technasia


Der in Paris geborene Charles Siegling erfand seinen Alias Technasia, als ihn seine Liebe zum Film nach Hongkong brachte, wo er asiatische Filmkunst studierte. Seit nahezu drei Jahrzehnten ist Siegling nun in der Szene aktiv. Dennoch gehört er nach wie vor zu den gefragtesten Akteuren seiner Zunft. Seine Produktionen changieren zwischen House und straightem Techno, genau wie seine DJ- und Live-Sets. Er war Resident in Clubs wie dem Womb in Tokio, dem Fuse in Brüssel, dem Nitsa in Barcelona sowie dem Rex Club in Paris und veröffentlichte auf Labels wie seinen zwei eigenen, Technasia Records und Sino, sowie auf Ovum, Suara und Toolroom. Auf letzterem erschien 2015 der Titel „Suga“ in Kollaboration mit Green Velvet. Ein Überhit, schaffte es bis dato kein anderer Track seit dem Start von Beatport, länger auf Platz 1 zu stehen.

Wie geht es dir?

Sehr gut. Ich bin zu Hause in Amsterdam, meiner Wahlheimat. Hier bin ich vor fünf Jahren mit meiner Familie aus meiner ursprünglichen Heimat Paris hingezogen. Auch wenn ich sehr oft auf Tour bin, ist Amsterdam so etwas wie meine Homebase, von wo ich alles koordiniere. Ich glaube, in den über 20 Jahren, in denen ich diesen Beruf ausübe, gab es keinen Tag, an dem ich meinen Koffer komplett ausgepackt habe. Irgendwo steht er immer rum, nahezu fertig ausgestattet. Irgendwie unheimlich (lacht).

Wie war das Jahr 2016 bislang für dich?

Ich würde sagen, eine ausgedehnte und sehr intensive Reise bis jetzt. Aufgrund des Erfolges mit „Suga“ im letzten Jahr natürlich, aber auch weil wir uns in den letzten paar Jahren den Arsch aufgerissen haben, um unser Booking- und Partner-Netzwerk in der gesamten Welt auszubauen. Wir haben sehr akribisch gearbeitet, tun dies noch immer und scheinbar macht sich das bezahlt. Glücklicherweise. Sowohl die Crew direkt um mich herum als auch mein Booker und Manager leisten absolute Top-Arbeit. Ich gebe jeden Tag mein Bestes, sowohl im Studio als auch außerhalb.

Was ist in deinen Augen neben Engagement der Schlüssel zum Erfolg?

Definitiv eine klare Vision und eine gesunde Portion Talent. Ich bin seit 1996 in der elektronischen Szene aktiv und ich glaube fest daran, dass sich sämtliche Anstrengungen und der gesamte Schweiß dieser zwei Jahrzehnte nun bezahlt machen. Viele junge Künstler dort draußen glauben, die großen Sachen passieren von einem Tag auf den anderen. Viele sehen nur den aktuell erfolgreichen DJ dort oben stehen, machen sich aber kein Bild davon, welch harte Arbeit, wie viel Zeit und Geld dahinterstecken. Eine Zeit, die sicherlich nicht nur von Erfolgen, sondern auch von Misserfolgen, Fehlentscheidungen und Negativem geprägt war. Ich möchte an dieser Stelle z. B. die Leute erwähnen, die es trendy finden, ein Bild von sich zu posten, wie sie in einem Plattenladen stehen, weil es wieder total angesagt ist, Vinyl zu kaufen bzw. zu spielen. Wenn ich mir meine Plattensammlung zu Hause anschaue, die zwischen 10.000 und 15.000 Vinyls umfasst, komme ich auf einen monetären Wert von ca. 150.000 EUR. Eine Investition in meine Karriere, der ich stets mit Leidenschaft nachgegangen bin. Wer von den jungen Künstlern würde dies heute tun? Nicht viele, glaube ich.

Du bist nun schon seit 20 Jahren im Geschäft und gehörst dennoch nicht zu der Sparte Künstler, die nur von gestern erzählen und auf Oldschool-Partys spielen …

Wichtig ist, nicht in eine Pseudo-Nostalgie zu verfallen. Ich schaue gerne nach vorne und lerne jeden Tag neue Dinge. Ich würde mich persönlich als sehr wissbegierig bezeichnen. Ja, ich habe bislang viele Erfolge feiern dürfen – genau wie viele andere auch. Dennoch bringt es nichts, in der Vergangenheit zu leben. Man muss den natürlichen Lauf der Dinge mitgehen und vor allem mitmachen. Das heißt nicht, dass man sich verkaufen soll. Zahlreiche Acts und Tracks aus der Vergangenheit haben meinen tiefsten Respekt. Einige Leute hingegen haben auf Biegen und Brechen versucht, ihre Identität bzw. ihre Vergangenheit zu kaschieren, ihr Image von Grund auf neu zu formen und mit neuen Trends mitzugehen, in die sie gar nicht gepasst haben. Besonders während dieser Minimal-Welle Anfang der 2000er, als „Techno“ zum Tabu-Wort avancierte. Ich glaube, das war eine große Niederlage für viele. Man sollte sich immer treu bleiben. Am Ende des Tages kann man die Leute dort draußen eh nicht bescheißen. Die Wahrheit kommt immer ans Licht, auch wenn es für viele „Show Business“ ist.

Wie wichtig war Deutschland im Laufe deiner Karriere?

Sehr wichtig, immerhin sprechen wir hier über eines der führenden Länder, wenn es um elektronische Musik und ihre Szene geht. Allerdings ist Deutschland auch sehr übersättigt mit eigenen Künstlern, sodass es für Acts aus dem Ausland immer schwer war und auch schwer bleiben wird, sich ein starkes Profil aufzubauen und intensiv hier auf Tour zu gehen. Ich mag Herausforderungen und sehe das also eher weniger als Problem, sondern vielmehr als Motivation. Schiebt man den Karriere-Aspekt aber beiseite und betrachtet das Ganze objektiv, bereichert Deutschland die Welt mit großartigen Künstlern – und das bereits seit drei Jahrzehnten. Ich glaube, der Großteil meiner Plattensammlung stammt tatsächlich aus Deutschland. Darüber hinaus sind meine Frau, meine Kinder und mein Großvater aus Deutschland. Das Land ist also sehr wichtig für mich.

Wenn wir gerade über die Vergangenheit und Entwicklung sprechen – wie hat sich die Szene im Allgemeinen für dich verändert in den letzten 20 Jahren?

Nahezu alle Bereiche wurden im Laufe der Zeit professionalisiert. Dinge sind geregelter als damals. Im Gegenzug hat man Dinge aber früher mit wesentlich mehr Leidenschaft getan. DJ oder Promoter zu werden, war damals keine Business-Entscheidung, sondern eine Entscheidung aus Liebe an der Sache. Damals hatte ein DJ keinen Status, sondern Verantwortung. Aber wie bereits erwähnt, ich bin kein Nostalgiker. Die Industrie heutzutage ist eine gute. Sie hat aus ihren Fehlern gelernt und wird von Jahr zu Jahr besser, finde ich. Sagen wir es mal so, ich bin ein großer Fan der 90er-Jahre. Aber zurück? Nee …

Apropos Fehler. Wenn du zurückschaust, an welche Situationen denkst du zuerst, sowohl positiv als auch negativ?

Ich erzähle dir mal eine Story darüber, was für einen Mist man früher mitgemacht hat, der einem heute nicht mehr passieren würde. Es muss 1997 oder 1998 gewesen sein. Ich habe bei einem Festival gespielt, rund eine Stunde von Paris entfernt. Die Location war in einer riesigen Fabrik, drei bis vier Floors, brechend voll. Nach meinem Set blieb ich noch ein paar Stunden, ehe ich mich dazu entschied, wieder fahren zu wollen. Ich habe nach jemandem gesucht, der das hätte organisieren können. Promoter, Techniker oder Mitarbeiter – aber so verrückt es klingt, niemand war auffindbar. Alle, wirklich alle auf dieser Party waren auf Pille oder sonst irgendwie drüber, haben gefeiert oder waren einfach nicht mehr anwesend. Nicht, dass das jetzt megadramatisch war. Vielmehr geht es mir darum, zu erwähnen, dass ein Festival mit nahezu 4.000 Besuchern quasi von alleine lief. Nach über einer Stunde habe ich aufgegeben, meine beiden Cases gepackt und bin raus auf die Hauptstraße gelaufen. Dort habe ich per Anhalter versucht, von da wegzukommen. Nach 15 Minuten stoppte ein Typ neben mir, öffnete sein Fenster und sagte: „Alter, du bist doch Technasia! Megashow, steig ein, ich fahre dich nach Hause.“ Als Dankeschön habe ich ihm ein paar Vinyls im Auto gelassen. Es war witzig, dennoch ist das ein Beweis dafür, warum ich ungern zum Nostalgiker werde (lacht).

Gibt es denn heute Acts, die dich inspirieren?

Früher waren das selbstredend Leute wie Dave Clarke, Jeff Mills, Derrick May, Sven Väth, DJ Funk, Green Velvet, Robert Owens … Diese Liste könnte ich noch ewig fortführen, denn sie ist fast endlos. Bei aktuellen Acts wird es schon schwieriger, da bin ich viel zu wählerisch und kritisch. Es ist fast unmöglich, mich so zu begeistern, wie diese Typen es früher getan haben. Damals war das alles neu und unbekannt, wahrscheinlich liegt das daran. Das Problem heute ist nicht das fehlende Talent oder die fehlenden Künstler, sondern die oft ausbleibende Fähigkeit, sich auf lange Sicht durchzusetzen, seinen Sound wachsen zu lassen und Erfahrungen zu sammeln. Das sind Attribute, die mich wirklich interessieren und neugierig machen. Ich mag Leute wie Hot Since 82 zum Beispiel, er macht seinen Job wirklich gut. Ein Topproduzent und ein hervorragender DJ. Auch Nastia und die Martinez Brothers gefallen mir sehr. Aber hier jetzt ein paar Produzenten nennen, das tue ich lieber nicht. Denn wenn ich das Interview in zwei bis drei Jahren noch mal lese, werden diese Namen total irrelevant sein. Schade, aber wahr.

Richten wir den Blick nach vorne, der Sommer steht bevor. Was sind deine Pläne?

Das Übliche: Ibiza, Festivals, eine Menge Flughäfen, viel zu wenig Schlaf und Hangover (lacht). Im Ernst, die Pläne für Ibiza sehen ganz gut aus im Moment. Aktuell sind es rund zehn Shows im Space für das große letzte Jahr des Bestehens, inklusive Opening und Closing. Außerdem werde ich ein paar Mal im Amnesia sowie im Blue Marlin spielen. Mit dem Sankeys und dem Ushuaia sprechen wir aktuell auch, aber da ist noch nichts bestätigt. Der Sommer kann also kommen, ich freue mich sehr. Neben Ibiza stehen auch einige sehr coole Shows auf der ganzen Welt an, es wird schwer, freie Zeit fürs Studio zu finden.

Wie denkst du über die Entwicklung auf Ibiza?

Ich glaube, ich kenne keinen anderen Ort, der sich in den letzten zwei Jahrzehnten mehr verändert hat. Ich erinnere mich noch an meine ersten Shows dort, 1999 oder 2000. Cocoon steckte damals noch in den Kinderschuhen und es gab generell nur eine Handvoll Partys, die „unseren“ Sound spielten. Der Großteil der Clubs war auf kommerziellen House oder Trance ausgerichtet. In den letzten sieben bis acht Jahren hingegen hat sich die Insel vollkommen dem Underground mit all seinen Genres geöffnet. So sehr, dass die heutigen Heroes Sven Väth, Solomun, Maceo Plex und Marco Carola heißen. Diese Entwicklung auf der Insel hat auch die gesamte Szene auf der Welt verändert. Techno wird nun ganz anders aufgefasst. Ibiza hat weltweit so eine enorme Reichweite, dass das, was dort passiert, auf alle Kontinente dieser Erde abfärbt. Alles, was dort für gut befunden wird, hat also gute Chancen, überall anders auch zu funktionieren. Ich finde, das ist definitiv eines dieser magischen Dinge, die Ibiza ausmachen. Und der Rest? Na ja, den kennen wir alle – großartiges Wetter, rund um die Uhr Highlights, sei es in Clubs oder danach in Villen. Es gibt keinen vergleichbaren Ort. Alle, die versuchen, da heranzukommen, sind schon gescheitert oder werden noch scheitern.

Du bist nicht nur als DJ, sondern auch als Live-Act bekannt. Jedoch liegt dein letzter Live-Auftritt bereits fast fünf Jahre zurück …

Das stimmt, das war zu meiner damaligen Album-Tour 2011. Einen Live-Gig vorzubereiten, bedarf sehr viel Arbeit und Zeit, ist äußerst komplex und oftmals auch nervenaufreibend. Ich habe mich damals dazu entschieden, eine Pause einzulegen, bis ich mich erneut einem großen musikalischen Projekt widme, was nächstes oder übernächstes Jahr wieder der Fall sein dürfte. Live spielen ist so etwas wie die Königsdisziplin und ich liebe es. Es ist eine ultimative Herausforderung, den Dancefloor nur mit eigenen Sachen beherrschen zu können.

Aktuell sitzt du an einem Remix für Claptone. Wie wird sich deine Version vom Original unterscheiden?

Das Original ist sehr melodiös und recht poppig. Genau diese Merkmale habe ich gemindert und das Ganze in ein eher technoides und düsteres Gewand gepackt, während ich dennoch auf die ursprünglichen Vocals zurückgegriffen habe. Ich denke, in ein paar Tagen werde ich fertig sein, und ich bin sehr auf die Resonanz gespannt. Um ehrlich zu sein, bin ich sehr, sehr langsam im Studio. Ich nehme mir viel Zeit, um meine Ideen zu realisieren und zu eruieren, ob diese überhaupt Sinn machen. Dann lasse ich den Track wieder eine Zeit lang ruhen, ehe ich das Projekt mit frischen Ohren erneut aufnehme.

Hat man heutzutage überhaupt noch ein so großes Zeitfenster?

Eigentlich nicht und das ist natürlich der totale Horror für Labelmanager, wenn ich permanent die Deadlines nach hinten schiebe (lacht). Aber das ist mir lieber, als irgendetwas zu veröffentlichen, das ich in ein paar Wochen nicht mehr gut finde oder nicht meinen mir selbst auferlegten Standards genügt. Wenn ich im Studio kein gutes Gefühl habe, sage ich das Projekt im Notfall auch lieber ab – da bin ich recht strikt geworden. Für mein Empfinden veröffentlichen viele Produzenten heute viel zu viel, der Großteil davon ist uninspiriert und geistlos. Es ist nicht notwendig, so viel Material auf den Markt zu schmeißen. Viele sehen nicht, dass es ihnen unter’m Strich eher schadet, statt hilft.

Hat sich denn deine Arbeit im Studio verändert mit der Zeit?

Nicht wirklich, nein. Ich arbeite seit 20 Jahren mehr oder weniger mit den gleichen Herangehensweisen. Ich habe erkannt, dass es für mich essenziell wichtig ist, offen für alles zu sein und mir niemals Grenzen zu setzen. Produzieren an sich ist etwas sehr Persönliches, wie ich finde. Tage und Wochen im Studio zu sitzen und sich musikalisch auszudrücken, ist ein sehr spannender Prozess, den ich regelmäßig am Stück eingehen muss, um die Passion in mir neu zu entfachen, mit der ich diesen Job schon so lange mache. Es hat schon fast etwas Rituelles und ich habe keinerlei Absichten, irgendetwas daran zu ändern.

Welche Tools bzw. welche Software favorisierst du?

Oh yes, jetzt wird es technisch! Ich arbeite seit eh und je mit Cubase, ich glaube seit Version 3, die es damals noch auf Floppy Disc gab. Den Workflow mag ich noch immer sehr. Natürlich gibt es hier und da ein paar Macken, so wie bei jeder DAW-Software, aber dennoch bleibt sie meine erste Wahl im Studio. Ich tauche in den letzten Wochen und Monaten immer mehr in Ableton Live ein, da sich das Programm sehr gut zu einer vollwertigen Lösung entwickelt hat statt zu einem Tool, mit dem man Loops bearbeiten kann. Den Remix für Claptone habe ich fast ausschließlich mit Ableton Live gemacht, weil ich den Test machen wollte, ob es auch ohne Cubase geht. Ich arbeite recht viel „in the box“, also digital.

Besitzt du gar keine Hardware mehr?

Doch, sehr viel sogar. Aber ich benutze sie sehr selten. Ich war schon immer eher der digitale Typ, bereits 1996. Statt komplexer zu werden, habe ich auf diesem Gebiet immer versucht, so kompakt wie möglich zu arbeiten.

In einem Interview hast du kürzlich erwähnt, dass man im Studio schnell „Tour-Sound“ produziert, statt sich selbst musikalisch zu verwirklichen, und dies zu einer deiner größten Herausforderungen mutiert ist. Wie bringst du dich nach so langer Zeit in diesem Business dazu, noch immer originell zu sein und nicht in ein gewisses Schema zu verfallen?

Das ist alles andere als einfach. Wenn man intensiv auf Tour ist, ist man fast permanent von Musik umgeben und meist von genau der, die man spielt. Aus diesem Grund ist es schwer, außerhalb dieser Schublade neue Sachen zu entfalten und neue, musikalische Welten zu erkunden. Eine Art Hamsterrad, aus dem man aussteigen muss. Einer meiner Tricks, um das zu schaffen, ist, zu Hause fast gar keine Musik zu hören. So schone ich meine Ohren vor dem „sonic dirt“, wie ich es nenne – übersetzt „Schmutzschall“. Ich versuche, all diesem kommerziellen Schrott aus dem Radio fern zu bleiben und mich auf wirklich gute Werke bzw. Alben zu konzentrieren. Auf diese Art und Weise wirken gute Stücke viel mehr, als wenn man permanent mit Input zu kämpfen hat. Auch auf Reisen verzichte ich auf Kopfhörer und genieße lieber die Stille. Verrückt, aber so ist es.

Bleiben wir beim Thema Longplayer. Wie stehst du persönlich zu diesem Format und wann können wir wieder einen von dir erwarten?

Ein schwieriges Thema und ich wusste, dass es zur Sprache kommt (lacht). Es ist komplex, denn auf der einen Seite empfinde ich Alben als äußerst notwendig im Leben eines Musikers. Sie sind so etwas wie die Eckpfeiler einer Karriere. Sie helfen dir, dich zu verwirklichen und dich auf einer ganz anderen Ebene zu präsentieren als nur mit ein paar EPs. Keine andere Form gibt so viel Einblick in ein künstlerisches Seelenleben wie ein Album. Auf der anderen Seite ist so ein Projekt auch äußerst zeitraubend und der Ertrag, den man heute mit einem Album generieren kann, schwindet und geht gegen Null. Vor 20 Jahren hat man ein Album produziert, war danach im besten Fall reich und erst mal ein paar Jahre auf Tour. Da dies nicht mehr so ist, bevorzugen es viele Künstler heute, diesen Part zu überspringen, was recht schade ist. Die Entscheidung, ein Album zu machen, muss in meinen Augen eine durchweg persönliche sein. Eine, die nicht von Dritten beeinflusst wird und nicht Teil einer Strategie ist. Man kann auf einem Album unter Beweis stellen, wie tief man in dieser Materie steckt und in welche Richtung man in nächster Zeit soundtechnisch gehen möchte. Mein letztes Album liegt nun fast sechs Jahre zurück und ja, es ist an der Zeit, ein neues zu machen. Weil ich es fühle. Aus diesem Grund werde ich nach dem Sommer damit beginnen.

Ich bin sehr auf das Resultat gespannt. Wir haben deine Kollaboration mit Green Velvet bereits angesprochen. „Suga“ aus dem vergangenen Jahr war der Track, der in der gesamten Beatport-Geschichte am längsten auf Platz 1 verweilte. Wie wichtig sind dir solche Rankings?

Ehrlich? So gut wie gar nicht. Wenn es um Auszeichnungen, Polls oder Tabellen geht, bin ich recht zurückhaltend bzw. entspannt. Ich bin überzeugt von dem, was ich kreiere bzw. veröffentliche. Natürlich bin ich überaus dankbar, dass so viele Menschen daran Gefallen finden, die Sachen kaufen und auch spielen. Es fühlt sich gut an, dass ich mit meiner Musik so viele Leute erreichen kann. Aber wir leben in einer Zeit, die von sozialen Netzwerken und Marketing dominiert wird. Ein Großteil der Leute dort draußen schenkt dir die Aufmerksamkeit nur für wenige Sekunden, ehe weitergescrollt wird. Es war unglaublich toll, mit Green Velvet zu arbeiten. Er gehört seit dem ersten Tag zu meinen persönlichen Heroes. Im Grunde habe ich mich bei „Suga“ um die komplette Produktion gekümmert, er lieferte die Vocals. Es ist beeindruckend, wie er es schafft, mit so wenigen Worten eine völlig neue Dimension zu kreieren. Ein paar wenige Sätze, die auch keine große Erklärung benötigen und die jeder versteht. Mal sehen, ob wir so etwas wie „Suga“ erneut hinbekommen (lacht).

Woran arbeitest du aktuell neben dem Remix für Claptone?

Ich sitze an verschiedenen EPs, etwas härterer Sound als bei meinen letzten Sachen. Wahrscheinlich sind es schon Stücke für das kommende Album. Aber da wir ja bereits besprochen haben, dass ich sehr lange brauche, möchte ich lieber noch nicht darüber reden (lacht).

Wie sieht es mit deinem Label Sino aus?

Das pausiert aktuell mehr oder weniger. Auch da fehlt mir die Zeit, um mich mit genügend Elan der Sache zu widmen. Nebenbei ein Label zu betreiben, ist heute nicht möglich, wenn man die Sache gut machen will. Wir veröffentlichen ein bis zwei Releases pro Jahr. Es gibt allerdings Pläne, das Label wieder zu 100 % zu reaktivieren, aber auch das wird noch eine Weile dauern. / Rafael Da Cruz

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Aus dem FAZEmag 051/05.2016
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