So war das Faithless-Konzert vor dem Kölner Dom

So war das Faithless-Konzert vor dem Kölner Dom. Credit: David Fuchs

Knapp zweieinhalb Jahre nachdem Frontmann Maxi Jazz der Band Faithless verstorben ist, trat der Rest der Gruppe gestrig vor dem Kölner Dom auf – zahlreiche Tribute und Hommagen an den beliebten Sänger inklusive. Wir waren vor Ort.

Donnerstag. 19.30 Uhr. 21 Grad. Es ist trocken, nachdem es am Vormittag noch geregnet hat – beste Voraussetzungen für einen Outdoor-Konzertabend.

Es bildet sich eine lange Schlange auf der Kölner Domplatte, die sich aber zügig voran bewegt. Der Grund: Faithless spielen auf dem Roncalliplatz in der Stadt am Rhein. Roncalliplatz? Der befindet sich direkt neben dem Kölner Dom, auf der gegenüberliegenden Seite des Hauptbahnhofs.

Das Publikum vor Ort: Eine spannende Mischung. Von lässig bis schick, vom Metallica-Shirt bis zu Faithless-Tour-Shirts aus dem Jahr 2010 ist kleidungstechnisch vieles dabei. Sogar einen Besucher mit Loveparade-T-Shirt entdecke ich, genau an diesem 15. Jahrestag der Loveparade-Katstrophe von Duisburg. Die meisten Besucher sind mittleres Alter, aber auch jüngere Gäste mischen sich dazwischen.

Ich spreche mit einem 20-jährigen Gast. Er kennt Faithless über seine Eltern, die leider an diesem Abend nicht dabei sein können. Sichtlich erfreut zeigt er sich über die Klassiker, die die Band neben aktuellen Tracks des kommenden Albums „Champion Sound“ im Verlauf des Konzerts spielt.

Aber erst mal von vorne: Faithless befinden sich auf Tour, um ihren kommenden Longplayer, der im September erscheint, zu promoten. Nach dem Tod des markanten und populären Frontmanns Maxi Jazz im Dezember 2022 zog sich die Band rund um Sister Bliss und Rollo Armstrong zunächst aus der Öffentlichkeit zurück, gab keine Auftritte mehr, hatte keine Releases und keine Social-Media-Posts, außer anlässlich des Todes von Maxwell Fraser, so der bürgerliche Name von Maxi Jazz. Die Mitglieder benötigen erst mal Zeit, um den Verlust zu verarbeiten.

Dann im Sommer 2023 die Rückkehr mit ersten Releases – die Band-Geschichte ging weiter, stets mit Würdigung von Maxi Jazz. Es erschien eine Hommage-Single, „I’m Not Alone (Rest Well, Maxwell)“.

2024 folgte dann das Bühnen-Comeback: Faithless spielten zahlreiche Shows, zunächst in Großbritannien, dann auch im Rest Europas. In Deutschland traten sie im November 2024 in Düsseldorf, München und Frankfurt am Main auf.

Zurück zum Kölner Dom: Beim gestrigen Gig handelt es sich allerdings um das einzige Sommerkonzert der Band innerhalb Deutschlands.

20 Uhr. Die Domglocken erklingen im Hintergrund. Passender kann man das Konzert einer Band, die mit dem Titel „God Is A DJ“ einen Welthit landete, eigentlich gar nicht einläuten. Bis die Show dann wirklich losgeht, dauert es aber nochmals eine Viertelstunde.

Um 20.15 Uhr läuft dann endlich die langjährige Besetzung der Band auf die Bühne – Maxi Jazz fehlt. Dafür sind zwei neue Sänger mit dabei, Nathan Ball und Amelia Fox. Die Erwartungen sind hoch. Ersetzt man die Stimme, die Faithless zu ihrem Ruhm verhalf, oder wie bindet man den Verstorbenen mit ein?

Die beiden neuen Stimmen von Faithless, Nathan Ball und Amelia Fox – kein Ersatz für Maxi Jazz, sondern eine Weiterentwicklung von Faithless:

Der neue Titel „Forever Free“ ertönt – er beinhaltet noch die Stimme von Maxi Jazz. Das ist schon ein Gänsehautgefühl, diese soulige Stimme nach dem Tod in einer solchen ehrwürdigen Kulisse zu hören.

„Forever Free“ vom Album „Champion Sound”:

Dann kommen erst mal instrumentalere Facetten, bei denen sich elektronische Musik mit Schlagzeug, Bongos und E-Gitarre verbinden. Nach ein paar Tracks ertönen auch die Stimmen der neuen Sänger. Nathan Ball erinnert ein wenig an George Michael, Amelia Fox stellenweise an Miss Kittin, stellenweise an Dido, deren Song „Thank You“ Faithless an diesem Abend sogar in einer neuen Interpretation spielen. Irgendwo ist das auch naheliegend, ist Bandmitglied Rollo Armstrong doch der Bruder der britischen Popsängerin.

Die Band spielt eine Mischung aus alten Hits und neuen Tracks, aus Instrumental, aus Gesang der beiden neuen Sänger und Songs mit der Stimme von Maxi Jazz, bei denen Visuals des Sängers eingeblendet werden. Klassiker wie „Salva Mea“ und „We Come 1“ ertönen – allesamt in neuen Interpretationen mit Live-Instrumenten. Hinzu fügen sich mehrere Cover-Versionen von 80er- und 90er-Jahre-Hits anderer Interpreten, zum Beispiel „Don’t You Want Me“ von Felix oder „Yeke Yeke“ von Mory Kanté.

Anfangs ist die Stimmung noch nicht ganz so angeheizt, doch spätestens als „God Is A DJ“ vor dem Kölner Dom, eines der größten Gotteshäuser weltweit, ertönt, viben nahezu alle mit. Ich sehe lächelnde Gesichter und bin selbst total im Feeling.

„Insomnia“ spielt die Band allerdings relativ früh, schon nach ein paar Tracks. Als die Fans zum Schluss den größten Hit nochmals als Zugabe fordern, werden die Instrumente leider schon abgebaut. Für die meisten dürfte das allerdings die einzige Enttäuschung an diesem Abend gewesen sein.

Ansonsten beweisen Faithless, dass sie als Band auch weiterhin funktionieren und sich dabei neu erfinden, ohne aber Maxi Jazz aus den Augen zu verlieren – eine gelungene Mischung, die sowohl auf die Vergangenheit blickt als auch auf die Zukunft der Band.

Faithless vor dem Kölner Dom:

An dieser Stelle ein Danke an den Veranstalter ElHartz Promotion, die diese exklusive Sommershow von Faithless in Deutschland ermöglicht haben und uns dazu eingeladen haben!

Album-Tracklist „Champion Sound“:

  1. Forever Free
  2. In Your Own Groove (Feat. LSK)
  3. Fugitive
  4. Peace and Noise (Feat. Suli Breaks)
  5. Meeting
  6. Driving
  7. Thinking
  8. Champion Sound Side 3 Book of Hours
  9. Find a Way (Feat. Suli Breaks)
  10. Dollars and Dimes (Feat. Bebe Rexha)
  11. Champion Sound
  12. Emmanuel
  13. Yes I Want It Too

Das Album „Champion Sound“ von Faithless erscheint am 5. September als Vinyl und als CD 2025 via ADA. Hier könnt ihr den Longplayer vorbestellen. Zum Streamen steht das Album bereits in zwei Teile gesplittet zur Verfügung.

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