dubfire
Rumänien avanciert kontinuierlich immer mehr zu einem Hotspot im elektronischen Kosmos – nicht nur begnadete DJs und Produzenten wirft das Land am Schwarzen Meer ab, auch mit gefeierten Veranstaltungen bzw. Festivals machen die Rumänen von sich reden. Das Untold Festival, welches in Cluj-Napoca stattfindet, ist eines davon. Es verteilt sich auf verschiedene Locations in der gesamten Stadt wie z. B. das eindrucksvolle Stadion „Cluj Arena“, das Platz für bis zu 30 000 Gäste bietet, oder die nahegelegene „Polyvalent“-Halle. Insgesamt werden an den vier Tagen vom 3. bis zum 6. August 300 000 Besucher erwartet. Eine beachtliche Zahl, debütierte das Festival doch erst 2015. Gleich für die erste Edition gewann Untold den Preis für das „Best Major Festival“ bei den European Festival Awards. Nach einer ebenfalls glorreichen Ausgabe im vergangenen Jahr setzen die Verantwortlichen nun zur dritten Ausgabe an. Musikalisch wird dabei wieder ein breites Spektrum präsentiert, welches von House und EDM über Techno bis hin zu Drum ’n‘ Bass und mehr reicht.


Zu den Headlinern zählt neben Sven Väth, Solomun, Chris Liebing, Loco Dice, Armin van Buuren, Axwell & Ingrosso, Hardwell, Steve Aoki und Co. auch Ali Shirazinia, besser bekannt als Dubfire. Der iranisch-stämmige DJ und Produzent feiert dieser Tage sein erstes Jahrzehnt als Solo-Künstler, war er davor als eine Hälfte des berühmt-berüchtigten Deep-Dish-Duos tätig. Zu diesem Anlass veröffentlicht er „HYBRID – A Decade Of Dubfire“ und vereint darauf zahlreiche Werke von 2006 bis 2016. Geliefert wird das Release in einer signierten Box, bestehend aus drei Vinyls, drei CDs sowie Links zu Streaming-Formaten. Auch ein mit Musik bestückter 16-GB-USB-Stick aus schwarzem Metall mit eingraviertem Logo ist Teil des Pakets, genauso wie zwei Slipmats und vieles mehr. Nach seiner Rückkehr aus Südostasien, wenige Stunden vor seinem Auftritt beim Sónar Festival in Barcelona, bekommen wir ihn ans Telefon. „Ich hatte das Gefühl, dass es ein guter Zeitpunkt wäre, die für mich wichtigsten Arbeiten aus den ersten zehn Jahren meiner Solo-Karriere zusammenzutragen. Dazu gehören u. a. auch bislang unveröffentlichte Sachen. In der heutigen Zeit findet man sämtliche Musik in der Cloud oder generell im Internet. Daher war es mir wichtig, etwas Physikalisches zu liefern, damit die Fans etwas in der Hand halten können, statt nur ein File mehr auf ihrer Festplatte zu haben. Schon als ich für die Hybrid-Show in meinem kompletten Katalog gestöbert und viele Stücke neu interpretiert habe, hatte ich diese Idee. Damit widme ich mich sämtlichen Sachen aus einem bestimmten Zeitfenster noch mal, ehe ich mich danach wieder der neuen Live-Show und hoffentlich auch einem neuen Album zuwende.“

Doch bevor er den Fokus auf die Zukunft legt, resümiert er die ersten zehn Jahre des „neuen“ Projekts, mit dem er nach Deep Dish zum zweiten Mal Weltruhm erlangt hat. „In der Anfangszeit von Dubfire war ich recht unsicher, wohin die musikalische Reise gehen soll und was ich wirklich möchte. Ein paar Sommer auf Ibiza und erste Solo-Produktionen haben dann jedoch recht schnell meinen Weg geebnet. Sven und Cocoon haben mich in ihren Innercircle aufgenommen, was mir extrem weitergeholfen hat. Zumal ich davor als Teil von Deep Dish eher housy unterwegs war. Dann kamen irgendwann auch noch Richie Hawtin und Chris Liebing dazu, die ebenfalls dazu beigetragen haben, dass mein Output draußen gehört wurde. Ich würde sagen, mein Remix für Radio Slaves ,Grindhouse’ war ein absoluter Meilenstein. Das Stück steht zu 100 Prozent für den typischen chunky Tech-House, den Dubfire ausmacht. Von da an hat sich viel getan, ich hatte die Freiheit, zu experimentieren und mich weiterzuentwickeln. Mit der Hybrid-Show habe ich für mich persönlich meinen zweiten Meilenstein erlebt. Das gesamte Projekt war sehr intensiv und einnehmend. Ebenfalls sehr intensiv waren die ersten sechs Monate dieses Jahres, ich habe viele sehr tolle Gigs gespielt und war tatsächlich auch im Urlaub. Allerdings sah dieser nicht so aus, wie man sich einen Urlaub vielleicht im ersten Moment vorstellt: Ich habe die zwei Wochen genutzt, um das Diplom bzw. Level 2 in meinem Sake-Kurs zu erreichen, sodass ich die komplette Zeit eigentlich nur getrunken habe. Besonders erholsam war das also nicht. Ansonsten habe ich wieder viel Zeit im Studio verbracht und am Retrospektiv-Album gearbeitet sowie an der Konzert-DVD für die Hybrid-Show. Ich bin gespannt, was der Rest des Jahres bereithält.“

Mittlerweile klinge er sicherlich etwas deeper und vertrippter als noch zu seinen Anfängen, sagt er. Auch das Tempo sei langsamer geworden. „Ich gehöre zu der Kategorie DJ, die es von der Pike auf gelernt haben, einen kompletten Abend musikalisch zu gestalten. Mit Ambient anzufangen, dann mit dubbigen Elementen langsam und behaglich ein Konstrukt aus House und Techno zu bauen, das dann immer mehr an bpm gewinnt und in einem Set von zehn bis zwölf oder sogar mehr Stunden endet. Somit bin ich soundtechnisch schon immer sehr vielseitig gewesen. In eine Schublade habe ich, wie ich finde, noch nie wirklich gepasst.“ Mit der Zeit habe er auch einige Dinge verändert bzw. optimiert. „Ich bin irgendwann von Logic abgewichen und arbeite mittlerweile mit Ableton Live. Auch habe ich mich, als ich als Dubfire angefangen habe, von sämtlicher analoger Hardware getrennt. Einfach um ein möglichst kleines und kompaktes Setup zu haben. Ich wollte aus alten Mustern austreten und quasi für mich neue Wege gehen.“ Ein Weg, den er nach seinem Live-Gig im vergangenen Jahr nun bereits zum zweiten Mal antreten wird, führt ihn zum Untold Festival. „2016 war fantastisch. Auch wenn die Integration der Show in die dortigen Gegebenheiten eine richtige Herausforderung war. Die Bühne war ein recht abgefahrenes Konstrukt – ähnlich komplex wie die Hybrid-Stage. Die eine in die andere zu bekommen, war daher nicht ganz so einfach. Als die Bässe einsetzten, bewegten sich alle Elemente immer weiter von mir weg, sodass es in einem wahren Abenteuer endete, im positiven Sinne. Das sind Dinge, an die man sich gerne erinnert, vor allem wenn die Crowd so frenetisch feiert, wie es damals der Fall war. Daher freue ich mich extrem, in diesem Jahr wieder dabei zu sein. Die Szene in Rumänien ist absolut großartig – sie wächst förmlich von Tag zu Tag. Viele meiner aktuellen Lieblingsproduzenten kommen aus Rumänien, so zum Beispiel Dubtil, Barak, Raresh und viele mehr. Da schwappt eine Welle aus dem Land, die immer mehr an Reichweite gewinnt.“ Generell hört man dem Label-Chef von Sci+Tec die Vorfreude auf den Sommer an. „Ibiza wird wie immer ein großes Highlight. Ansonsten werde ich einige b2b-Sets spielen, beispielsweise mit Chris Liebing beim Awakenings. Auch freue ich mich auf das Sunwaves Festival, das ebenfalls in Rumänien stattfindet. So ähnlich wie bei der Time Warp in Mannheim, die für uns als Künstler eine Art Startschuss für die neue Saison ist, bei dem wir wirklich das Beste vom Besten versuchen zu kreieren, ist es auch beim Sunwaves. Ich spiele dort traditionell zwischen 17 und 20 Stunden, sodass ich definitiv versuchen muss, gesund zu leben, um diesen Marathon so fit wie möglich anzugehen (lacht).“

Untold Festival 2017 // 03.–06.08.2017 // Cluj-Napoca, Rumänien
Line-up: Sven Väth, Solomun, Dubfire, Chris Liebing, Loco Dice, Jamie Jones, Andy C, Chase & Status, Dub FX, Pendulum, Afrojack, Armin van Buuren, Axwell & Ingrosso, Hardwell, Steve Aoki, Martin Garrix, Dimitri Vegas & Like Mike, Ellie Goulding, Hurts, Tini Tempah u. v. a.
www.untold.com

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