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Hin und wieder beginnt eine gute Geschichte mit einem Blackout. So wie die von Oliver Koletzkis Label Stil vor Talent, das er im September 2005 mit der Katalognummer SVT001 startete. Titel der ersten Single: „Blackout“. Gut acht Jahre später werfen wir einen Blick zurück auf die Nummer und sehen die gleichen Ziffern, allerdings in einer etwas anderen, aber sehr entscheidenden Konstellation: SVT100 – die Jubiläumscompilation. Zwischen diesen beiden Katalognummern ist jede Menge passiert, über das wir regelmäßig und ausführlich berichtet haben. Viele Singles, diverse Hits und Alben, eine eigene Modekollektion, eine Hochzeit … Was den gebürtigen Braunschweiger immer vorangetrieben hat, war und ist das Aufspüren von jungen Talenten, denen er mit Stil vor Talent eine Plattform bietet. Und so finden wir auf der Geburtstags-CD neben vielen etablierten Künstlern – von denen einige vor ein paar Jahren selbst noch zur Kategorie „Junges Talent“ gehörten – eben auch ein paar Nachwuchskünstler, die erstmals auf einem SvT-Release auftauchen. Und dazu gehören Marlon Hoffstadt & HRRSN, die es ganz an den Anfang der Compilation geschafft haben. Wie es dazu kam, das hat uns Marlon selbst erzählt.

Gerade mal 19 Jahre alt ist Marlon, aber was er bisher geschafft hat, ist schon einigermaßen beeindruckend. Es sind nicht mal zwei Jahre vergangen, seit der er seine ersten Tracks gebaut hat. Im September letzten Jahres folgte dann seine Debüt-EP auf Evamore Music. Ende 2012 ging sein Label Well Done! Music an den Start und im März veröffentlichte gebürtige Berliner seine erste EP mit Sänger und Co-Produzent HRRSN zusammen, den er erst wenige Monate zuvor auf einer Party kennengelernt hat, dort mit ihm ins Gespräch kam und man letztlich gemeinsam im Studio landete. „Im Zuge der damaligen Produktion unserer EP haben wir ein paar Tracks an Oliver geschickt, der sich auch prompt zurückgemeldet, ‚Once Again‘ für die Compilation und drei weitere Stücke für die kommende EP auf Stil vor Talent ausgesucht hat.“ Wofür viele Produzenten teilweise Jahre brauchen, hat er in nicht ganz zwei Jahren geschafft. Und neben den bereits erwähnten Releases gab es weitere auf renommierten Labels wie Off Recordings oder Play It Down sowie Kollaborationen mit David Keno oder Dansson. Darüber hinaus legt Marlon auch auf und hat mit HRRSN, bürgerlich Ulrich Harrison und 27 Jahre alt, ein Live-Set an den Start gebracht. Auftritte gab es bisher u.a. im Watergate, Kater Holzig, Ritter Butzke oder in der Wiener Pratersauna. Außerdem gibt es eine monatliche „Das ist momentan ein Vollzeitjob. Nach meinem Abi im letzten Jahr habe ich mich komplett der Musik gewidmet und möchte das natürlich auch so lange wie möglich auskosten. Dennoch plane ich, in den kommenden Jahren auch zu studieren.“ Man kann es sich gar nicht vorstellen, wie das funktionieren soll, wenn er das Tempo beibehält. Denn neben den unmittelbaren kommenden Releases wie der „Skin And Bone EP“ auf Stil vor Talent (inkl. Remixe von Koletzki und H.O.S.H.), einem Remix für Björn Störig auf Light My Fire oder einem Track auf einer bald erscheinenden Suol-Compilation arbeiten die beiden längst schon an ihrem Album, das Anfang 2014 erscheinen soll. „Wir sind schon in einem ziemlich weit fortgeschrittenem Stadium und haben bereits eine ganze Menge Tracks gesammelt. Jetzt gehen wir langsam an die Selektion heran, aber mehr möchte ich auch noch gar nicht verraten.“

Dabei ist es umso erstaunlicher, dass Marlon von Hause aus gar nicht musikalisch geprägt war. Ein Instrument hat er nie gelernt, erst jetzt spielt er ein bisschen Klavier, im Rahmen seiner Möglichkeiten, wie er selbst sagt. Und so ist auch die Studioarbeit entsprechend aufgeteilt: HRRSN ist der Sänger und spielt Instrumente ein, während Marlon hauptsächlich den Produktionsteil übernimmt. Geprägt hat ihn vor allem aber seine Heimatstadt, wobei es fast schon merkwürdig anmutet, dass man es mit einem gebürtigen Berliner zu tun hat. Er hat den ganzen Prozess der letzten Jahre, das unheimliche Wachsen der elektronischen Szene in der Hauptstadt miterlebt, und da gehörten eben Paul Kalkbrenner und Oliver Koletzki als Fixpunkte für ihn dazu. Marlon gehört zu einer neuen Generation von DJs und Produzenten, die aufgewachsen sind in diesem Umfeld und somit Produkt der internationalen Berliner Szene sind. Eine fast schon zu beeindruckende Menge an Informationen, die hier präsentiert wurde. Erstaunlich, wie gelassen und bodenständig Marlon sich gibt, auch wenn es natürlich manchmal schon etwas viel wird, wie er selbst bemerkt. Aber er ist eben junger hungriger Produzent, der schnell lernt und seinen Kollaborationspartnern immer sehr über die Schulter schaut, um dazu zu lernen. Der mit seinem Partner durchstartet möchte und dabei auf große Gegenliebe, Unterstützung und Zustimmung stößt. „Dass das alles so gut läuft, hat natürlich auch sehr viel mit Glück zu tun und dass ich in den richtigen Momenten auf die richtigen Leute getroffen bin.“ Einer von ihnen war eben Oliver, und der weiß schon ziemlich genau, wen er an sein Label heranführt. Den guten Riecher hat er oft genug bewiesen in der Vergangenheit. Ob „Großstadtmärchen“, Niko Schwind, David August, Channel X, Sascha Braemer, Fran, Klangkarussell, HVOB … diese Liste wird bestimmt noch lange nicht am Ende sein. Auf der Compilation gibt es genug neue potentielle Kandidaten, zwei von ihnen kennen wir jetzt etwas besser.

www.stilvortalent.de / www.marlonhoffstadt.com

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