Manchmal muss man wohl erst in die Ferne reisen, um Klänge aus der Heimat für sich zu entdecken. So ähnlich erging es Fritz Windish, als es ihn vor einigen Jahren mal von seiner alten Heimat Bremen nach Argentinien verschlug.

„Ich bin damals mit meinen ganzen Reggae Dubplates da runtergefahren und dachte, ich könnte dort eine entsprechende Party aufziehen. Ich merkte dann aber ganz schnell, dass es dafür da gar keine Szene gab. So rutschte ich in einen Freundeskreis, der auf Raves ging und da bin ich dann einfach mitgegangen. Das war besser als alleine zu sein. Es war auch weniger die Musik, viel mehr die Atmosphäre, die mich faszinierte. Da wurden Busse organisiert, die zu irgendwelchen Landhäusern fuhren, wo dann an den Wochenenden 500 Leute in der Pampa feierten. Ich kannte vorher nur Clubs und Konzerte, da war das natürlich ein besonderer Moment. Wir sind in Argentinien auch zu Großraves gegangen. Mit Carl Cox und so. Wo ich dann dachte: Alter, was ist das denn? Was macht denn der große, schwarze Mann mit den Plattenspielern, was kommt da für ein krasser Sound raus? Das war schon beeindruckend. Dort habe ich auch die ganze argentinische Minimalszene um Barem und Co. kennengelernt und diese Jungs haben mich auf den Kompakt Sound gebracht. Die waren ziemlich verwundert, dass ich, der ich aus Deutschland kam, Kompakt überhaupt nicht kannte. Ein anderer prägender Musik war der Track von Lucien-n-Luciano `Madre, Mother and Mere´. Der hat Reggae-Elemente, ist aber auch elektronisch minimal. Damit ging es für mich los.“ Seitdem hat sich viel getan. Zusammen mit Nayan Soukie ist Fritz als Soukie & Windish längst selbst musikalisch aktiv. Ihr Album „A Forest“ kommt am 8. März auf ihrem Label URSL. Als Fritz Windish aus Argentinien zurückkehrte, veranstaltete er in Bremen nach argentinischem Vorbild Partys in Offlocations . Dort spielte er auch mit Kollegen Soukie zusammen und beide begannen gleichzeitig mit dem Produzieren. „Da hat man schön im Bademantel mit einer Flasche Prosecco im Studio gesessen, was man als Student auch mal machen konnte, und einfach von der Pike auf produziert. Mit den ersten Logic-Versionen und über Hi-Fi-Boxen. Das wurde dann immer weiter ausgebaut. Wir haben uns da nie professionelle Hilfe geholt, daher dauerte es etwas, bis wir eine Produktion fertig hatten, die man auf Platte herausbringen konnte“, erinnert er sich heute schmunzelnd. Bei der Arbeit in ihren Studios in Hamburg (Fritz) und Berlin (Nayan) bringen die beiden Künstler ihre jeweiligen musikalischen Prägungen mit in den Housesound ein. Ein deutlich vernehmbares Merkmal ihrer Produktionen ist der Hang zu Melodien, den Fritz so erklärt: „Einerseits habe ich damals in Argentinien schon so eine Trance-/Progressive-Attitüde mitgenommen. Paul Oakenfold, Sasha und so sind da unten ganz groß. Und Nayan hat vorher schon im Pop-Bereich produziert. Hinzu kommt, dass ich die Melodien durch die Stimme entstehen lasse. Ich singe etwas ein und versuche das
anschließend auf dem Keyboard zu adaptieren.“
Bei ihrem „A Forest“ Album war dem Duo nun eine Sache besonders wichtig: „Wir wollten einfach, dass man es gut hören kann, egal ob im Job, beim Säubern der Wohnung, auf der Afterhour, beim Vorglühen, draußen, oder eben auf dem Floor. Das Tanzen ist uns auch sehr wichtig. Wir selbst sind ja auch immer noch viel auf den Tanzflächen unterwegs und schauen, was die Leute geil finden, wie sich was anhört. Ich habe auch immer Bock, rauszugehen. Ich muss mir den Act anhören und gehe vor und nach dem Set auch immer auf den Dancefloor, um die Stimmung zu checken. Das ist eine ganz wichtige Sache. Deswegen ist bei uns die Bassdrum durchgehend, four to the floor. Egal ob sie jetzt etwas härter oder weicher, schneller oder langsamer ist. Wir machen keine Breakexperimente oder irgendwelche neuen Musikansätze.“ Bevor Soukie & Windish bald wieder verstärkt durch die Lande touren, gönnt sich Fritz ein paar Wochen Auszeit in Indien, um neue Kräfte zu tanken.