Türsteher - die permanent unterschätzte Instanz des Club-Lebens

Türsteher – die permanent unterschätzte Instanz des Club-Lebens


Das Nacht- und Partyleben hat viele Instanzen. Um richtig Spaß zu haben, wenn man feiert geht, sucht man sich die richtigen Leute aus, mit denen man rausgeht. Man sucht sich die passende Veranstaltung raus, auf der die DJs gebucht sind, die man sich gerne anhören möchte. Und man geht in die Clubs, die ein gutes Soundsystem haben und in denen eine gute Atmosphäre herrscht. Doch wie kommt eigentlich eine gute Atmosphäre zu Stande? Eine wichtige Instanz auf einer Party, die sehr oft unterschätzt wird, ist die Türpolitik eines Clubs.

An der Tür wird selektiert wer reinkommt und wer nicht. Lassen die Türsteher Leute rein, die nicht zum Programm passen oder auf Stress aus sind, ist die Atmosphäre ziemlich schnell hin. Ein Türsteher muss innerhalb weniger Sekunden den Menschen richtig einschätzen können. Am wichtigsten ist, dass der Gast keinen Ärger macht. Die meisten Partygäste nehmen die Türsteher nur für zwei Momente wahr, beim Reingehen in den Club und beim Verlassen des Clubs. Dabei machen die Jungs an der Tür durchgehend ihren Job und man selbst merkt nur im Hintergrund, ob sie ihren Job gut oder schlecht machen.

Ärger zu vermeiden, mag ein primäres Auswahlkriterium zu sein. Türsteher checken schon oft ab, wie sich die Personen in der Warteschlange vor dem Club verhalten. Kommt es da schon zu einem prolligen oder latent aggressiven Verhalten, kann man sich ausmalen, wie sich diese Personen zum Beispiel beim Warten an der Bar verhalten. Oder wenn schon in der Eingangsschlange sämtliche Frauen angebaggert werden, kann man sich denken, dass diese Personen die Frauen im Club ebenso wenig in Ruhe lassen werden.

Den Satz „Mit diesen Schuhen kommst du hier nicht rein“ wird man eher in Diskotheken zu hören bekommen als im Techno-Club. Dennoch legt eine gute Club-Tür auch entsprechend Wert auf Ästhetik und Style. Die Gäste müssen ja irgendwie zueinander passen und sich untereinander wohl fühlen. Da fallen Personen, die zu ungepflegt oder überstylt sind einfach raus. Je nach Charakter der Veranstaltung.
Kleider machen Leute. Dieser Satz erscheint zwar oberflächlich, jedoch sagt die Kleidung in den wenigen Momenten, die ein Türsteher hat, um einen Menschen einschätzen zu können, viel über eine Person aus. Ein guter Türsteher erkennt also anhand der Kleidung und des Styles, ob die Person in den Club passt oder nicht. Auch wenn es sich nicht gut anfühlt für eine Person, an der Tür abgewiesen zu werden, vielleicht tut der Türsteher der Person damit selbst einen Gefallen. Denn sticht eine Person mit einem total overstylten Outfit heraus, wird sie sich wahrscheinlich erstmal im Club angekommen ebenso wenig wohl fühlen. Es ist aber nicht nur die Kleidung, die ein Türsteher dazu verwendet, um potentielle Gäste zu analysieren. Es ist das Gesamtauftreten. Der Türsteher muss Mimik, Gestik und Körpersprache richtig deuten können.

Türsteher leben mit dem Vorurteil primitive Muskelpakete zu sein.
Zweifelsohne können Muskeln und eine geschulte (Kampf-)Ausbildung wichtig sein. Denn kommt es zum Stress im Club, muss ein Türsteher in der Lage sein, Oberhand über diese Situation zu bekommen. Aggressive Personen müssen ruhig gestellt werden können und zur Not muss ein Türsteher dann auch handgreiflich werden. Um Handgreiflichkeiten weitestgehend zu vermeiden, wird gute Menschenkenntnis und Autorität vorausgesetzt. Das Selektieren ist das A und O. Doch wer lässt sich schon von einem halben, untrainierten Hemd etwas sagen? Ein Türsteher muss also Autorität ausstrahlen und im Ernstfall auch Konsequenzen durchsetzen. Glaubwürdigkeit ist hier das Stichwort. Neben guter Menschenkenntnis und Autorität braucht ein Türsteher auch viel Geduld und muss geschickt mit diversen Personen in diversen Zuständen umgehen könne.

Neben einigen wirklich guten Türstehern gibt es natürlich auch die Personen, die es zwar irgendwie geschafft haben, nachts an einer Club-Tür zu stehen, aber dort eigentlich gar nicht hin gehören. Schlechte Türsteher gibt es leider oft genug. Die Rede ist hier von Personen, die ihren Machtkomplex durch diesen Job ausleben möchten. Das eigene aggressive Potential durch den Türsteher-Job auszuleben, macht eindeutig die schlechtesten Türsteher aus. Ein guter Türsteher deeskaliert eine Situation. Ein schlechter Türsteher lässt es zur Eskalation kommen und ist selbst mitten drin.

Auch Unverhältnismäßigkeit ist ein Zeichen eines schlechten Türstehers. Lässt er zum Beispiel den Großteil der männlichen Gäste abblitzen, weil er seine Macht ihnen gegenüber demonstrieren will, lässt aber dafür jede bezirzende Tussi rein, macht es wenig Spaß und Sinn im Club zu sein. Ein guter Türsteher sollte auf das Gleichgewicht im Club achten. Er sollte beobachten, wie das Verhältnis im Club derzeit ist. Männerüberschuss im Club kann aber recht unangenehm werden.

Für Gäste und Club sind die Türsteher also eine enorm wichtige Instanz. Sie sorgen dafür, dass man unter Gleichgesinnten unbeschwert zu der Lieblingsmusik feiern kann und sich im Ernstfall beschützt fühlen darf. Ein hohes Lob und viel Respekt an all die Türsteher, die ihren Job wirklich gut machen. Denn schließlich stehen sie bei Kälte und bei Regen vor der Tür, während wir drinnen feiern und unsere Freizeit genießen.

Fazit: Eine gute Tür gehört zu einem gutem Club genauso wie gute Bookings und ein gutes Soundsystem.

Quelle: Berliner Zeitung, Vice, Mitteldeutsche Zeitung

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