robert babicz


Es gibt Künstler und Produzenten, die sich und ihre Kunst einer bestimmten dancefloororientierten Funktionalität verschrieben haben. Klänge für den Körper. Auf der anderen Seite gibt es dann noch die, deren oberstes Credo die Vermittlung von Gefühlen und Vibes ist. Robert Babicz gehört dabei für viele zur Champions League. Als Rob Acid groß geworden, liefert er seit geraumer Zeit rund um den Globus als Robert Babicz frenetisch gefeierte Live-Sets ab. Er ist einer, der es auf scheinbar spielerische Art schafft, seinem Sound diese eine unverkennbare Handschrift und Charakteristik zu verpassen. Am 21. Juni erschien auf Systematic mit „The Owl And The Butterfly“ der dritte und letzte Teil seiner Album-Trilogie.

Babicz war schon immer jemand, der seinen Blick über den Tellerrand hinaus gerichtet hält, sich Gedanken übers Leben macht. Und so spielt die Eule eine wichtige Rolle für ihn. „Das erste Album hieß ‚A Cheerful Temper‘ und das zweite ‚Immortal Changes‘. Der Schmetterling war dabei stets das Symbol der Transformation. Nun ist mit der Eule ein neues hinzugekommen. Sie steht bekanntlich für Weisheit und Erfahrung. Und ich habe für mich festgestellt, dass ich nun nach 23 Jahren das Level eines Advanced Beginners erreicht habe (lacht). Und jetzt bin ich erst recht heiß darauf, noch mehr zu lernen und zu tun. Ich habe noch so viele Geschichten in meinem Kopf, dass dies wirklich nur das Finale einer davon ist. Nonstop höre ich Musik in meinem Kopf, ob ich mir nun die Zähne putze oder gelangweilt am Flughafen sitze. Das ist ein Grund, warum ich privat so gut wie nie Musik höre, weil sie quasi ständig läuft.“

Doch wie ein Regenbogen nicht ohne Regen entsteht, gehören solch einer Motivation und einer Lebenslust in diesem Fall auch unschöne Zeiten an. So plagten Babicz im vergangenen Jahr schwere Depressionen. Seiner Facebook-Seite, auf der der Hobbyfotograf seinen Fans beeindruckende Bilder seiner Tour liefert, war das im Frühjahr 2012 zu entnehmen. Zu seiner größten Hilfe zählt der Königsforst- Wald bei seiner Heimat Köln: „Diese Zeit war in der Tat sehr hart. Allerdings denke und glaube ich, dass jeder Künstler, der sich wirklich wichtig nimmt, automatisch immer wieder Krisen durchlebt. Und diese sind auch wichtig. Man muss immer in der Lage sein, sich zu jeder Zeit komplett in Frage zu stellen und alles zu hinterfragen. Dieses Mal war es wirklich intensiv, aber nur so treten entscheidende Veränderungen ein. Ich hatte einige persönliche Probleme, und auf vielen Ebenen habe ich gespürt, dass etwas nicht stimmte. Auch wenn das Leben lief, war es deutlich abseits des Sync. Ich merkte, wie ich mich in Arbeit vertiefte, nur noch funktionierte und insgeheim vor etwas weglief. Durch diese ganzen Spaziergänge im Wald habe ich vieles verarbeitet. Und nun kann ich behaupten, dass ich relaxter und selbstbewusster denn je. Ohne spezielle Diät habe ich 25 Kilo abgenommen. Und das lediglich durch das bewusstere Leben.“

Und so erinnert sich Babicz besonders an einen Moment an einem Januarmorgen. „Auch wenn es unfassbar kalt war und ich noch keine geeigneten Klamotten dafür hatte, bin ich wie ein sturer Bock jeden Morgen für Stunden spazieren gegangen, und nach einiger Zeit hatte ich ein für mich besonderes Erlebnis. So blöd das für viele vielleicht klingen mag, habe ich darüber nachgedacht, dass ich dem Wald danken möchte. Für die Chance und die Möglichkeiten, die er mir gibt. Ich habe ihn quasi als Wesen gesehen, der mich ohne Meinungen und Einflüssen annimmt. Und in diesem Moment kamen mir vor Glück die Tränen. Ich habe gespürt, dass das der Beginn einer großen Veränderung für mich war. Mit keiner Substanz kann man meiner Meinung nach solch eine Tiefe erreichen. Und das ist der Grund, warum ich noch immer gerne in den Wald gehe.“

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Das kann er nun mit neuem Album im Gepäck tun. Insgesamt 20 Tracks, von denen acht Sequenzen sind, gibt sich Robert Babicz unter seinem realen Namen so dancefloornah wie nie zuvor. In 20 Stücken erschafft er seine eigene Welt aus House, Techno und Electronica. Mit dabei sind auch zwei Titel mit Vocals, der Track „Crazy“ wird von der Russin Ange vertont, und „Flow“ wurde zusammen mit Karen Vogt produziert. Zusätzlich enthält das Album einen Rework von „Sonntag“, ein Song, der bereits 2005 auf Kompakt erschien. Zusammen mit Remixen von Rodriguez Jr., KiNK und Pezzner wird es die erste Singleauskopplung des Albums werden. Auch Vocals, für die Babicz bislang nicht bekannt war, hört man nun. „Ich wollte unbedingt meine Stücke wieder im Club spielen können. Beim Album davor waren eigentlich nur zwei Tracks spielbar, das ist jetzt anders. Als ich anfing, am Album zu arbeiten, hatte ich 50 Stücke, die in eine Elektronica-Richtung gingen. Nach langem Grübeln habe ich dann bis auf ein Stück alles gelöscht. ‚Flow‘, der jetzige Schlusstrack, ist übrig geblieben. Lange Zeit konnte ich mit Vocals nichts anfangen. Mein ganzes Leben lang habe ich am liebsten nur Instrumentalversionen gehört und peinlich darauf geachtet, dass auf den Maxis auch immer Dub-Versionen sind. Doch langsam entdecke ich doch die Stimme für mich. Und ich finde es höchstspannend, wie Worte und Sätze der Musik noch eine andere Dimension hinzufügen können.“

In den nächsten Wochen geht es für Robert Babicz u.a. nach Singapur, Beijing, Sibirien, Detroit und Toronto. „Ich bin vollends eingespannt und kann mich jetzt voll aufs Touren konzentrieren, nehme auch wieder Remix-Anfragen an. Auch wurde ich gefragt, ob ich bald eine Balance-CD mixen möchte. Und da ich ein Freak bin, wird es ein Doppelalbum. Ich nehme das gar nicht so wahr, aber ich habe das Gefühl, dass – seitdem ich insgesamt selbstsicherer geworden bin – alles glatter läuft. Mein Spaß auf der Bühne ist noch viel größer geworden, und der Zuspruch während und nach meinen Shows ist noch immenser. Das macht mich von Woche zu Woche glücklich. Einigen Aussagen zufolge, sind schon Kinder auf meine Musik gezeugt worden“, lacht er.

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