Technoparaden 2024 – es gibt so viele wie noch nie – hier im Überblick

Technoparaden 2024 – es gibt so viele wie noch nie – hier im Überblick

Technoparaden – Was einst in den 90er- und den frühen 2000er-Jahren boomte und auf den großen Paraden ein Publikum in sechsstelliger Höhe bis zu einer Million anzog, erscheint, wenn man es heute hört, wie ein Relikt aus der damaligen Techno-Hochzeit der Raving Society. Spätestens seit dem Unglück der Loveparade 2010 in Dusiburg, waren Techno-Paraden, die sich in vielen Fällen ab Mitte der 2000er finanziell nicht mehr halten konnten, so gut wie ausgestorben. In den letzten Jahren (ausgenommen der Covid-19-Pandemie) zeichnet sich jedoch ein neuer Trend ab und spätestens seit der Rückkehr der Loveparade als Rave the Planet Parade in Berlin steht fest: Technoparaden sind zurück. Wir haben für euch recherchiert und geben euch einen umfangreichen Überblick über aktuelle Technoparaden und ähnliche Veranstaltungen.

Die Loveparade in Berlin, Street Parade in Zürich, Techno Parade in Paris, Fast Forward Dance Parade in Rotterdam, Budapest Parádé in Budapest, LovEvolution in San Francisco, Generation Move in Hamburg, Reincarnation Parade in Hannover, Union Move München, Vision Parade Bremen sowie die internationalen Ausgaben der Loveparade in Städten wie Tel Aviv, Kapstadt oder Mexiko-Stadt sind nur einige von zahlreichen damaligen Technoparaden. Die Berliner Loveparade und ihr Durchbruch ermöglichten viele große Veranstaltungen dieser Art und halfen dabei mit, dass Techno und elektronische Musik in den 1990ern aus dem Underground in die Mitte der Gesellschaft gelangten und zur Jugend-Bewegung avancierten. Techno aus Deutschland erreichte dadurch einen ganz neuen Stellenwert und wurde international bekannt. Seit dem Unglück der Loveparade in Duisburg 2010 und dem kommerziellen Ausverkauf des Techno, sah es, bis auf wenige Ausnahmen, so aus, als sei die Zeit der Technoparaden vorbei. Doch schon Mitte der 2010er-Jahre zeichnete sich durch politisierte Tanzdemos, auf denen elektronische Musik gespielt wurde, wie dem Zug der Liebe in Berlin, ein neuer Trend ab, der die Tradition von Nachttanzdemos, Reclaim The Streets der 90er in Großbritannien und kleineren Technoparaden fortsetzte. Doch wie sieht es heute, nach der Covid-19-Pandemie, mit Technoparaden und ähnlichen Veranstaltungen aus, wo doch die Loveparade als Rave the Planet Parade seit 2022 wieder in Berlin stattfindet? Wir haben gesammelt.

 

Zunächst einmal die Paraden, deren Termin für dieses Jahr schon (ungefähr) feststeht:

Samstag, 20.04.: Garda Street Parade (Desenzano del Garda, Italien)

Eine politische Tanzdemo in Italien, die als Rave-Parade aufgemacht ist und sich für kulturelle Freiräume und gegen Gentrifizierung einsetzt. Mit vier Trucks am Gardasee.

Samstag, 20.04.: Bass gegen Hass – Tanzdemo (Herne)

Bereits 2019 zog die Tanzdemo „Bass gegen Hass“, veranstaltet vom KAZ Herne, dem Kulturell-Alternativen-Zentrum, durch Herne. Dieses Jahr demonstriert man erneut zu elektronischer Musik gegen den Faschismus.

Samstag, 27.04.: Beats For Peace (Königs Wusterhausen)

Eine Friedensdemo in der Nähe Berlins, die fernab von politisch instrumentalisierten Montagsdemos für Frieden und für Abrüstung plädiert und dieses als kleine Loveparade mit Spaß verbindet.

Samstag, 11.05.: Rave voor de Rafelranden (Utrecht, Niederlande)

Neben Tanzdemos in Deutschland gibt es auch in den Niederlanden verschiedene kleinere Paraden, die sich gegen die Gentrifizierung in Städten und für kulturelle Freiräume einsetzen. Letztes Jahr fand zum ersten Mal der „Rave voor de Rafelranden“ in Utrecht statt und wird dieses Jahr wiederholt. Die Veranstaltung betitelt sich auch als „Utrecht Street Rave“.

Samstag, 25.05.: Krachparade (München)

Das Kollektiv „Mehr Lärm für München“ veranstaltet seit 2014 die Krachparade, die sich „Gegen die Stilllegung kultureller Freiräume durch Luxussanierungen“ durch Bayerns Landeshauptstadt tanzend zu elektronischer Musik bewegt.

Samstag, 08.06.: Tanzdemo – Wem gehört die Stadt? (Berlin)

Neben dem Zug der Liebe zieht eine ähnliche, kleinere Variante des Kollektiv Kirschs seit 2017 beinahe jährlich durch Berlin. 2019 spielte dort sogar der Urvater der Loveparade, Dr. Motte, ein DJ-Set auf einem der teilnehmenden Wägen. Die Demo setzt sich unter anderem gegen das Clubsterben in Berlin ein.

Samstag, 29.06.: Unite Parade (Salzburg, Österreich)

Bis 2008 fand die Unite Parade in Salzburg, Österreich statt. 2022 kehrte sie als Re:Unite Parade zurück und zog Besucher in vierstelliger Zahl an. Seit 2023 wird sie wieder unter dem Titel Unite Parade durchgeführt und wurde dieses Jahr für den 29. Juni angekündigt.

Samstag, 06.07.: Nachttanzdemo (Gießen)

Die Nachttanzdemo Gießen vereint laut Eigenaussage Kultur und Politik und zieht bereits seit 2007 jährlich (mit Ausnahme der Pandemie) durch das hessische Gießen.

Samstag, 20.07.: Lake Parade (Genf, Schweiz)

Die Lake Parade ist quasi die kleine Schwester der Street Parade. Sie fand 2001 bis 2015 rund um das Ufer des Genfersees statt. 2016 fiel sie aus, 2017 wurde sie von einem neuen Veranstalter noch einmal durchgeführt. Danach hörte man mehrere Jahre lang wieder nichts, ehe die Parade 2023 zurückkehrte, laut Medienberichten 20 000 Besucher anlockte und auch dieses Jahr wieder stattfindet.

Samstag, 27.07.: CSD Berlin (Berlin)

Ja, wir wissen, dass es sich hierbei um keine klassische Technoparade oder Tanzdemo der elektronischen Musikkultur handelt. Wer aber schon mal bei der Demo zum CSD Berlin mit dabei war, weiß, dass auf vielen der zahlreichen Trucks elektronische Musik, teilweise von bekannten DJs gespielt wird. Letztes Jahr spielte etwa Hardy Hard auf einem der Trucks. Ein bisschen wie eine queere Variante der Loveparade.

Samstag, 27.07.: Beatparade (Empfingen)

Eine der letzten Technoparaden mit Dorf-Charakter, nachdem die Dorfparade und der Dorfmove im nördlichen Deutschland nicht mehr als Technoparade bezeichnet werden können, da dort inzwischen gemischte Stile, mitunter Ballermann-Songs, gespielt werden. Die Beatparade hingegen hält sich an ihre elektronischen Ursprünge und zieht jedes Jahr mit sechs Trucks durch die Kleinstadt im Schwarzwald.

Samstag, 10.08.: Street Parade (Zürich, Schweiz)

Sie ist zusammen mit der nicht mehr existierenden Loveparade die größte Technoparade ever und quasi das Schweizer-Pendant dazu. Im Gegensatz zur Loveparade fand die Street Parade seit 1992, mit Ausnahme der Covid-19-Pandemie, jedes Jahr statt und zieht regelmäßig ein Millionenpublikum an.

Samstag, 10.08.: Hanfparade (Berlin)

Der Konsum von Cannabis ist zwar inzwischen legal, die Hanfparade findet aber trotzdem weiterhin statt. In diesem Jahr wohl also mit legalem Konsum vor Ort.

Samstag, 17.08.: Rave the Planet Parade (Berlin)

Der direkte Nachfolger der Loveparade wurde knapp zehn Jahre nach dem Unglück in Duisburg von Dr. Motte ins Leben gerufen und zieht seit 2022 jährlich mit sechsstelliger Teilnehmerzahl als Demonstration durch Berlin. Die Institution hinter der Parade, Rave the Planet, setzt sich für die Förderung der Technokultur ein und integriert politische Ziele dieser in ihre als Demonstration angemeldete Parade. Durch Rave the Planet wurde die Berliner Technokultur vor kurzem als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt.

Samstag, 17.08.: Jungle Street Groove (Basel, Schweiz) (im Wechsel mit Beat on the Street, alle zwei Jahre)

Der Jungle Street Groove zieht seit Mitte der 90er-Jahre im Wechsel mit der Beat on the Street anderer Veranstalter an der Kleinbasler Rheinuferpromenade entlang und präsentiert Genres wie Drum n Bass, Jungle, Techno und House.

Samstag, 24.08.: Krach Parade (Aachen)

Seit 2019 zog die „Aachener Tanzdemonstration für kulturelle Freiräume“ schon drei Mal zu elektronischen Beats durch Aachen. Auch dieses Jahr kündigte sich die Parade erneut an.

Samstag, 31.08.: Zug der Liebe (Berlin)

Der Zug der Liebe fand erstmals 2015 als politische Tanzdemo statt und wurde medial als neue Loveparade verhandelt. Das Besondere: Gemeinnützige Vereine teilen sich die Wägen mit Akteuren der elektronischen Musik.

Samstag, 31.08.: Tolerade (Dresden)

Zum neunten Mal zieht die Tolerade des Tolerave e. V. durch die Landeshauptstadt von Sachsen und setzt sich mit verschiedenen lokalen Akteuren elektronischer Musik für eine bunte und tolerante Gesellschaft und Clubkultur ein. Letztes Jahr kamen etwa 10 000 Menschen zu der Tanzdemo.

Samstag, 31.08.: Parada Wolnolści (Lødz, Polen)

Das international auch als Freedom Parade bekannte polnische Pendant zur Loveparade fand zunächst von 1997 bis 2002 statt. Danach war die Parade politisch nicht mehr erwünscht. 2022 fand die Veranstaltung ihr Comeback, unter anderem spielte Dr. Motte.

Samstag, xx.09.: Techno Parade (Paris, Frankreich)

Die Techno Parade ist quasi die Pariser Variante der Loveparade und zieht jährlich seit 1998 (mit wenigen Ausfällen) ein Publikum in sechsstelliger Höhe an, das zu der elektronischen Musik, die auf großen Trucks gespielt wird, durch die Straßen von Paris tanzt. Letztes Jahr feierte die Parade ihr 25-jähriges Bestehen.

(voraussichtlich) Samstag, 19.10.: Amsterdam daanst eergens voor (Amsterdam, NL)

Die alternative Technoparade und Tanzdemo fand die letzten Jahre immer parallel zum Amsterdam Dance Event statt, deswegen haben wir sie schon mal datiert, auch wenn der Termin offiziell noch nicht bekannt gegeben wurde. Sie stellt einen Kontrast zum kommerziellen ADE dar.

 

Schon vorbei dieses Jahr:

Samstag 20.01.: De Groningse Onderstroom (Groningen, NL)

Ähnelt der Parade „Amsterdam danst eergens voor“, findet aber mitten im Winter statt. Verschiedene Akteure des musikalischen Undergrounds aus der niederländischen Stadt Groningen treffen sich zur Tanzdemo.

Donnerstag, 28.03.: Carnaval Étudiant de Caen (Caen, Frankreich)

Die Veranstaltung in der nordfranzösischen Normandie lockt jedes Jahr etwa 35 000 junge Leute an und stellt eine Mischung aus Karneval und EDM-Parade dar. Wir berichteten.

 

Weitere:

Dance For Tolerance (Heilbronn)

Am 19. August 2023 zog die „Demonstration für Weltfrieden und Toleranz“ zum ersten Mal mit mehreren LKW durch Heilbronn und knüpfte damit an die damalige House Parade Ende der 90er-Jahre sowie die Music Parade in den 2000er-Jahren an.

City Parade (Mons, Belgien)

Die belgische Version der Loveparade, fand in den Jahren 2001 bis 2017 in wechselnden belgischen Städten statt und zog Anfang der 2000er ein sechsstelliges Publikum an. Die letzte Ausgabe fand 2017 in Brüssel statt. Für den 2. September 2023 war das Comeback in Mons geplant, wo laut damaliger Ankündigung auch die nächsten Ausgaben stattfinden sollen. Ein paar Tage vor geplanten Datum wurde die Parade abgesagt und auf 2024 verschoben, ein Datum findet sich noch nicht.

E-Move (Hamburg)

2023 plante der Hamburger DJ und Produzent Da Sonic, der inzwischen unter dem Namen Andreas Tilkeridis auftritt, das Comeback des Hamburger Generation Move bzw. G-Move, eine der größten damaligen Technoparaden in den 90er- und 2000er-Jahren, unter dem neuen Namen E-Move. Diese war für den September 2023 angesetzt. Im März wurde die Veranstaltung abgesagt.

East Parade (Chemnitz)

2018, 2019 und 2021 fand die East Parade in Chemnitz statt. Die Technoparade wurde mit Mitteln des Bundesministerium Familie, Senioren, Frauen und Jugend bezuschusst und zog Teilnehmer in vierstelliger Höhe an. 2022 wurde die Veranstaltung abgesagt, nachdem es keine Fördermittel mehr gab. Es ist unklar, wann und ob die Parade zurückkehrt.

Fuckparade (Berlin)

Die Fuckparade entstand 1997 unter dem Namen „Hateparade“ als unkommerzielle Gegenveranstaltung zur Loveparade. Die Veranstaltung, die sich auf ihrer Instagram-Seite als „home of technoviking“ beschreibt, fand letztes Jahr am 9. September statt. Infos zu 2024er-Ausgabe erscheinen laut eigenem Kanal auf X (Twitter) bald.

Global Space Odyssey / GSO (Leipzig)

Die GSO ist ein „Zusammenschluss verschiedener Leipziger Veranstaltungscrews“, die jährlich eine Kulturdemo mit Musikwägen durch Leipzig veranstaltet. Der Termin für dieses Jahr ist noch nicht bekannt.

SmashRepressionER (Italien)

SmashRepressionER veranstaltet politisierte Straßenparaden bzw. Tanzdemos in verschiedenen Städten Italiens. Letztes Jahr wurde unter anderem die „Street Rave Parade Bologna“, die „Palermo Street Parade“ sowie die „Street Parade Roma“ laut deren Facebook-Veranstaltungen durchgeführt.

Union Move (Mönchengladbach)

2022 plante die „Dance & Parade gGmbH“ das Comeback der 1995 bis 2001 in München durchgeführten Technoparade, die dort Besucher in sechsstelliger Zahl anlockte, allerdings nun mit Mönchengladbach als neuen Standort. Die Parade wurde laut RP-Online gerichtlich vorher untersagt. Die Veranstalter sprachen von 10 000 Besuchern, die kommen sollten, allerdings fiel die mediale Resonanz und jene auf sozialen Netzwerken sehr gering aus, sodass diese Zahl als eher unrealistisch betrachtet werden kann. Statt der Parade gab es einen kleinen „Spontan Move“, mit sehr geringer Teilnehmerzahl in einem Park in M-gladbach. Ob es einen erneuten Versuch zur Durchführung geben wird ist eher fraglich, vor allem, da die Veranstalter damals ankündigten, sie wollten die Veranstaltung 2023 durchführen, man aber nichts mehr darüber hörte.

World Peace Day Parade (Berlin)

Die World Peace Day Parade fand zum ersten Mal 2019 als „Love World Peace Parade“ auf der Straße des 17. Juni in Berlin zum Weltfriedenstag der Vereinten Nationen statt und erinnerte tatsächlich an die ursprüngliche Loveparade im Tiergarten, nur kleiner. Kult-Marken wie Bonzai Records, Ship of Fools, Tunnel Club, Der Weiße Hase, Neuhain Rec. und viele weitere waren mit großen Trucks am Start. Auch 2020 und 2021 wurde die Veranstaltung unter dem neuen Namen trotz Covid-19-Pandemie in kleinen Rahmen durchgeführt. 2022 und 2023 wurde die Parade jeweils kurz vorher abgesagt. Ob es ein Comeback geben wird, steht in den Sternen.

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