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Mit seinen 28 Jahren ist Jeremy Vieira aka Several Definitions schon jetzt ein neuer Stern im elektronischen Kosmos der Schweiz. Seine Produktionen auf Imprints wie Suara, Diynamic, Sincopat, Knee Deep in Sound und auch Dave Seamans Selador beförderten ihn ohne Umwege zu Gigs auf dem Suara-Showcase im ibizenkischen Privilege oder im La Terrazza zum Off Sonár sowie zu Auftritten im Rahmen des Montreux Jazz Festivals als Support für Solomun, Tale of Us und Âme. Kürzlich debütierte Vieira mit seinem Live-Set, am 29. September erschien sein Debütalbum „Reborn After The Road“ auf Stil vor Talent.

Die insgesamt 14 Tracks präsentieren sich intensiv und emotional zugleich. Einen großen Anteil an den hörbaren Atmosphären tragen unzählige Field- und Live-Recordings sowie der permanente Wechsel zwischen analogen und digitalen Modulen. Seine musikalischen Wurzeln wurden bereits im jungen Alter von acht Jahren gelegt. „Damals habe ich gelernt, Drums zu spielen, ehe ich irgendwann meine ersten Turntables hatte. Hip-Hop und Scratching waren große Leidenschaften von mir. Pünktlich zu meinem 18. Geburtstag begann ich dann natürlich auch, in Clubs zu gehen. Dort entdeckte ich meine Liebe zu elektronischer Musik. Diese hat mich seitdem auch nicht mehr verlassen.“ Eine große Rolle hat dabei Trance gespielt. „Große Melodien, große Beats und hohe bpm-Zahlen. Es faszinierte mich, sodass ich eine Zeit lang Spaß damit hatte. Zumindest so lange, dass man diese Roots auch in meiner Musik hören kann, wenn auch nicht bei 138 bpm (lacht). Melodien sind für mich das absolut Wichtigste und ich versuche stets, den Fokus auf sie zu richten und den Spirit in meinen Werken ähnlich zu halten – groovig und melodiös.“ Seine Leidenschaft sowie der Antrieb müssen sehr groß gewesen sein, debütierte er mit seiner ersten Produktion doch gleich auf dem Label von Hot Since 82, einem der aktuell angesagtesten DJs aus UK. Es folgten der Titel „Voices“ auf einer „Stil vor Talent“-Compilation und daraufhin erste Bookings außerhalb der Schweiz. „Das war ein wunderbares Gefühl, ich war und bin nach wie vor sehr stolz. So ein positives Feedback auf meine Musik zu erhalten, ist das schönste Gefühl, das man mir geben kann. Ich liebe Herausforderungen und noch mehr mag ich es, diese zu erfüllen. Als nächstes Ziel habe ich mir gesetzt, recht bald von der Musik allein leben zu können.“ Ein nicht gerade abwegiger Gedanke, hat er mit Oliver Koletzkis Stil vor Talent ein mitnichten unbekanntes Label an seiner Seite, das schon dem ein oder anderen Künstler zu internationalem Ansehen verhalf. „Ich glaube, musikalisch liegen SvT und ich sehr nah beieinander, sodass ich meine Musik ohne Ausnahme immer an Oliver geschickt habe. Irgendwann rief er an, ob ich nicht Lust hätte, ein Album zu machen.“ Die wohl besten News seiner Karriere bislang, wie er sagt, und die Erfüllung eines lang gehegten Traums.

An „Reborn After The Road“ selbst hat er nahezu zwei Jahre gearbeitet. Sein Anspruch dabei war es, in jedem Titel einen ganz bestimmten Vibe zu kreieren, der ihn persönlich sowie als Künstler repräsentiert. „Ein Album ist für mich etwas gänzlich anderes als eine EP. Während eine Single gerne auch funktional sein kann, geht es für mich beim Album darum, so persönlich und so intim wie möglich zu gehen, etwas Deepes und aus dem Inneren Kommendes zu erschaffen. Eine Art Tür zu deinen ehrlichsten Gedanken und Gefühlen.“ Klassische Synths wie der Moog und auch Modelle von Korg haben ihm bei diesem Vorhaben gedient – hauptsächlich in Sachen Basslines und Leads. „Ich kombiniere sehr gerne Analoges und Digitales. Mein aktuelles Lieblings-Tool ist wahrscheinlich der Prophet Synth für Strings. Für Effekte benutze ich einige VSTs, das war’s.“

 

Dass seine Titel aktuell großen Anklang finden, erkennt man unweigerlich auch an der stetig wachsenden Anzahl der Live-Sets in seinem Tour-Kalender. „Ich liebe es, DJ-Sets bzw. Musik von anderen Künstlern zu spielen. Daher könnte ich niemals sagen, dass ich nur Live-Act bin. Sowohl DJ- als auch Live-Sets spiele ich gerne, sie sind für mich aber grundlegend verschieden. Beim Live-Set geht es nur um dich und deine Musik. Der Unterschied beim DJ-Set ist – neben der Musik –, dass man obendrauf noch die Zeit hat, zwischen zwei Tracks einen Drink zu genießen (lacht).“ Auf die Frage, was in den kommenden Wochen und Monaten an Highlights ansteht, überrascht es einen nicht, dass die Antwort etwas mit Musikproduktion zu tun hat. „Natürlich arbeite ich schon an neuem Material (lacht). Ich sitze an einer Art Mini-Album, das ich bald mit Marc DePulse veröffentlichen werde. Ich habe einfach zu viele Ideen, als dass ich sie nur für mich behalten könnte. Ich hoffe, dass das kommende Jahr ebenfalls ein vielbeschäftigtes sein wird. In Sachen Shows freue ich mich wahnsinnig auf meine Rückkehr nach Berlin ins Watergate. Ich denke, das ist für jeden Künstler ein Highlight.“

Aus dem FAZEmag 068/10.2017
Text: Triple P