilien, Mexiko, Japan oder Südafrika: Protonica treffen mit ihrem ausgefeilten Sound immer die richtige Frequenz der Herzen.


 

Wann habt ihr gemerkt, dass ihr euch beruflich in der Musikszene ausleben wollt und könnt?

Ralf: Durch die Liebe zur Musik hatte ich damals diesen Weg eingeschlagen, ohne zu wissen, was mich erwartet. 1995 fing ich mit dem DJing an, selbstverständlich mit Vinyl. Ich startete mit Hip-Hop, aber das änderte sich ganz schnell, als ich merkte, dass mir das technische Auflegen nicht so sehr lag. Ich mochte eher das treibende Ineinandermischen der Schallplatten und so bin ich 1996 beim Goa-Trance gelandet. Erst etwas später kristallisierte sich heraus, dass ich das Ganze beruflich gestalten wollte. 1997 gründete ich eine Deko-, Musik- und Veranstaltungsfirma mit dem Namen „Sehnsedahastes“. Später, im Jahr 2004, bauten Piet und ich unser Musikprojekt weiter aus, das wir dann Protonica tauften.

Piet: Bei mir fing es 1999 an, als ich zum ersten Mal Psytrance bei Radio Fritz in Berlin hörte. An eine berufliche Karriere war damals überhaupt noch nicht zu denken, aber insgeheim hegte ich schon länger den Traum, mit Musik meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Erst als ich Ralf kennenlernte, reifte die Idee vom gemeinsamen Musikprojekt, das es von der Hobbyecke in die Plattenläden schafft.

Wie und wo begann euer gemeinsamer musikalischer Weg?

Ralf: In meiner ehemaligen Heimatstadt Halle (Saale) hatte ich mit meinem damaligen Team eine Radiosendung namens „Waschmaschine – Mixed Styles“ bei einem freien Radiosender, Radio Corax. Musikalisch liefen bei uns Ambient, Chill-out, Minimal-Techno und House sowie Psytrance und andere Sachen; wie der Name schon sagt: Mixed Styles eben. In der Sendung haben alle zwei Wochen diverse DJs live aufgelegt, die ich persönlich ausgesucht und eingeladen habe. Unter anderem hatten wir Artist-Features von Gabriel Le Mar, Pete Namlook (Ruhe in Frieden!), Apparat und Anthony Rother. Piet hatte sich 2003 für diese Sendung beworben und ich lud ihn ein. Er brachte selbst produzierte Musik mit, es waren zwei Goa-Acid-Trance-Stücke. Die gefielen mir wirklich gut und berührten mich emotional. Da ich zu dieser Zeit selbst auch schon Musik produzierte – wenn auch eher hobbymäßig –, fragte ich Piet, ob er Lust hätte, mit mir zusammen was zu probieren. Das hat dann gut funktioniert. So fing es an, damit war unser Duo geboren – und 2004 gaben wir uns dann den Künstlernamen Protonica.

Habt ihr je gelernt, auf klassischen Musikinstrumenten zu spielen?

Piet: Ja, meine Oma war Klavierlehrerin und hat mir das Spielen auf diesem wunderbaren Instrument beigebracht. Diese musikalische Vorbildung hat mich in meiner Jugend weithin geprägt und so an elektronische Musikinstrumente wie Synthesizer, Sequenzer und Grooveboxen herangeführt. Ich habe mich persönlich musikalisch weitergebildet und das erworbene Grundverständnis von Rhythmik, Harmonik und Melodik ist mir auch heute noch im Studio eine große Hilfe.

Ralf: Ehrlich gesagt lag mir das nicht so, obwohl ich als kleiner Junge Akkordeonunterricht hatte. Ein Didgeridoo habe ich heute noch, das Akkordeon nicht mehr! (lacht) Ich habe mich oft gefragt, woher das musikalische Geschick in meiner Familie kommt; nun, eine Glocke hat immer einen treffenden charakteristischen Klang, denn mein Opa war Glockengießer.

Was hört ihr privat für Musik?

Ralf: Aktuell höre ich am liebsten meditative Musik, Ambient und Chill-out, Sachen zum Relaxen, Entspannen und fürs Herz – aber es darf auch mal was Schnelleres sein, wie zum Beispiel Psytrance und Techno. Außerdem mag ich Musik mit mystischem Touch und tiefen Klängen.

Piet: Zu Hause läuft bei mir momentan viel radioeins, Electronica und Chilliges wie Lofi-Hip-Hop oder Piano-Playlisten. Es entspannt mich und holt mich aus der Psytrance-Blase heraus. (lacht)

Was hättet ihr für Berufe, wenn euer Talent euch nicht dahin gebracht hätte, wo ihr heute seid?

Piet: Eventuell wäre ich Ingenieur geworden, das hatte ich zumindest eine Zeit lang studiert. Technik, Musik und Design haben mich immer begeistert. Vermutlich wäre ich in einer dieser Branchen früher oder später tätig geworden.

Ralf: Oha, das ist schwer zu sagen. Ich denke, dass ich wieder im musikalischen Dasein gelandet wäre, eben genau wegen meiner leidenschaftlichen Liebe zur Musik. 2007 habe ich eine Berufsausbildung zum Sound-Designer absolviert, also ging es bei mir immer schon um einen musikalisch-künstlerischen Werdegang. Aber da du fragst: Wahrscheinlich wären auch Maler, Fotograf oder irgendein anderer kreativer Beruf möglich gewesen.

Euer neues Album „Symmetry“ ist fertig und wird im Frühjahr auf dem dänischen Label Iboga Records veröffentlicht. Wir sind schon alle ganz gespannt darauf. Wie viele Tracks wird es auf dem Album geben, mit welchen Musikern habt ihr zusammengearbeitet und was hat euch inspiriert?

Ralf: Ja, genau, es kommt auf Iboga Records. Wir können euch verraten, dass unser Album aus neun Musikstücken besteht. Wir haben Wert darauf gelegt, dass alle Tracks gut miteinander harmonieren und auch einen unterschiedlichen Klangcharakter haben. Euch erwarten eine Zusammenarbeit mit Liquid Soul, eine weitere mit Ticon sowie zwei Remixe. Einen Remix haben wir für Ace Ventura & Captain Hook gemacht und den anderen für Atmos‘ legendären Track „The Only Process“. Meine Inspiration ziehe ich unter anderem aus dem Moment, wenn Menschen in unsere Musik eintauchen wie in eine andere Welt, dabei die Töne im ganzen Körper spüren, freudig tanzen und zu guter Letzt mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht nach dem Event nach Hause gehen.

Piet: Es ist ein spaciges Album geworden! Wir haben über zwei Jahre lang hart daran gearbeitet und es uns nicht leicht gemacht. Die Reaktionen auf den Dancefloors in Europa, Amerika und Asien stimmen uns optimistisch, dass das Album ein ebenbürtiger Nachfolger des vorherigen wird. Es war uns wichtig, den typischen ProtonicaSound weiterzuentwickeln und zu verfeinern, ohne dabei den Charakter zu verlieren.

Im Vorgespräch durfte ich schon erfahren, dass ihr mit Irina Mikhailova an einem Song für euer neues Album gearbeitet habt. Wie kam es zu dieser Kollaboration?

Ralf: Es ist der einzige Chill-out-Song auf unserem Album. Mitten im Schaffensprozess suchten wir nach einer Stimme, die dem Song einen gewissen Touch verpassen sollte. Wir haben Irina einfach angeschrieben und sie machte uns auch direkt ein paar Vocals fertig. So war das.

Wie dürfen wir uns Protonicas Studio vorstellen und mit welchem Programm produziert ihr eure Musikstücke?

Piet: Zurzeit haben wir zwei kleine eingerichtete Studios, jeder eines bei sich zu Hause. Wir besuchen uns regelmäßig und haben gemeinsame Sessions. Ich frickle sehr gerne auch mal allein für mich, um auf neue Ideen oder Innovationen zu kommen. Das fließt dann wieder in das gemeinsame Projekt ein. In den Studios arbeiten wir mit Ableton Live als Herzstück unserer Produktionen und nutzen externe Hardware-Synthesizer wie Nord Lead, Virus, Bass Station und Blofeld als Inspirationsquelle. Wir arbeiten viel mit Samples und heutige Software-Synth- und Effekt-Plugins sind auch nicht mehr zu verachten.

Ihr habt noch ein Nebenprojekt namens Collidr. Was könnt ihr uns darüber erzählen?

Ralf: 2014 haben wir Collidr ins Leben gerufen. Damit wollen wir uns anderweitig ausleben sowie experimentieren, um dadurch ein etwas anderes Musik-Territorium zu betreten. Der Musikstil steht für Techno und seine Facetten. Erste Stücke wurden bei dem Label Sprout Music von D-Nox und auf einer Compilation von MVMB bei Iboga Records veröffentlicht. Nebenbei gesagt: Früher hatten wir noch ein weiteres Side-Projekt namens Kaempfer & Dietze. Es war im Progressive-Trance-House angesiedelt, doch irgendwann war dieser Musikstil leider nicht mehr so gefragt. Mit Collidr führen wir das jetzt auf eine andere und frischere Art weiter.

Was war euer schönster Moment auf der Bühne?

Ralf: Ich kann das nur verallgemeinern, indem ich sage: Wenn der Applaus der Partygäste Wellen schlägt und die Dankbarkeit der Gäste sichtlich und emotional spürbar ist.

Piet: Eines meiner persönlichen Highlights war unser Auftritt auf dem Ozora Festival in Ungarn 2017. Da hat einfach sehr vieles gestimmt. Wir mögen es, am frühen Abend zum Sonnenuntergang auf Festivals zu spielen, da dann eine gewisse magische Atmosphäre herrscht und unser Sound sich besonders gut entfalten kann. Das Bühnensetting war sehr professionell, sodass wir befreit spielen konnten. Das ganze Set könnt ihr euch sogar auf YouTube anschauen und quasi live dabei sein.

Wollt ihr unseren Lesern noch etwas sagen?

Piet: Wir hoffen, dass euch unser neues Album so gut wie uns gefällt.

Ralf: Bleibt euch selbst treu und seid fair zueinander!

 

Aus dem FAZEmag 085/03.2019
Text: Jeanette Leiendecker
Foto: Johan Kvint
www.protonica.de
www.collidr.de