Seit nunmehr 20 Jahren ist der Thüringer Niklas Worgt unter seinem Künstlernamen Dapayk in den Gefilden der elektronischen Szene unterwegs. Ob solo oder gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Eva Padberg als Dapayk & Padberg, der 42-jährige steht für einen erstklassigen und individuellen Sound, den er mittlerweile in Form von sage und schreibe elf Alben verpackt hat. Für uns erinnert sich Niklas an vier Meilensteine seiner erfolgreichen Karriere zurück.

 

2000: Gründung von Mos Ferry Productions

Die Idee, ein eigenes Label zu gründen, wurde Ende der 1990er-Jahre aus der Not heraus geboren. Es wollte schlichtweg niemand meine Musik veröffentlichen. Um etwas Geld zu verdienen, verkauften mein Schulfreund Jan Langhammer und ich selbstgebrannte CDs mit meiner Musik auf den Parkplätzen der damaligen Groß-Raves in Thüringen. Dieses investierten wir dann in die Pressung der ersten Schallplatte, die wir in lokalen Plattenläden anboten. Wir hatten keinen Vertrieb und somit tingelten wir von einem Laden zum nächsten, immer in der Hoffnung, ein paar Exemplare verkaufen zu können. Jede eingenommene Mark und meine Gagen als Live-Act wurden in die nächste Vinylscheibe gesteckt. Der erste Laden bot mir fünf Mark für eine Scheibe, die Pressung hatte neun Mark pro Stück gekostet… Gottseidank ging es so nicht weiter.

 

2004: Umzug von Erfurt nach Berlin

Während meines Studiums in Erfurt wuchs Mo’s Ferry Prod. langsam. Unser Sound entfernte sich vom Techno der ersten Releases und konzentrierte sich auf das, was man damals „Minimal“ nannte, irgendwas zwischen Sägezahn-Rave & Electronica. In Thüringen lief zu der Zeit meist Disco-House oder Schranz. Wenn wir weiterkommen wollten, musste eine Luftveränderung her. Einige Freunde waren schon nach Berlin gegangen und schwärmten von den dortigen Möglichkeiten – Somit schien das Ziel klar. Mit dem Umzug nach Berlin rannten wir offene Türen ein. Irgendwie hatte unser Sound einen Nerv getroffen. Poppig genug, um verstanden zu werden, schräg genug, um cool zu sein. Innerhalb kürzester Zeit feierten wir Label-Nächte im Watergate, Polar TV oder im Sternradio und schließlich spielte ich im wiedereröffneten Berghain. Mit Mitte 20 erschien mir das damals als völlig normal.

 

2005: Die Welt bereisen

Mo’s Ferry existierte nun schon eine Weile und wir konnten neue Kontakte knüpfen. Über Jay Haze bekam ich einen ersten Gig in New York. Für mich vorher unvorstellbar. Heartthrob war der Veranstalter und die Location ein winziger, ehemaliger Cash Check in Brooklyn mit gerade einmal 15 Gästen. Egal. Ich, der Thüringer, der eigentlich nie von zu Hause weg wollte, hatte Blut geleckt. Ich wollte all diese Menschen treffen, die scheinbar überall auf der Welt die gleiche Liebe zu unserer Musik lebten. Ich bin unendlich dankbar dafür, dass dies in den folgenden Jahren mit Touren in Japan, Australien oder den USA möglich war. Ich könnte mit den Erinnerungen aus Georgien, Frankreich oder Russland Seiten füllen. Mein Tour-Tagebuch führe ich nun seit 16 Jahren.

 

2020: Ende von Mos Ferry Productions & Neustart mit Sonderling Records

20 Jahre sind eine lange Zeit im Musikgeschäft. Bei Mo’s Ferry arbeiteten zwischenzeitlich 5-6 Leute. Nicht schlecht für ein kleines Indie-Label ohne große Hits. Wir hatten eine eigene Booking-Agentur und das „I LOVE VINYL Open Air“, mit dem wir auch tourten. Alles war getaktet und organisiert. Vieles wurde jedoch alltäglich und die Musik austauschbar, was häufig die Freude an der Sache dämpfte. Sicherheitsdenken schlich sich ein und führte zu noch weniger Kreativität. 2018 hatten Jan Langhammer und ich uns geschäftlich, wie auch privat auseinanderbewegt. Die Entscheidung fiel, Mo’s Ferry Prod. Ende 2020 einzustellen, da kein gemeinsames Ziel mehr zu erkennen war. Schon ein Jahr vorher hatte ich begonnen, mit Sonderling Records eine neue Basis für meine Releases aufzubauen. Sublabels, wie Rohling und Fruehling, folgten und lassen nun wieder Raum für Experimente, ohne dabei an strikte Zeitpläne gebunden zu sein.

 

 

www.sonderlingrecords.com
Foto: Patrice Brylla
Aus dem FAZEmag 105