So macht Lernen wieder Spaß Foto-Credit: CCO Creative Common / Author: geralt

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So macht lernen wieder Spaß

Lernmethoden und Techniken zum Aneignen von neuem Wissen sind ebenso zahlreich wie unterschiedlich. Und auch die Herangehensweise und hilfreichen Tools spielen eine entscheidende Rolle, denn nicht jede Möglichkeit eignet sich für jeden Lerntyp. Auch die eigene Motivation und die selbst gesteckten Ziele spielen eine tragende Rolle beim Lernen. Dabei ist es gar nicht so selten, dass wir unsere Lernziele nicht erreichen: die eigene Frustration und Resignation einerseits sowie geringer Verständnisgrad von Lehrern, Eltern und Vorgesetzten sind andererseits die wahrnehmbaren Resultate.

Fakt ist: Ein Lernen ohne Motivation und wirkliche Zielsetzung führt nur äußerst selten zu den gewünschten Ergebnissen. Fakt ist auch, dass jeder Mensch anders lernt; auf unterschiedliche Methodiken und Werkzeuge anders reagiert. Und dennoch ist die Motivation etwas Neues zu lernen oder seine Skills zu verbessern, auch abseits von Schule und Uni-Campus, von entscheidender Bedeutung. Der eine möchte eine neue Sprache erlernen, weil ein Jobwechsel oder längerer Auslandsaufenthalt ansteht und lädt sich dazu die neusten Sprach-DVDs oder Apps herunter oder plant direkt den nächsten Urlaub im Ausland, um mehr über die Sprache, aber auch Land und Leute zu lernen. Ein anderer hat beispielsweise das Ziel Profi im Bereich Inbound Marketing zu werden und absolviert die einschlägigen Online Seminare beim Branchenprimus Hubspot. Dann gibt es den von James Bond Klassikern inspirierten Hobby Poker-Spieler, der vielleicht das Ziel hat zum nächsten Pius Heinz zu werden und daher die neueste Poker Trainingssoftware einsetzt, um seine Fähigkeiten zu verbessern. So unterschiedlich wie die Menschen selbst, sind auch ihre professionellen und privaten Ziele im Leben gesteckt.

 

Ganz egal in welchen Bereichen und aus welchen Gründen wir uns neues Wissen aneignen bzw. unsere Fähigkeiten optimieren wollen, neue Informationen und Wissensinhalte werden über unsere Sinnesorgane wie Augen, Ohren, Nase oder unseren Geschmacks- und Muskelsinn aufgenommen sowie über Synapsen an unser Gehirn weitergegeben. Wir sind alle Individuen und auch wenn wir anatomisch alle gleich beschaffen und alle mit denselben Sinnenorganen ausgestattet sind, so unterscheiden sich die einzelnen Organe doch in ihrer Beschaffenheit. Daher ist es gerade beim Erlernen neuer Dinge wichtig zu wissen, welcher Art Lerntyp man ist. Denn wer mehr über seinen eigenen Lerntyp weiß, lernt effektiver.

 

Die unterschiedlichen Lerntypen

Wissenschaftlich betrachtet, gibt es bisher noch keinerlei empirisch belegte Studien zu den unterschiedlichen Lerntypen. Praktisch gesehen, spielt die unterschiedliche Ausprägung der menschlichen Sinnenorgane jedoch eine zentrale Rolle beim Aneignen von neuem Wissen. Doch welche Lerntypen gibt es und wie unterscheiden sich diese? Primär lassen sich diese wie folgt unterteilen:

Kommunikativer Lerntyp

Auditiver Lerntyp

Visueller Lerntyp

Motorischer Lerntyp

Beim kommunikativen Lerntyp spielt das miteinander Sprechen und der kommunikative Austausch untereinander eine enorm wichtige Rolle beim Aneignen von neuem Wissen. Konkret bedeutet dies, dass das Sprechen, das einander Erklären und Diskutieren bei diesen Menschen am effektivsten wirkt.

Für den auditiven Lerntyp stehen über das Ohr wahrgenommene Inhalte an primärer Stelle. Auditiv veranlagte Personen können das Gehörte am besten aufnehmen und verarbeiten. Hier eignet sich die Wissensaufnahme über eine erklärende Person besonders gut, aber auch Hörbücher und Podcasts sind hier sehr sinnvoll eingesetzt.

Visuelle Lerntypen lernen am effizientesten, wenn sie sich Bilder, Fotos, Grafiken oder auch Filme ansehen. Fällt es dem visuellen Lerntyp eher schwer langen mündlichen Erklärungen Gehör zu schenken, macht es für diesen Charakter Sinn, das Wissen über statisches oder bewegtes Bildmaterial aufzunehmen. Neue Inhalte werden über das Anschauen eines Films wesentlich besser erlernt als über die mündliche Erklärung eines Lehrers oder dem Hören eines Hörbuchs. Auch moderne Lernplattformen unterstützen geradezu spielerisches Lernen und motivieren selbst die Kleinsten mit Spaß Ihre Ziele zu erreichen.

Der eher motorisch geprägte Lerntyp erlernt neue Dinge am besten, wenn die damit verbundenen Handlungsabläufe selbst erlebt und so nachvollzogen werden können. Man spricht hierbei auch von dem sogenannten „Learning by doing!“ Den Umgang mit einer neuen Software wird dieser Lerntyp beispielsweise am besten im täglichen Umgang mit selbiger verstehen.

 

Wissen ist Macht!

 
In diesem Fall ist das nicht nur eine leere Floskel, sondern in Bezug auf ein grundlegendes Verständnis für unterschiedliche Lerntypen ein wirklich gewinnbringender Mehrwert. In der Realität verhält es sich allerdings so, dass wir Menschen nie mit nur einem einzigen Sinnesorgan etwas erleben. Auch wenn in unterschiedlich stark ausgeprägter Art und Weise, erleben wir unsere Umwelt doch fast immer mit mehr als bloß einem Sinn. Es wäre daher am Thema vorbeigedacht, einfach eine Lerngruppe aus unterschiedlichen Individuen zu nehmen und diese in verschiedene „Lerntypen“ einzuteilen. Mit dem Wissen ist es sinnvoll auf die unterschiedlichen Lerntypen einzugehen und bei der Wissensvermittlung zu berücksichtigen. Unabhängig davon, sollte man möglichst immer versuchen, so viele unterschiedliche Sinne wie möglich in den Lernprozess mit ein zu beziehen, desto größer ist die Chance sich gerade an komplexe Dinge auf möglichst vielfältige Art und Weise zu erinnern. Die Suggestopädie ist dabei sowohl eine Lehr- als auch eine Lernmethode, die alle Sinne miteinbezieht. Ins Leben gerufen wurde die Methode der Suggestopädie von dem bulgarischen Psychiater Georgi Lozanov, der verschiedenste Tools einsetze, um möglichst viele unterschiedliche Sinne des menschlichen Körpers anzusprechen. Auf diese Weise ermöglicht ein suggestopädischer Unterricht jedem lernenden Individuum die zu seinem Lerntyp passenden Werkzeuge zu nutzen, Informationen entsprechend aufzunehmen und zu speichern.
Vielfalt und Einsatz von Lernwerkzeugen

Beschäftigen wir uns mit den unterschiedlichen Methodiken zum Erlernen neuen Wissens, so reicht es nicht einfach aus, sich nur mit Lernstrategien zu beschäftigen, sondern es bedarf auch die nötigen Werkzeuge, damit wir unsere Ziele erreichen, denn je nach Lerntyp nehmen wir neue Informationen auch auf unterschiedliche Art und Weise auf.

unterricht

Für den kommunikativen Lerntyp eignen sich besonders Gesprächsrunden, in denen man gemeinsam mit seinem Gegenüber und im Austausch miteinander neue Informationen gewinnt und so dazu lernt. Karteikarten und Formate eines Round-Table, einer Quiz- oder Talkshow eignen sich dabei besonders.
Ist jemand eher ein auditiv veranlagter Lerntyp, so sind Hörbücher, Musik oder auch moderne Instrumente sinnvolle Tools, die dazu beitragen können, dass das Lernen wieder Spaß macht. Darüber hinaus kann es auch Sinn machen, sich Dinge vorlesen zu lassen oder anderen bei Vorträgen zuzuhören. Ein konkretes Beispiel könnte so aussehen, dass das Erlernen einer neuen Sprache aufgrund eines Jobwechsels oder geplanten Urlaubs wesentlich erleichtert wird, wenn man in ein Land reist, in dem diese Sprache tagtäglich gesprochen wird. Hier spielen dann auch wieder die Bereiche der Motivation und Zielsetzung eine große Rolle. Die Motivation liegt im neuen Job und das Ziel ist zwecks Verständigung eine neue Sprache zu lernen.

Eher visuell veranlagte Menschen haben zahlreiche Möglichkeiten, Lernmaterialien so aufzubereiten, dass diese das Auge als Sinnesorgan ansprechen und damit den Lernerfolg effektiv zu fördern. Zeichnungen, Skizzen, Folien, mit Textmarker hervorgehobene Keywords, aber auch Bild- und Videomaterial sind hier besonders sinnvolle Optionen. Tutorials, Dokumentationen oder auch Filme bieten für die gezielte Wissensvermittlung eine Fülle an Material, um die verstärkt visuell veranlagten Menschen zu unterstützen. Für den motorischen Lerntyp ist es wiederum sinnvoll Dinge auszuprobieren, aktiv und spielerisch neues zu erfahren. Rollenspiele eigenen sich dabei besonders gut.

Neu gelernte Inhalte: so viel bleibt wirklich hängen

Zeit

Prozent

Nach 20 Minuten

60%

Nach 60 Minuten

45%

Nach 24 Stunden

34%

Nach 6 Tagen

23%

 

Diese Werte beruhen auf der Ebbinghaus’schen Vergessenskurve, die den Grad des Vergessens innerhalb einer bestimmten Zeit darstellt. Zusammengefasst besagt diese, dass wir bereits nach gut 20 Minuten nur noch rund 60% der gelernten Informationen abrufen können. Nach gut einer Stunde sind wir nur noch in der Lage uns an gut 45%, nach einem Tag sogar nur noch 34% zu erinnern. Nach knapp einer Woche kann sich der größte Teil der Menschen nur noch 23% der Informationen ins Gedächtnis rufen. Der Berliner Professor Ebbinghaus geht sogar so weit, dass er sagt, dass wir uns dauerhaft nur gut 15% der gelernten Informationen abrufen können. Des Weiteren geht Prof. Ebbinghaus davon aus, dass das Vergessen in einem ganz engen Kontext mit der Motivation sowie dem Sinn und dem Ziel des Lernens steht. Das heißt, je mehr ich einen Sinn darin sehe etwas zu lernen, motiviert bin und Spaß dabei habe, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit diese Informationen im Gedächtnis zu behalten.

Je mehr man über sich, seine eigenen Stärken sowie Schwächen weiß, und welcher Art Lerntyp man selbst ist, desto leichter fällt es uns, neue Dinge zu erlernen. Das und der Spaß daran gerne Neues zu erlernen, sind neben der Motivation und dem Setzen eigener Ziele maßgeblich für den Lernerfolg verantwortlich.