2017-09-17 12.14.495

Text & Bilder: Torsten Widua

Kreuzfahrten gibt es tausendfach, Partykreuzfahrten mittlerweile auch in großer Anzahl. Doch diese gab es weltweit noch nie: eine Luxus-Kreuzfahrt mit Underground-Techno-DJs! Wer schon immer mal geliebäugelt hat, auf einem großen Schiff in See zu stechen und wer noch dazu auf elektronische Musik abfährt, sollte entweder direkt eine solche Reise buchen – oder vorab die kostengünstigere und informativere Variante wählen: Diesen Artikel lesen.

„Was schreibst du da eigentlich immer für diese Musikzeitschrift?“, fragten mich meine Eltern.
„FAZEmag!“, dachte ich. „Event-Reviews“, sagte ich. „Oder auf elterndeutsch: Ich mache Nachberichterstattungen über Veranstaltungen im Bereich der elektronischen Musik.“
Schweigen. Grübeln. Kopfkratzen.
„Okay“, sagte mir meine innere Stimme, „gibst ihnen mal einen Artikel zu lesen.“
Eine Stunde später: „Ist ja gut geschrieben, aber hab ich kein Wort verstanden“, so das Fazit der ‚Generation Uff-da-uff-da-uff-da-tätärä‘.

Bassline … Front-of-House … Stage-Host … Davon haben meine einstigen Erziehungsberechtigten noch nie etwas gehört. Ich sah die gefühlt Millionen Fragezeichen auf ihrer Stirn. Grund genug für mich, dies zum Anlass zu nehmen, um mal einen Bericht zu schreiben, den auch sie verstehen. Also, Mama und Papa, den folgenden Text sollten auch Leute nachvollziehen können, die nicht Musikszene-affin sind. Wie ihr.

Wobei … Erklär´ denen mal plausibel, warum auf dem Schiff drei Jungs gemeinsam (!) aufs Klo gehen und warum sie in der abgeschlossenen Kabine ständig die Nase hochziehen, obwohl sie keinen Schnupfen haben. Wie soll man Muddi und Vaddi begreiflich machen, warum der Veranstalter den Indoor-Pool des Kreuzfahrtriesen mit Holzplatten abdecken ließ, um daraus eine Tanzfläche zu gestalten? Wieso findet man es cool, wenn 24 Stunden pro Tag laute Musik läuft? Schließlich geht man doch spätestens um zehn ins Bett! Abends, nicht morgens! Gut, Manches kann man seinen Eltern einfach nicht erklären. Nachvollziehbar hingegen ist, dass wir uns riesig auf sie gefreut haben. Wir – das sind mein bester Freund Stefan und ich. Sie – das ist die Techno-Kreuzfahrt übers Mittelmeer, mit Sven Väth & Co. an Bord.

Wie viele der rund 2.000 anderen Passagiere reisten auch wir bereits einen Tag vorher an. Per Flugzeug. Von Köln nach Mailand. In weniger als 80 Minuten. Nachdem wir gefühlte 243 Kilometer lang die Stadt erkundet hatten, nisteten wir uns bei Roberto und seinem Kumpel ein. Ein Zimmerchen, das wir über airbnb gebucht hatten (@ Mama und Papa: übers Internet gebucht hatten). Wir folgten Robertos Insidertipp und fanden die Steinofenpizza bei Salvatore und seiner Frau Luisa um die Ecke richtig lecker. Touris? Fehlanzeige. Hier speist Italien, nicht die Welt. Ein vorzüglicher vino rosso della casa – und nach der Tiramisu ein Ramazzotti aufs Haus.

Arrivederci, Milano!
In einem völlig überfüllten Intercity ging es am nächsten Morgen nach – genau: Genua. Deutlich stressfreier war der Check-in auf das Schiff. Wider Erwarten! Denn bereits im Vorfeld entschuldigte sich der Veranstalter dafür, dass es zu Verzögerungen und langen Schlangen kommen könnte, da heute insgesamt fünf XXL-Schiffe in See stechen würden. Heißt im Umkehrschluss: Rund 10.000 Sonnenhungrige mussten durch die Sicherheitskontrollen. Es hat allerdings keine 30 Minuten gedauert – und wir waren an Bord des fast 300 Meter langen und prachtvollen Ocean Liners, der so hoch ist wie ein 20-stöckiges Haus in der Kölner Innenstadt.

Es heißt zwar „Kein Bier vor vier“, aber da die Kabinen noch nicht bezugsfertig waren und Stefan sich am reichhaltigen Welcome-Buffet bediente, gönnte ich mir um Punkt 12 das erste Beck´s. Gruppenzwang halt, denn an der Bar am Indoor-Pool herrschte bereits reger Andrang. Und als ich so auf meinen Gerstensaft wartete, kam ich an der Theke mit Diego und seinem Kumpel Matteo aus der Schweiz ins Gespräch. „Cheers!“ – das ist internationale Völkerverständigung. Das Gepäck mittlerweile in unserer lichtdurchfluteten Balkonkabine auf Deck 10 verstaut, machten wir uns auf, das Schiffchen zu erkunden. Es waren ja noch vier Stunden Zeit, ehe die MSC Magnifica aus dem Hafen von Genua auslaufen würde.

Wir begannen im Open-Air-Bereich – sprich dem Oberdeck mit Pool, Bar, Whirlpools, zig Liegen und diversen Aussichtsplattformen. Momentan war hier von Party nichts zu spüren, da die Aufbauarbeiten noch liefen und sämtliches Equipment (Lautsprecher, Deko, Kühlschränke und Lichtsysteme) mit einem schätzungsweise 90 Meter hohen Kran vom Ufer aus auf das Schiff gehievt wurde. Spek-ta-ku-lär!

Und dann, pünktlich auf die Minute, hieß es dann: Leinen los! Im Schneckentempo kroch der Kahn, der so schwer war wie 170 vollbesetzte Flugzeuge des Typs Airbus A380, aus dem Hafen der ligurischen Hauptstadt – ehe dann getreu der Devise „Volle Fahrt voraus!“ Kurs auf Barcelona genommen wurde, das wir in rund 400 Seemeilen erreichen sollten. Oder anders: Für die 700 Kilometer auf hoher See, von Genua nach Barcelona, würde unser Bötchen mit Kapitän Francesco Veniero schlappe 21 Stunden brauchen.

Genug Zeit also, um sich am Buffet zu stärken. Und die Auswahl – die war enorm! Auf schätzungsweise 60-70 Metern war alles Kulinarische aufgefahren, was man sich nur vorstellen konnte: Vom geschmorten Rinderfilet über zart-saftiges Schweinesteak bis hin zu kross gebackenem Hähnchenfleisch. Von knusprigen Pommes über geschmackvolles Gemüse bis hin zum gehaltvollen Kartoffelgratin. Es gab verschiedene Varianten an Burgern, diverse Variationen an Pizzen, es gab Pasta in sämtlichen Kreationen und Suppen. Darüber hinaus Brote, Brötchen, Wurst und Würstchen. Und bayrische Brezeln, italienische Grissini, Schweizer Käse und französisches Baguette. Und zu trinken? Die Liste würde ins Uferlose führen.

Apropos uferlos: Längst war kein Land mehr in Sicht. Und längst war die ganze Technik aufgebaut und die ersten DJs spielten die ersten Sounds. Der Startschuss fiel um 20 Uhr in der Disco T32, ehe dann Dana Ruh zwei Stunden später das Ametista eröffnete. Übrigens: Die Namen T32 und Ametista waren keine Erfindung der Veranstalter, sondern der Schiffseigner. Auch bei einer „normalen“ Kreuzfahrt würde in diesen Räumlichkeiten Musik laufen – nur eben … andere. Und „nur“ aus den vorinstallierten, kleinen Boxen. Logisch, dass MDRNTY da „etwas“ aufgerüstet hatte und man alle paar Meter Boxentürme vom Boden bis zur Decke vorfand. Im Vergleich zu ihnen waren die integrierten Lautsprecher nur PC-Speaker, die Klang aus einer mittelprächtigen Soundkarte lieferten. Aber in dem Fall: Ka-Wumm!

Generell war der Klang auf allen vier Bühnen hervorragend. Laut, aber glasklar. Brachial, aber keineswegs übersteuert. Lediglich im Bereich des Indoor-Pools hätte das hypersensible Trommelfell ein leichtes Kräuseln bekommen können. Hier würde ich der Klangqualität keine glatte Eins, sondern eine Zwei-minus geben – was daran lag, dass die Musik in diesem Areal etwas „hallig“ rüberkam – was wiederum an der enormen Raumhöhe und der vielen Glasscheiben rundherum lag. Den Sound zu 100 Prozent perfekt auszusteuern – das wäre hier anhand der Vorort-Gegebenheiten nahezu unmöglich gewesen.

Der Outdoor-Poolbereich war am ersten Tag geschlossen, da die Behörden wohl kaum eine Genehmigung erteilt hätten, tagsüber fette Beats über die Stadt Genua erklingen zu lassen, die man bis in die abgelegenste Trattoria hätte hören können. Prinzipiell – so vermute ich – war es wohl nicht erlaubt, nach 20 Uhr noch Bumm-bumm-bumm über die Open-Air-Lautsprecher schallen zu lassen. Weder auf hoher See, geschweige denn an Land, in den Häfen von Italien und Spanien. Stichwort „Ruhestörung“.

Macht aber nichts. Geht man halt ins Ametista, in dem ab 1 Uhr kein Geringerer als Sven Väth hinter den Plattentellern stand und die Wände zum Wackeln brachte. Was hätten zu dem Sound wohl die Kreuzfahrtreisenden gesagt, die hier vor ein paar Tagen noch zu Helene Fischer, Mando Diao oder Daddy Yankee zappelten?

Die Partyleute auf der Techno-Kreuzfahrt waren im Übrigen eine Mischung aus … sagen wir mal so: Augsburger Puppenkiste, Tierpark Hellabrunn, Gamescom und Zirkus Roncalli. Die Partyleute waren – in einem Wort: Menschenwieduundich. Ha, ha, ha.

Rappelvoll war aber nicht nur das Ametista. Auch sieben Etagen weiter oben, auf Deck 14, war Brettersound angesagt (@ Mama und Papa: war harte, elektronische Tanzmusik angesagt). Stacey Pullen gab sich im T32 die Ehre. Und Stefan so, als wir dort ankamen: „Alter, was für ´ne geile Lightshow! Mit weißem Laser!“ Und ich so: „Was hast´n du genommen, Junge? Das is´n Gewitter über dem Meer! Und deine Lightshow sind keine Laser, sondern Blitze!“ Äh, ja. Mit Blick auf die Uhr – es war halb fünf – verabschiedeten wir uns in die Nacht. Besser so. Morgen war ja auch noch ein Tag.

Und der begann um zehn Uhr. Recken, strecken, duschen, kurz abraven, frühstücken, länger abraven. In der Reihenfolge. (@ Mama und Papa: raven = feiern)

Endlich war der Open-Air-Pool geöffnet. Und zum perfekten Sound mit der perfekten Partycrowd gab es perfektes Wetter: 24 Grad, Sonne pur, strahlend blauer Himmel und eine fluffige Meeresbrise. Kalte Cocktails, heiße Mädels. Hot Potatoes, coole Beats. Die Stimmung war sensationell. Und dieses Gefühl, vom Inneren des Kreuzfahrtriesen auf das offene Deck zu gehen und die ausgelassene Feierfraktion zu sehen und die Musik zu hören – die werde ich wohl nie vergessen. Gänsehaut! Großartige, technoide Sommerklänge auf allen Ebenen des Freiluftbereichs. Ein Drink in der rechten Hand, die linke um die Schulter von Stefan gelegt und: Feiern. Bis der Arzt kommt? Nö, bis wir Barcelona erreicht hatten. Da ich noch nie in der mit 1,6 Millionen Einwohnern zweitgrößten Stadt Spaniens war, wollte ich für ein paar Stunden die Auszeit nutzen und mich unters Volk mischen. Mit im Gepäck: Stefan, mein persönlicher Touri-Guide, der schon einmal hier war und sich etwas auskannte.

Zurück an Bord wollten wir mal gucken, welches Rahmenprogramm sich MDRNTY so einfallen hat lassen. Im Royal Theater des Schiffes war „Birth of Creation“ angekündigt: eine Mischung aus Ambientsound und Visuals (@ Eltern: aus ruhigen Klängen und Visualisierungen). Klang vielversprechend. Die Umsetzung war – unserer Meinung nach – aber ungewöhnlich wie merkwürdig. Man erklärte den Zuschauern des mit sieben Zuschauern „nicht ganz“ ausverkauften Theaters, dass es sich bei der Darbietung um die Veranschaulichung des Kreativprozesses eines Musikproduzenten handele: Wie entsteht ein Track im Gehirn? Wie verweben sich die Gedanken? Wie reagiert der Kopf auf spontane Einfälle? Die zwei Künstler ließen mittels Technik ihre Gehirnströme messen und diese wurden per Visualisierung auf eine große Leinwand übertragen. Der Name des ersten Titels „Flow“. So richtig im Flow waren sie aber nicht – fanden Stefan und ich, und anscheinend noch ein paar weitere Gäste. Somit waren bald mehr Leute auf der Bühne als im Publikum. Schade eigentlich. Die großartige Kulisse des Theaters, in dem normalerweise Musicals & Co. aufgeführt werden, hätte viel Potenzial gehabt. Warum ließ man nicht Ambient-Musik laufen – und dazu eine im Vorfeld programmierte Lichtshow, die einen in andere Sphären versetzt? Oder warum ließ man hier keine Chill-Out-DJs auftreten? Hm…

(Halb) volles Haus hingegen war beim Kabarett, welches direkt im Anschluss an die Performance mit den Gehirnströmen aufgeführt wurde. Da ich mich jedoch unters Partyvolk gemischt hatte („Mtz-mtz-mtz-mtz…“), greife ich hier auf Stefans Resümee zurück: „War echt total nett gemacht. Das konnte man sich auf jeden Fall mal geben.“

Im bootseigenen Kinosaal war „nett gedacht, aber weniger nett gemacht“ unser erster Gedanke. Was würde auf einer Technokreuzfahrt näher liegen, als beispielsweise Musik-Dokus zu zeigen, wie die Reportage über das Techno-Berlin vor dem Mauerfall („Party auf dem Todesstreifen“) oder „Kraftwerk – the Godfathers of Techno“? Oder Filme auf englisch, wie „Berlin Calling“?! Stattdessen liefen aber ein romantisches Sci-Fi-Drama, ein italienisches Kunst-Drama und ein wirrer Ami-Comedy-Streifen. Hm…

Aber: Nicht entmutigen lassen – und Party on. And on. And on. And off: Stefan hatte auf dem Schiff um 03:30 Uhr die Segel gestrichen – ich bin um kurz nach halb sechs in die Federn gefallen. Kein Wunder, dass ich platt war, als der Meeresgigant vor Mallorca anlegte. Während ich mich im Bett noch mal umdrehte und zu Stefan sagte, er solle die Kabinentür bitte leise schließen, stiefelte er nach Palma. Ein Streifzug durch die Altstadt, in eine Tapas-Bar, zur Kathedrale. Und zurück zum Schiff, auf dem wir dann gemeinsam die Tiger Bar (der Name war optisch übrigens Programm!) aufsuchten. Hier spielte in kuscheliger Atmosphäre die Blue Moon Band – eine Jazzband / ein Quintett mit dem Repertoire aus den Bereichen Classical Jazz, modern Music und groovy Twist – so die Ankündigung laut Programmheftchen. Und eigentlich wäre die Musik wirklich hörenswert und abwechslungsreich zum Technobeat gewesen. Wäre! Doch irgendwie gab es technische Probleme. Vielleicht auch menschliche? Das Piano setzte ein, dann das Cello, dann die Sängerin. Dann? Keine Minute später der Abbruch. Warum? Keine Ahnung. Egal, nächster Titel. Diesmal zusätzlich mit Saxophon. Wieder Abbruch. Na gut, gehen wir halt was essen und danach tanzen. Techno: Da weiß man, was man hat!

Nächster Halt: Ibiza. Die Insel, die von Meerwasser umspült ist und auf die es Partyleute aus aller Welt hinaufspült, war um diese Zeit noch im Dornröschenschlaf. Gut, der Uhrzeiger tickte noch weit vor Mitternacht gelangweilt vor sich her, die Barbetreiber stellten gerade erst von Tag- auf Nachtbetrieb um und die Sonnenanbeter hatten die Strände verlassen und hübschten sich in ihren Hotels auf.

Nachdem wir mit dem vom Veranstalter organisierten Shuttlebus für 12,90 Euro pro Person (was übrigens für die kurze Strecke viel zu teuer war…) am Rande (!) der Innenstadt abgesetzt wurden, machten wir uns in Eigenregie auf den Weg zum weltbekannten Strand Playa d´en Bossa. Hier sind unter anderem das legendäre Bora Bora, das vergleichsweise neue Ushuaïa sowie das jungfräulich Hï beheimatet. Da wir auf dem Schiff jedoch ohnehin genügend DJ-Sets zu hören bekamen und schon ein paarmal auf der Baleareninsel waren, zogen wir es vor, Barhopping zu machen. In gepflegtem Stil, versteht sich. Außerdem hätten wir die Nacht nur bedingt zum Tag machen können, da wir spätestens um 03:30 Uhr die Heimreise zu unserem Luxusliner antreten hätten müssen. Denn: Die 26-stündige Rückfahrt nach Genua stand an. Und die hatte es in sich…

Als wir uns am späten Vormittag am Frühstücksbuffet mit Croissant und Nutella, Weizenbrötchen (nicht Weizenbier!) und Schinken, Salami, Rühr- und Spiegelei eindeckten, schoss mir immer wieder mal der Gedanke durch den Kopf: „Irgendwie wackeliger als sonst, der Ozeanriese.“

Je mehr der Vormittag ab- und der Nachmittag zunahm, umso mehr nahmen auch die Wellenbewegungen auf offener See zu. Und spätestens, als wir in der Tiger Bar einen alkoholfreien Cocktail zu uns nahmen und der Captain die Durchsage machte, dass er aufgrund der „rough Sea hold on tight“ empfehlen würde und man die „doors“ doch bitte „closed“ keepen sollte, hatte mein Magen Veto eingelegt. Ich versuchte jedoch, die üblen Gedanken zu verdrängen. Ich und die anderen 60 Prozent der Passagiere …

Da brachten mich selbst Stefans Aufheiterungsversuche „Hey, warum torkelst du so durch die Gänge? Du hast doch noch gar nix getrunken!“ nicht mehr zum Schmunzeln. Jetzt half nur eins: Party machen. Doch auch das ging nicht. Ich war völlig knocked-out, musste mich tatsächlich ab 15 Uhr hinlegen. Sehr seltsam, da ich jedes Karussell und jede noch so hohe Achterbahn stundenlang fahren könnte.

Stunden vergingen auch in der Kabine. 18 Uhr. 19 Uhr. 20 Uhr. Dann habe ich mir eine Pille eingeworfen. Also, eine Pille gegen Seekrankheit natürlich …! Und: Sie half. Zum Glück.

Wie ich mir von Stefan erzählen ließ, ging es wohl Hunderten von Partypeople schlecht. Sie lagen in den Bars auf den Bänken und schliefen. Sie sahen mit gläsernen Blicken aus den Luken des Schiffes, über die tobende See. Sie knieten auf dem Boden und guckten mit versteinerten Mienen ins Nichts. Der Open-Air-Poolbereich war fast gänzlich gesperrt und die Technik wurde viel früher abgebaut als geplant. Nur im Indoor-Poolbereich trotzten ein paar Dutzend Technoide Mutter Natur und wackelten zu – war es Guy Gerber? Der hätte eigentlich auf offenem Deck spielen sollen, aber – richtig: gesperrt.

Wie sagte Stefan doch so metaphorisch: „Die Leute auf dem Dancefloor machen einen Ententanz. Die Welle peitscht ans Schiff und lässt es aufsteigen – und alle torkeln nach links. Das Schiff folgt der Wellenbewegung nach unten – und alle torkeln nach rechts.“ In der Nacht legte sich aber nicht nur mein Übelkeitsgefühl, sondern auch der Wellengang. Jedoch ist es so, dass ich heute (Donnerstag) noch immer das Gefühl habe, auf einem leicht wackeligen Schiff zu sein. Und das, obwohl ich bereits seit anderthalb Tagen wieder festen Boden unter den Füßen habe.

Merke also: Beim ersten, heftigeren Wellengang eine Tablette nehmen – und dem Feiern steht selbst bei rauer See nichts im Weg.

Abschließend vielleicht noch ein Wort zur Crew: Hut ab! Auf der MSC Magnifica wurde Service wirklich groß geschrieben. Und das, obwohl der Ablauf des Personals völlig auf den Kopf gestellt war. Bei welcher Standard-Kreuzfahrt gibt es schon Drinks & Food rund um die Uhr? Eben. Um 16 Uhr frühstücken? Auch das wäre normalerweise nicht möglich gewesen. Sich vom Bordpersonal einen Cappuccino, eine Pepsi oder ein Heineken an den Tisch servieren lassen, obwohl das Buffet ein Selbstbedienungs-Buffet war? Sehr entgegenkommend! Großartig war auch die tänzerische Darbietung so manch eines Barkeepers, der zu den Technoklängen eifrig mitwippte und die Partyfraktion klatschend anheizte. Großes Kompliment an die gesamte Besatzung!

Eine Lobeshymne singe ich aber gerne auch auf den Veranstalter. Er hat es geschafft, eine für jeden unvergessliche Kreuzfahrt zu organisieren und durchzuführen. Perfekte Abläufe, ein tolles LineUp und erstklassige Klangtechnik. Eine großartige Mischung aus Party und Urlaub: Wer feiern wollte, konnte feiern. Wer relaxen wollte, konnte dies in den vielen Bars machen, oder in der Kabine, in der kein einziger Beat zu hören war. Besonders spannend mitanzusehen war der Kontrast zwischen der flippigen Techno-Community und dem glamourösen Luxus-Liner. Die „MDRNTY Cruise 2017“ war ein durchweg friedvolles und dennoch ungezwungenes, ausgelassenes und spektakuläres Technofestival auf dem Mittelmeer. Und wir freuen uns auf eine Fortsetzung 2018. Bis dahin spielen wir weiter „Schiffe versenken“. Aber natürlich nicht wortwörtlich, sondern in unseren Redaktionsräumen.

P.S. Meine Eltern sind natürlich viel cooler als hier beschrieben.

HardFacts:
Wann: Samstag, 16.09.2017 (18:00 Uhr), bis Mittwoch, 20.09.2017 (09:00 Uhr)
Set-Times: all around the clock
Wo: Mittelmeer, Kreuzfahrtschiff „MSC Magnifica“
Passagiere: ca. 2.000
Floors & Styles: Outdoor-Pool (Techno), Ametista (Techno? Techno!), Disco T32 (Schlager Techno), Indoor-Pool (äh… ach ja, genau: Techno!)
Hosts: Cocoon, Vatos Locos, AMG, Fuse, Nordstern, Cocobeach, Flying Circus, Rumors, Caprices, Sunrise, MDRNTY
Headliner: Sven Väth, Martin Buttrich, Guy Gerber, Ben Klock, Ilario Alicante, Stacey Pullen, Fabe, Jamie Jones, André Galluzi, Audiofly
Route: Genua – Barcelona – Palma de Mallorca – Ibiza – Genua
Preise (pro Person für eine Doppelzimmer-Kabine): innenliegend 839 Euro, Balkon-Kabine Standard (wie wir sie hatten) 1.499 Euro, Balkon-Kabine Privilege 1.819 Euro. Im Preis enthalten: all-you-can-eat-and-drink.
Veranstalter: MDRNTY Events, Lausanne, Schweiz

Streckenverlauf:
Tag 1: Check-In Genua ab 11:30 Uhr, Abfahrt Genua um 18:00 Uhr
Tag 2: Ankunft Barcelona um 15:00 Uhr – Abfahrt Barcelona um 24:00 Uhr
Tag 3: Ankunft Palma de Mallorca um 09:00 Uhr – Abfahrt Palma de Mallorca um 14:00 Uhr, Ankunft Ibiza um 19:30 (Overnight Stop)
Tag 4: Abfahrt Ibiza um 07:00 Uhr
Tag 5: Ankunft Genua um 09:00 Uhr

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