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Nicht viele Labels können auf eine nunmehr 18-jährige Geschichte zurückblicken. Traum kann es. Vor allem durch die sehr frühe Internationalisierung des Labels konnte es auch außerhalb des Landes früh zu einem der heute etabliertesten Labels wachsen. Von einem dem Erfolg geschuldeten Überflug kann jedoch keine Rede sein, Traum wollte seinem visionären Indie-Charakter bewusst die Treue halten.


Das Wort Traum in Verbindung mit elektronischer Musik ist international ein Markenzeichen geworden. Das Imprint der beiden Gründer Jacqueline und Riley Reinhold hat sich in der Szene mit der Entdeckung junger Talente schon früh einen hohen Rang verschafft. „Wir investieren gerne in intensive Betreuung und Feinschliff, wenn wir das Potenzial eines Tracks erkennen. Manch Große haben bei uns klein angefangen“, beschwört Riley. In der Tat stehen auf der Liste der frühen Releases Künstler, zu deren Musik wir heutzutage wie selbstverständlich auf den Dancefloors dieser Welt tanzen. Darunter sind Namen wie Dominik Eulberg, Extrawelt, Microtrauma, Fairmont, Moonbeam oder Mononoid. Ein Beispiel ist auch Max Cooper. Erst die „Harmonisch Serie“, die 2009 nach einem intensiven Coaching unter der Katalognummer V107 auf Traum erschienen ist, machte ihn und seine Produktionen einem breiten Publikum zugänglich. „Als Label sind wir, glaube ich, weltweit bekannt dafür, dass wir viele junge Leute rausbringen und uns auch Mühe geben, hinzuhören“, fügt Riley Reinhold hinzu.

Das Konzept deckt sich auch mit „Tour De Traum“, einer Compilation- Reihe, die vor allem die jüngere Generation in den Vordergrund stellt. „Wir haben damit eine große Community aufgebaut. Viele der Künstler sind unter 25. Sie haben uns Musik geschickt, wir haben mit ihnen über Post-Production und andere Themen gesprochen. Wenn man sich die Tracks anhört, dann merkt man auch, dass sie sich immer sehr viele Gedanken über jeden einzelnen Klang gemacht haben. Das ist bei diesen jungen Leuten immer wieder erstaunlich.“

Vor allem die digitale Entwicklung hat dem Label an diesem Punkt in die Hände gespielt. „Dadurch, dass man Tracks auch nur online veröffentlichen kann, können wir viel kreativer sein. Das gibt uns eine gewisse Autonomie“, schwärmt Reinhold. „Wir haben halt auch einen Indie-Status. Das unterscheidet uns meiner Meinung nach auch von anderen Labels, weil wir dadurch eine gewisse Lockerheit an den Tag legen können und bei uns nicht immer riesige Summen hinter den Releases stehen.“ Auch visuell weiß das Label Akzente zu setzen. Aufwendig produzierte YouTube-Videos oder Plattencover aus Holz sind nur zwei Beispiele. Ein drittes ist das Cover der anstehenden EP von Dominik Eulberg, das die Kölner Künstlerin Miri D‘Oro gestalten durfte und zu dem wir Dominik Eulberg persönlich befragen durften (Interview unter dem Artikel).

Traum kann auch als freigeistliche Kreativschmiede bezeichnet werden, in der Melodien ausprobiert werden und auch unkonventionelle Ideen bis hin zur angesprochenen Ambientmusik eine vertraute Plattform finden. Das kleine Team voller enthusiastischer Visionäre und begeisterter Konsumen- ten der elektronischen Musik ist bekannt dafür, nie auf einer Stelle stehen zu bleiben, sich stets weiterzuentwickeln und neue Nischen zu besetzen. Ein Beispiel ist der melodische Techno, in dem Traum zweifelsohne Pionierarbeit geleistet hat und dessen Genre zunehmende Salonfähigkeit genießt. Seit neuestem fokussiert sich das traditionsreiche Imprint immer mehr auf Künstler, die zwar kaum eine Verbindung zum Techno haben, sich aber als exzellente Kompositionstalente entpuppen. Laut Riley sind vor allem Dovim, der gerade mit seiner EP „Makaratta“ sein Debüt feiert, und Nick Dow hervorzuheben. „Die sind für uns absolute Highlights. Ich wüsste nicht, mit wem man die beiden vergleichen könnte.”

Dieser Text ist in der FAZE_056 vom Oktober 2016 erschienen.
Zusätzlich veröffentlichen wir die zwei in den Originaltext eingeflossenen Kurzinterviews mit Dominik Eulberg und Robert Babicz in voller Länge.

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Dominik, auch dieses Mal ziert ein sehr liebevoll gestaltetes Cover deine neue EP. Wer durfte es gestalten und wie kam es zu dieser Auswahl?

Das Cover habe ich, wie schon das der letzten Herzblut EP, mit der in Köln lebenden Künstlerin Miri D’Oro gemacht. Mit ihr kann ich wunderbar in die Tiefe einens solchen Projektes abtauchen und Bälle zuspielen.

Dieses Mal konzentrieren sich die Namen der Tracks auf Mineralien. Deine Nähe zur Natur ist bekannt, was fasziniert dich so an Mineralien im Speziellen?

Thematisch suche ich mir bei meinen Arbeiten immer ein Stück Natur heraus. Zum einen um einen kreativen Fahrplan zu haben, zum anderen weil es mir einfach am Herzen liegt Menschen für unsere Umwelt zu sensibilisieren. Falkenaugen, Katzengold und Taubenblut sind alles Edelsteine die es tatsächlich gibt und zu deren Etymologie interessante Geschichten existieren. Diese haben wir bildlich auf dem Cover dargestellt. Mich fasziniert an Mineralien die nahezu unbegrenzte Formen- und Farbvielfalt. Als hätten hochstudierte Designer sie entworfen. Und doch ist es einfach ein Stück Natur und gleichzeitig auch ein Schlüssel das Wunder Schöpfung zu verstehen.

Du bist ja nun ein echter Veteran bei Traum, weißt du noch, wie die Zusammenarbeit damals zustande kam?

Wenn ich das nicht mehr wüsste, müsste ich meinen Lebensstil aber mal grundlegend überdenken. Ich habe Riley im Plattenladen Kompakt kennen gelernt. Er dachte, auf Grund meiner blonden Haarpracht, dass ich Schwede sei und sprach mich auf Englisch an. Ich dachte er ist Engländer und wir haben uns dann die erste Zeit nur auf Englisch unterhalten, bis wir das mal gecheckt haben. Dann war er mir gleich sympathisch und ich habe eine Platte bei ihm gemacht.

Was bedeutet diese Zusammenarbeit für dich?

Ich bin Riley und Jacqueline sehr dankbar für ihre Toleranz und Offenheit von Anfang an. Eigentlich war es ja nie mein Plan einmal Technomusiker zu werden und ich hatte ehrlich gesagt auch gar keine Lust darauf mit irgendwelchen Labels zusammen zuarbeiten, die mir meine Produktivität und musikalische Richtung in irgendeiner Form aufoktroyieren. Auf Traum wurde mir von Anfang an das vollkommene Vertrauen entgegen gebracht, voll und ganz authentisch zu sein. Zudem steht hier Fairness und Transparenz vor Profitgeilheit. Das sind auch mir sehr wichtige Werte und ein Grund, warum unsere Beziehung schon so lange anhält.

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Robert, dein neues Album “A Moment Of Loud Silence” erscheint jetzt auf Traum. Was bedeutet es für dich Mitglied der Traum Familie zu sein?

Das ist ein schöner Kreis der sich gerade schliesst. Ich habe für Riley meinen allerersten Gig gehabt. Das war vor 23 Jahren. Traum ist für mich ein wirklich tolles Label mit viel Feingefühl.

Es ist dein insgesamt zweites Ambient Album, aber auch auf anderen Releases befinden sich verschiedene Stücke, die ebenso in diese Richtung gehen. Was fasziniert dich so an dieser Musik?

Ich habe Ambient ja von Anfang an gemacht, siehe Rob Acid und DICABOR, was nichts anderes ist als Rob Acid rückwärts geschrieben. Es ist Musik die deinen Geist tanzen lässt. Das ist mir genauso wichtig wie den Körper tanzen zu lassen mit meinen clubbingen tracks.

Warum die bewusste Entscheidung, diesem Stil nun erneut ein ganzes Album zu widmen?

Oh, das war gar nicht bewusst. Ich habe mich da einfach treiben lassen. Irgendwas hat mich dazu gebracht mich einzuschliessen und einfach Sounds zu basteln. Ich habe gar nicht nach dem „warum“ gefragt. Somit sind die stücke ganz aus meinem Unterbewusstsein entstanden. Geplant war da garnix.

Einige der Remixer wie z.B. Mario Hammer And The Lonely Robot sind ebenso bekannt für einen experimentellen Musikstil. Andere vielleicht eher nicht. Wie kam die Künstlerauswahl zustande?

Bei den Remixern kann ich mich nur bei Riley bedanken, er hat da super frische Leute mobilisiert, die sich toll den Klängen annahmen. Ich bin da echt glücklich über die Ergebnisse.