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SOHN – Rennen (4AD)


Es wird auf dem heiß ersehnten Nachfolgealbum „Rennen“ schnell klar, warum SOHN mit seinem Debüt „Tremors“ so hohe Wellen geschlagen hat. Es ist vor allem seine Stimme! Diese strömt mal langsam, mal schneller in alle Gehörwindungen und Gedankennischen wie eine schwarzgolden glänzende flüssige Textur – in den zehn neuen Stücken fast noch intensiver als bei den Vorgängern des ersten Albums. Die R&B-getränkten mal mehr, mal weniger düster melancholischen, aber immer eine Spur entrückten Kompositionen kommen viel klarer, unvermittelter daher, ohne viel Gelayere, zugleich aber mit interessanten Breaks und Beats gespickten elektronische Arrangements. Diese sind in einem entlegenen Haus in Nordkalifornien entstanden, wohin sich Christopher Taylor, wie er bürgerlich heißt, zum Luftholen und Produzieren zurückgezogen hatte. Zwei Jahre ist er gefühlt nur gerannt und privat nach Hochzeit und Kind sowie musikalisch mit dem neuen Album, was wohl auch irgendwie beides miteinander zusammenhängt, an einem Punkt angekommen, an dem er ganz lässig innehalten, sich umschauen und wieder lossprinten kann. Wenn man das Album hört, möchte man es ihm gleichtun, innehalten, umschauen, lossprinten. Csilla Letay 9/10