väth_50_geburtstagSven Väth – Fünfzig Jahre Techno

Sven Väth wird 50. Wie viele Geschichten wurden nicht schon über die Lichtfigur der deutschen Techno-Bewegung geschrieben. Unzählige. Das Phänomen Sven Väth konnte keine dieser Reportagen auch nur ansatzweise wiedergeben. Es klingt wie ein Satz aus der Werbeindustrie, aber er trifft auf den Hessen zu wie auf keinen anderen DJ: Man kann ihn nicht beschreiben, man muss ihn erleben. Die fleischgewordene After Hour, die Definition des DJs schlechthin. Auch nach 34 Jahren Platten auflegen ist er seiner Musik und der Methode, diese Musik unter die Menge zu bringen, treu geblieben. Sven Väth weiß er will und er weiß noch besser, was er nicht will: Stillstand. Dass man sich im Laufe der Jahre von unliebsamem Ballast trennt ist genau ein Teil seines Lebens wie das Ziel, Visionen umzusetzen, sie zu leben. Anlässlich seines runden Geburtstages habe ich mich an die Mosel begeben und Sven Väth einen Besuch in Traben-Trabach abgestattet. Dass man in seiner Nähe nicht oft zu Wort kommt, wenn die Begeisterung für die Musik und sein Schaffen aus ihm heraussprudelt, ist nichts Neues. Aus diesem Grund gab es bei diesem Gespräch keine lästigen Zwischenfragen, Sven Väth durfte seine Geschichte erzählen. Und das tat er.

Sven Väth – Fünfzig Jahre Techno

Biographisches: Sven wurde 1964 als zweiter von drei Brüdern in Obertshausen geboren. Nach abgebrochener Schlosserlehre wurde Sven Väth DJ in der Discothek seiner Eltern in Neu-Isenburg. Danach folgten Engagements im Dorian Gray im Frankfurter Flughafen und im Vogue in der Frankfurter Innenstadt. 1985 gründete er mit Michael Münzing und Luca Anzilotti das Projekt OFF. Die zweite Single „Electrica Salsa“ erreichte in ganz Europa hohe Chartplatzierungen. 1988 verließ der Ibiza-Fan das Dorian Gray und kaufte das Vogue, das er kurz darauf als Omen neueröffnete. Vier Jahre später gründete er das Label Eye Q Records samt der Sublabels Harthouse und Recycle or Die. 1997 veranstaltete er erstmals unter dem Namen Cocoon Partys. Ab 1999 fanden die Partys unter dem Namen Cocoon Clubbing statt, zunächst nur im Frankfurter U60311, später u. a. auch im Stammheim in Kassel, Tribehouse in Neuss, Prag in Stuttgart und schließlich auch im Amnesia auf Ibiza. In den Folgejahren wurde die Partyreihe um ein Label und eine Bookingagentur erweitert, bevor Sven Väth am 18. Juli 2004 mit dem Cocoon Club eine neue, aufwendig gestaltete Partylocation in Frankfurt eröffnete, die beim Interieur, bei der Soundanlage und auch gastronomisch neue Akzente setzen sollte. Der Club wurde in den darauf folgenden Dezember durchgeführten Leserumfragen der Zeitschrift Groove und der Raveline zum besten Technoclub gekürt. Ende November 2012 wurde der Club geschlossen, nachdem er zuvor Insolvenz anmelden musste.

vath-planetDie ersten 20 Jahre – Ibiza, Queenspub, Dorian Gray, Vogue, OFF

Prolog: Das Dorian Gray genoss damals einen Wahnsinnsruf: Das Studio 54 Deutschlands mit der besten Soundanlage, das alle Paradiesvögel aus ganz Deutschland anzieht. Züge aus ganz Deutschland mit Nachtschwärmern sind dorthin gefahren. Formel 1-Afershows, Playboy-Partys, Modenschauen, die Miss Germany-Wahl und vieles mehr fand dort statt. Niki Lauda und viele andere Prominente waren in der Discothek am Frankfurter Flughafen, die am 8. November 1978 eröffnet wurde, Stammgast. Auch die Eltern Väths, die nicht weit von Frankfurt entfernt in Neu-Isenburg die kleine Discothek Queenspub besaßen, waren häufig zu Gast im Dorian Gray.

Sven Väth spricht: Aufbruch nach Ibiza:

Also ich bin von Zuhause ausgerissen, nachdem ich meine Lehre geschmissen hatte. Nachdem ich mir mein Arbeitslosengeld auszahlen ließ, habe ich mir einen Rucksack gepackt und bin zusammen mit einem Freund nach Barcelona gereist. In Barcelona habe ich dann eine DM-Münze entscheiden lassen, ob es jetzt auf die Insel geht oder ob wir auf dem Festland bleiben. Nun, der Adler ist gefallen, und das hieß Ibiza. Dort wussten wir zuerst nicht, wohin wir sollten. Nachdem wir uns am Strand zwei Sonnenliegen genommen hatten, haben wir uns im Pinienwald ein Nest aufgebaut, in dem wir fast drei Monate gehaust haben. Ibiza habe ich so kennen gelernt: OpenAir Clubs, leicht bekleidete, hübsche Mädels, viele Hippies, es wurde viel gekifft in den Clubs, überall saßen Jungs und haben Bongos gespielt. Es war eine tolle Mischung aus Südamerikanern und Italienern, vielen Freaks, hübschen Menschen und „Klein-Sven“ mittendrin. Es gab auf Ibiza tolle Momente: Ich stand zusammen mit Grace Jones auf der Tanzfläche, mit Duran Duran und Jean-Paul Gaultier. Davon war ich natürlich verzaubert mit 16. Als die Sonne aufging, spielte Alfredo Pink Floyd gespielt und John Lennon zusammen mit psychedelischer Disco Musik aus Italien. Auf diese Mischung sind alle total durchgedreht, so etwas hatte ich noch nie erlebt und wurde zu meiner großen Inspiration.

Der erste DJ-Job

Nach den drei Monaten auf Ibiza, die letzte Zeit hatte ich bei einem Bekannten gewohnt, der mich in seinem Appartement auf Ibiza wohnen ließ, habe ich noch einen kurzen Ausreißer nach Düsseldorf gemacht und von dort aus meine Mutter angerufen. Sie sagte: „Hey Sven, du musst sofort nach Hause nach Isenburg, du musst jetzt als DJ anfangen.“ Ich fragte noch, ob sie das jetzt ernst meinte, aber drei Tage später war ich in Isenburg und hab mich durch die Plattensammlung gewühlt und musste mich da erst mal in den ganzen Blues-, Foxtrott-, Disco-, Wave-7Inches zurecht finden. Meine Mutter hat einfach gespürt, dass auf Ibiza etwas mit mir passiert ist, sie hat das Feuer in meinen Augen gesehen. Sie dachte bestimmt, bevor er sich da jetzt irgendwo anders krumm macht und probiert irgendwo anzukommen, machen wir ihm hier die Tür auf. Das hatte sich auch so ergeben, weil der frühere DJ plötzlich abgehauen ist – Schicksal würde ich sagen. Nun gut, dann habe ich bei meinen Eltern schwer gerockt und das anscheinend ganz gut gemacht. Nachts, nach der Arbeit, das Queenspub von 20 Uhr bis 1 Uhr nachts geöffnet, bin ich ins Dorian Gray und habe bis morgens getanzt. Dort bin ich anscheinend ganz gut aufgefallen mit meinen Moves; damals habe ich Electric Boogie getanzt mit dem einen oder anderen New Wave-Schritt. Und ich stand auch immer mal wieder oben bei den DJs und habe ihnen gesagt: ‚Spiel doch mal Kraftwerk, spiel doch mal Duran Duran oder Ultravox‘.

Dorian Gray & Münzing / Anzilotti

Als ich im Dorian Gray unterwegs war, gab es dort drei DJs im großen Club: Bijan Blum, Frek und Michael Münzing. In dem kleinen Club hat Uli Brenner gespielt und da habe ich dann auch angefangen. An Silvester 1981/1982 habe ich dann im Dorian Gray gespielt, da hat der Uli mich reingeholt für die Frühschicht. Er wollte in Skiurlaub fahren und meinte, „Hey Sven, komm du kannst doch auflegen, spring doch mal ein für mich.“ Es war natürlich nicht einfach, das meinen Eltern zu erklären, aber das Dorian Gray war natürlich ein großer Name. Ja und nachdem ich da drei Wochen gerockt habe im kleinen Club, wollten sie mich auch dabehalten, was Uli natürlich nicht so gut fand. Dann hat es auch nicht mehr lange gedauert, bis mich das angesagte Vogue in der Innenstadt abgeworben hat.

Das war dann auch die Zeit, zu der ich Luca Anzilotti und Michael Münzing kennengelernt habe. Wir sind oft zusammen Platten kaufen gegangen. Wir haben uns in Wiesbaden bei Knie getroffen oder in Frankfurt bei Marions Schallplattenboutique oder beim Musikarzt. Michael hatte ein Home Recording Studio, in dem wir angefangen haben herum zu basteln. So waren wir zu dritt und bis auf Michael, der schon mal eine Platte herausgebracht hatte, waren wir Greenhorns. Aber wir haben dann einfach mal losgelegt bis es zu dem Punkt kam, an dem wir meinten, komm lasst uns ein bisschen Geld zusammen schmeißen und dann mieten wir uns ein professionelles Studio mit Ton Engineer und nehmen dort mal einen Song auf. Dabei kam dann „Bad News“ heraus, das von Bellaphon gesignt wurde. Darauf war ich dann ganz stolz und habe es allen DJs auf Ibiza mit dem Satz: ‚Hier leg mal auf‘ in die Hand gedrückt. Der Erste, der es gespielt hat, war Pippi im Pacha 1986. Ich habe dann eine Diskotheken-Tour gemacht durch Deutschland und da war ich dann unter anderem in Hamburg und in Berlin. Später habe ich dann beim 16 Bit-Projekt von Luca und Michael mitgewirkt, das mit „Where Are You“ meinen ersten Charterfolg bedeutete.

Sven Väth = OFF

Nach außen hin wurde OFF mit Sven Väth gleich gesetzt. Bei Formel 1 mit Stefanie Tücking habe ich da gestanden, gesungen und getanzt und der Bernhard stand hinter mit und hat den Priester gespielt. Kurz darauf, da hatten wir aber schon wieder weiter gebastelt im Studio, da gab es dann die Entscheidung, ein großes Studio zu mieten. Die Zeit des Masterstudios in der Strahlenberger Straße begann. Dieses Studio war dann richtig groß, da war alles noch analog, und es gab richtige Bänder zum Aufnehmen. Das war schon richtig Arbeit, einen Track zu produzieren. Wir sind autodidaktisch an die Sache heran gegangen, learning by doing. Zu der Zeit kam auch gerade der Atari raus. Eines Tages haben wir im Studio ein wenig gejammt, ausprobiert und Beats gemacht, als ich mir das Mikrofon schnappte und „Baba Baba“ gesagt habe – wir haben uns tot gelacht, denn das Ganze war so Gaudi-mäßig. Wir haben diese Idee dann ausgefeilt und so ist „Electrica Salsa“ entstanden, aus einem Studiospaß heraus. Michael und ich standen an der DJ-Front, weswegen die Bass-Drum schön laut sein musste. Der Bass regierte, das Ganze war sehr sparsam instrumentiert, aber die Hook, also die Melodien mussten sitzen. Na ja, eigentlich haben wir damit den New Beat ausgelöst mit 114 Bpm. Der Rest ist Geschichte. Das Stück wurde zum Nummer 1 Hit in Italien, Spanien und Frankreich. In Deutschland hat es das Stück bis Platz #2 geschafft und in Belgien und Österreich ging es ebenfalls ab. Auf einmal hat sich dann mein Leben gedreht, ich brauchte auf einmal einen Manager und ich musste an Wochenenden auf irgendwelchen Gala-Bühnen stehen. Ich dachte so, Halt!, ich bin ja auch noch DJ. Aber es hat auch tierisch Spaß gemacht, ich habe ja tolle Leute kennengelernt, gerade in Italien, da war ich der totale Superstar 1987. Ich habe da in Verona in der Oper gesungen. Dort wo normalerweise die Verdi-Sommerfestspiele stattfinden. Das war natürlich ein Erlebnis, ich war ja erst 22 – 23.

Rampensau

Ich komme von der Tanzfläche und habe das dann immer gut mit meiner Performance verbunden. Mein Tanz, meine Performance, mein Look und das Ganze, das wollte ich ja auch eigentlich immer, und es hat auch wahnsinnigen Spaß gemacht. Bis es dann halt zu dem Punkt kam, als ich dachte: ‚ok, das war es‘. Es gab danach aber noch mal ein Album mit Ariola BMG „Ask Yourself“, das ein bisschen gefloppt ist, da es keinen Top10-Hit beinhaltete. Ich hatte einiges ausprobiert mit meinen Studienkollegen und Musikern, aber die ganze Zeit war immer dieser Druck von der Plattenfirma spürbar. Als sich dann seitens Ariola BMG die Fragen häuften, ob wir das Ganze nicht etwas kommerzieller machen könnten, war ich draußen. Ende 1989 habe ich mir mein eigenes Midistudio aufgebaut und selbst angefangen, Musik zu machen und zu basteln. Zu dieser Zeit lernte ich dann auch Matthias Hoffmann kennen.

sven_at_the_omen_club_1992OMEN

Es war Ende 1988, als ich das Omen aufgemacht habe mit Matthias Martinson und Michael Münzing. Das war genau zu der Zeit, als ich im Dorian Gray gekündigt hatte. Ich habe dort von 1986 bist Anfang 1988 im großen Club gespielt, und das war auch immer mein Traum gewesen, das Dorian Gray zu übernehmen. Die Zeit dort hat mich musikalisch verändert. Ich bin stark in die Industrial Ecke mit dem ganzen Belgien Sound wie Cassandra Complex oder Front 242 gerutscht. Da ist dann eine richtige Szene daraus erwachsen, aber diese war sehr düster. Ich habe zwar dennoch meine Sets zu der Zeit sehr variiert und die ersten Housetunes mit eingebaut, Liz Torres, Wax Tracks und Jack Master und diese Geschichten. Aber dann zu später Stunde wurde es immer härter, düsterer und ja irgendwann war es dann wirklich so, dass ich fast nur noch Jungs auf dem Dancefloor hatte. Nur noch Jungs in Doc Martens, die ordentlich gepogt habe. Da dachte ich mir dann auch, das ist jetzt ein bisschen too much für den Laden. Dann bot sich mir die Möglichkeit, das Vogue zu übernehmen, etwas Neues zu machen. Etwas Eigenes. Es war nicht einfach für mich, diese Entscheidung zu treffen aber ich habe dem Dorian Gray gesagt, dass ich jetzt meine eigenen Wege gehe und aufhöre. Ich habe dann lange Pause gemacht, um das Projekt Omen zu planen, das wir dann auch im Oktober 1988 aufgemacht haben. Das Opening war dann auch gleich ein Statement von mir mit N.W.A., Public Enemy, Neneh Cherry, Les Rita Mitsouko und Matt Bianco. House und Acid House dazu, dass war so meine erste Mischung, um auch den Leuten klar zu signalisieren, hier läuft kein Gray-Sound. Nach einem halben Jahr hat es mir so unter den Fingernägeln gejuckt, dass ich zu Michael und Matthias gesagt habe, „wir machen jetzt Strictly House und Techno“. Ich habe dann alleine den Freitagabend übernommen und diesen unter das Motto „Lets sweat keep your body wet“. Ich habe kleine Flyer gedruckt und bin damit durch die Stadt gelaufen und habe die Leute persönlich eingeladen.

Das Omen war ja neben dem Tresor eine Art Wallfahrtsstätte. Mehrere Stunden Anfahrt waren normal und wenn man nicht reingekommen ist, hat man es nochmal probiert. Und so war es genau richtig für mich, ich habe es mir ja gewünscht gehabt, dass es sich dahingehend entwickelt. Es kam ja dann auch mein erstes Soloalbum, das ich mit Ralf Hildenbeutel produziert hatte. Zu der Zeit wurde auch Harthouse und Barbarella gegründet. Das war eine Wahnsinnszeit damals. Die Loveparade, das Omen, die eigenen Labels, der ganze Nachwuchs, der da auf einmal am Start war auch aus NRW, auf einmal standen da Hardfloor, Oliver Bondzio sagte mir auf einer Barbarella Party im Kölner Yokoto: „Hör dir mal das Tape an.“ Und auf einmal habe ich überall Tapes bekommen. Die Leute sind ins Omen gerannt und haben gesagt hier, Tapes, Tapes. Marco Zaffarano und Resistance D, unmöglich, sie jetzt alle aufzuzählen. Es hat einfach gepasst: Der richtige Ort, die richtige Zeit und die richtige Musik. Zu dieser Zeit begann ich auch mit meinen Indienreisen und habe dort echt viel Zeit verbracht und mit einer Freundin dort ein Haus geteilt. Ursprünglich wollte ich dort für mich sein, ein paar Fragen für mich klären und das Land entdecken. Allerdings lernte ich in Goa auch totale Freaks kennen, die auf diesem sogenannten Goa Sound herumgeritten sind. Ich habe mich gefragt, was meinen die denn jetzt eigentlich, das ist doch ‚Frankfurt Sound‘, das kommt aus dem Omen. Unsere Musik lief dort und alle sagten, das ist Goa Musik. Aber in der Tat gab es da diesen Psychedelic Trance Sound von Koxbox über Roger Rham und Total Eclipse und wie sie alle hießen – das Ganze war für mich auch echt inspirierend. Als ich zurück aus Indien kam, habe ich zuerst einmal das ganze Omen umdekorieren und neu streichen lassen. Das Omen wurde zu meinem Tempel. Mein Geschäftsführer Rabbi meinte immer: “Sven, was machst du, was machst du.“ Ich habe mich zu dieser Zeit aber auch als Rebell gefühlt, wir haben für etwas gekämpft und ich habe gespürt, da kommt etwas Neues, Großes auf uns zu. Und da habe ich natürlich maßgeblich meine Hand dran gehabt und mitgestaltet. Mit OFF und mit der Loveparade, es wurde immer konsequenter, auch vom Sound gab keine Kompromisse mehr.

sven-vathLoveparade

Anfangs fand ich die Loveparade großartig. Meine Loveparade waren die Anfänge auf dem Ku’damm. Aber auch die Paraden auf der Straße des 17. Juni zur Siegessäule hin, hatten ihren besonderen Reiz. Der , an den ich mich immer wieder gern zurückerinnere, war die Abschlusskundgebung 1999. Da bin ich noch vom Frankfurt-Truck herunter gesprungen, habe mich mit meiner kleinen Plattentasche für das 15 Minuten-Set durchgekämpft zur Siegessäule, raste die Treppen hoch, stand auf der Bühne und blickte auf 1.3 Millionen Menschen. Da dachte ich, was geht denn hier ab. Als ich dann „Knights Of The Jaguar“ von Rolando gespielt habe, war es ein magischer Augenblick, an den ich mich immer wieder gern zurückerinnere.
Aber Anfang 2000, als ich mich mit einem Statement von dem Ganzen getrennt habe, war es nicht mehr meins. Die ganze Kommerzialisierung, die Startgebühr für die Wagen und die Ungewissheit, wohin die ganzen Gelder der Sponsoren und der CDs flossen, das hat mich dann irgendwann echt aufgeregt. Schade war es mit dem sonntäglichen Tresor Park, denn zu Dimitri Hegemann hatte ich immer ein gutes Verhältnis. Das mit dem Tresor Park sonntags hatte sich so ergeben, dass ich in einem Jahr von Samstag auf Sonntag im Schwimmbad aufgelegt habe und da das Ganze so ein großer Erfolg war, haben wir sonntags noch in dem Park des Schwimmbades bis 12 Uhr mittags gespielt. Da wir das dann das Jahr darauf nicht wiederholen konnten, bot mir Dimi an: „Sven, wenn du Lust hast, machen wir jetzt sonntags Svens Tresor Park.“ Dieses Event war für viele das Highlight am Loveparade-Wochenende.
Leider kam es nie zu einem Dialog mit der Loveparade GmbH. Die haben sich auch nicht in die Karten schauen lassen wollen, was ich irgendwie auch verstehen konnte bei dem Erfolg. Aber die ständig neuen Auflagen bei der Gestaltung der Wagen mit Startgebühr, Sponsoren, das darfst du nicht und das darfst das nicht, das hat mich genervt. Dann ist man auf dem Wagen gewesen und hat aufgelegt und auf einmal fährt Gotthilf Fischer an dir vorbei und direkt dahinter kommt ein Kitkat-Wagen, auf dem gefickt wird – das war dann nichts mehr für mich.

omen94_ffm_1994Harthouse & Eye-Q

Die Labels haben Matthias Hoffmann (A.C. Boutsen / Cygnus X / Brainchild) und ich gegründet, bis dann noch Heinz Roth dazu stieß und die Label Business-seitig betreut hat. Matthias ist ja Studiomusiker, und ich habe das A&Ring gemacht und die ganzen Künstler reingebracht, und daraus haben wir dann eine funktionierende Struktur geschaffen, bis wir ein Office in London hatten und eines in Los Angeles, West Hollywood. Zu der Zeit haben wir ein Album nach dem anderen heraus gehauen, das ging alles total ab: Zyon, Hardfloor, Alter Ego, Koxbox, Pulse, Der Dritte Raum, Spicelab – ich kann sie jetzt alle gar nicht nennen. Wir hatten einen enormen Zulauf. Man kann sagen, dass wir mit Eye-Q den ‚Trance- Sound‘ geprägt haben. Nach vier Jahren haben wir dann da so einen Punkt erreicht, an dem ich gesagt habe, mir reicht das jetzt musikalisch. Wir sollten schauen, dass wir da wieder auf einen anderen Weg kommen, was wir mit Harthouse ja auch die ganze Zeit schon gemacht hatten. Aber es gab einen internen Konflikt, wohin die Reise gehen sollte. Einmal hieß es Berlin, andere bevorzugten Amerika, dann hieß es aber, wir müssten kommerzieller werden. Da war für mich der Punkt erreicht, an dem ich das Thema für mich nicht mehr interessant fand und mich zurückzog. Das war 1997. Aber zu dieser Zeit hatte ich schon wieder einen neuen Gedanken: Cocoon.

Cocoon Part 1

Ich habe mir 1995 eine Vorstellung von La Fura dels Baus im Tempodrom in Berlin angesehen – ein wahnsinniges Aktionstheater aus Katalonien. Die Message der Artisten war, dass sich ständig alles weiterentwickelt und das einzig Beständige der Wandel ist. Das habe ich ganz stark verinnerlicht in diesem Moment und mich darin auch selber gesehen. Ab diesem Zeitpunkt spürte ich keinerlei Angst mehr, Dingen auch abzusagen oder sich von Gewohntem zu trennen und zu sagen, okay das war’s – bis hierhin und nicht weiter. Diese Philosophie hat mich dann lange beschäftigt. Am 30. April gab es dann die erste Cocoon Veranstaltung in Frankfurt auf der Hanauer Landstraße auf dem Brauereigelände der Dortmunder Union. Bei diesem Event habe ich mein ganzes Geld versenkt, das aber mit Würde und geradem Kreuz. Ich war zu dieser Zeit sehr idealistisch und wollte keine Sponsoren dabei haben. Alles sollte einzigartig sein. Aus diesem Grund hatte ich eine Performancegruppe aus England eingeladen, Bühnenbildner in England erstellen lassen, Underworld gebucht, DJ Kudo aus Japan eingeladen, das erste Mal in Europa zu spielen usw. Hell war da, The Advent haben gespielt und Alter Ego. Es war echt outstanding, ein toller Abend, nur hat er eben die Kasse nicht gefüllt. Ich schätze es waren so 1.800 Leute da und wir hätten mindestens 2.500 benötigt. Am Tag danach kam natürlich das große Erwachen, aber das sind genau diese Erfahrungen im Leben, die sein müssen, denn daraus lernt man etwas.
Wir wurden dann noch einmal im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas nach Kopenhagen eingeladen, genau so ein Cocoon Event zu veranstalten. Die Kosten wurden hier übernommen, deswegen hatten wir kein Risiko. Und in München, in der Halleluja-Halle, gab es ein drittes Cocoon-Event. Dann habe ich das Projekt ruhen lassen. Bis zur Schließung des Omen 1998.

Schließung des OMEN – Gründung von Cocoon

Das Omen wurde genau an dem Tag geschlossen, an dem es zehn Jahre zuvor eröffnet wurde. Das Closing war ein dreitägiger Marathon und sehr anstrengend. Danach habe ich mich erst einmal zurückgezogen, um das Ganze emotional zu verarbeiten. Das Label war weg, der Club war zu, und ich habe auch etwas ungesund ausgesehen. Ich war ziemlich durchgerockt aufgrund der ganzen Ereignisse. Allerdings haben mir die Tatsachen, die wir selbst geschaffen haben, auch einen gewissen Freiraum gegeben, mich neu zu sortieren. Im Laufe der Jahre hat mir Ayurveda auch immer wieder dabei geholfen. Ich bin jetzt das zwanzigste Jahr hier (Anm der Red: Parkschlösschen, Traben Trabach), seit 1994. Im Zuge dieser Neuorientierung ist dann dieser Gedanke gereift, wie ich weitermachen wollte. Ich dachte mir: Ich habe im Omen so viele tolle Menschen kennengelernt und zu Kollegen und Freunden gemacht: Richie Hawtin, Marco Carola, Adam Beyer, meine ganzen Frankfurter Jungs von Pascal Feos über Frank Lorber und Toni Rios bis hin zu Anthony Rother und Johannes Heil. Ich hatte also echt einen ganzen Strauss voller Talente und Künstler am Start und wusste nicht, wie ich jetzt – ohne Label und Club – den Kontakt zu ihnen halten konnte. Dann fasste ich den Entschluss, Cocoon zu gründen. als Company, als Booking Agentur und Label und wir machen auch Events. So kam es dann, dass ich das erste Mal Ende 1998, Anfang 1999 meine Geschäfte selbst in die Hand nahm und gesagt habe: so, das mache ich jetzt alleine, ohne Partner, ohne dass mir jemand reinredet, ohne das mir jemand etwas vorgibt.

Sven Väth – der Album-Act

Als Künstler hatte ich meine Alben „Accident In Paradise“ und „The Harlequin, The Robot And The Ballet-Dancer“ herausgebracht. Danach unterschrieb ich einen Vertrag bei Virgin. Ich musste also ins Studio gehen, obwohl es mir nicht immer gepasst hat. Ich bin ein sehr pflichtbewusster Mensch, und auf mich kann man sich verlassen. Wenn ich einen Vertrag unterschreibe, dann liefere ich auch. Dann erschien bei Virgin Records mein drittes Album „Fusion“, das erste Virgin-Album. Danach folgten „Contact“ und „Fire“. Da sich bei mir Ende der 1990er Jahre alles neu zusammengesetzt hat, habe ich mich dann auch von alten musikalischen Partnerschaften gelöst und neue gesucht. Ich bin dann mal mit Roman Flügel ins Studio gegangen oder auch mit Anthony Rother und auch mit Johannes Heil. Dadurch bin ich musikalisch und soundtechnisch neue Wege gegangen, was sehr gut war.
Eine der wenigen Konstanten in meinem Künstler-Leben war Talida, die sehr lange an meiner Seite war. Somit hatte ich da einen Pfundskerl im Office, der sich um das Tagesgeschäft gekümmert hat. Dann kam der Pauli dazu und so weiter. So ist Cocoon dann auch gewachsen. Als wir Cocoon gegründet hatten, begannen wir mit unseren Cocoon Clubbing-Nächten im U60311, bei denen uns die Gäste die Hütte eingerannt sind. Dann bin ich nach Ibiza und habe von Martin Junior das Angebot bekommen, den Montag im Amnesia zu machen. Im Sommer 1999 gab es dort vier Test Ballons und alle Veranstaltungen waren super. Nicht zu vergleichen mit den Zahlen von heute, aber es war ein toller Anfang und ein guter Vibe. Sie haben mir zwar alle den Vogel gezeigt, was ich denn da mache. erschien dann die erste Cocoon-Mix-CD, in diesem Jahr spielte ich meine letzte Love Parade und in Ibiza hatten wir unsere erste volle Saison.

11. September 2001
Kurz vor dem 11. September war ich noch New York und bin noch an den Türmen vorbei gefahren. An diesem Tag selbst war ich gerade mit Roman Flügel zusammen auf der Autobahn in Richtung Darmstadt auf dem Weg ins Studio, und da ist es passiert. Ja, natürlich konnten wir das erst einmal gar nicht fassen, denn es hat sich alles so weit weg angehört, wie so eine Science Fiction-Story. Dann sind wir in eine benachbarte Pizzeria gefahren, in der ein Fernseher stand und dann haben wir uns die Berichterstattung angeschaut, als würden wir jetzt einen Hollywood Film sehen. Es war irgendwie so krass, wir konnten es gar nicht packen. Ja und verständlicher Weise war dann die Stimmung auch erst einmal am Boden. Wir haben es dann auch erst einmal gelassen mit dem Musik machen, und na ja, was danach kam, bis heute, haben wir ja alle erlebt. Es ist ja seitdem auch nicht besser geworden, eher schlimmer. Wenn man an sich so anschaut, wo wir heute stehen, mit Kriegen, wir sind ja eigentlich im dritten Weltkrieg.

Cocoon Part 2 – der Club
2001 habe ich auf Ibiza Nina kennengelernt, meine spätere Frau und schon damals meine große Liebe. Zu der Zeit haben wir Gas gegeben mit Cocoon Recordings, wir haben begonnen, mehr und mehr Cocoon Clubbings zu machen, sind mit dem Konzept auch auf Tour gegangen und dann 2002 festigte sich in mir die Idee, irgendwann den Cocoon Club zu machen. Von diesem Zeitpunkt an habe ich eigentlich nur auf die richtige Gelegenheit gewartet. Und diese ergriff ich , als ich hörte, dass Adi Goldmann plante, das U.F.O.-Gebäude an der Carl-Benz-Straße zu entwickeln. Ich habe ihn gefragt, wie es denn aussieht ob er da noch Platz für einen Club hätte. Danach haben wir die Idee weitergesponnen, wie groß der Club dann sein könnte und so weiter. Nachdem ich ein paar Pläne vom U.F.O.-Gebäude gesehen hatte, bin ich dann los und habe meine Jungs angesprochen; unter anderem Matthias Martinson. Zusammen haben wir dann den Plan des Cocoon Clubs ausgebrütet und 3Deluxe mit ins Boot geholt, die das Ganze hinsichtlich Architektur und Design betreuten. Die Planungen, bevor es das U.F.O.-Gebäude überhaupt hab, dauerten fast zwei Jahre. Wir mussten alles virtuell planen. Eine riesige Aufgabe, aber auch eine der spannendsten meiner Karriere, den Club der Zukunft zu planen. Das hat echt Spaß gemacht, die verwendeten Materialien auszusuchen, die Soundanlage zu optimieren und dann kam auch noch Mario Lohninger mit seinen Restaurants mit ins Objekt, das hat sich dann alles wahnsinnig schön ergeben. Wir sind schon hoch geflogen, und das Resultat war dann natürlich einsame Spitze! Beim Opening war ich ganz schön nervös. Openings mag ich gar nicht so. Ibiza Saison-Openings sind dagegen harmlos. Und da waren ja gleich zwei Restaurants und ein Club und eine Lounge, das war ja alles schon eine ziemlich dicke Nummer. Ja und dann ging´s los.

Ibiza

In den Jahren 2003 bis 2004 hatten wir die Nuss geknackt. Da war es dann tatsächlich so, dass wir die Terrasse selbst übernommen hatten. In den ersten Jahren hatten wir Kooperationspartner für die Terrasse, das M1 aus Stuttgart und den Funky Chicken Club aus Köln. Aber das war nichts Halbes und nichts Ganzes. Nicht eigenständig genug, da der Sound zu sehr Main Room orientiert war. Dann fragte ich Ricardo, ob er sich vorstellen könnte, die Terrasse zu hosten. Ich wollte keinen anderen Veranstalter mehr mit drin haben, alles selbst machen, und das geschah dann auch genau zum richtigen Zeitpunkt, denn „Easy Lee“ erschien und das war so der Moment für Ricardo. Es passte alles perfekt: Techno im großen Floor und auf der Terrasse mehr House. Dann haben auch alle in Ibiza gemerkt, dass die Deutschen jetzt ernst zu nehmen sind. Musikalisch haben wir uns auch etwas getraut und viele DJs eingeladen, die vorher keine große Lust auf Ibiza hatten. Richie zum Beispiel war von Anfang an dabei und vorher ein Ibiza-Nörgler. Aber dann habe ich allen mal mein Ibiza gezeigt und sie von der Insel überzeugen können. Johannes Goller war da auch schon fest mit im Boot und hat alles wirklich super gemanagt und bis heute alles im Griff auf der Insel. Neben dem Amnesia haben wir unsere legendären After-Hour Partys im Cala Jondal oder S’estanyole gefeiert. Ibiza hat sich über die Jahre hinweg immer gut angefühlt, auch die Mix-CDs sind super angekommen. Die Struktur unserer Gäste hat sich jedoch total geändert. Anfänglich sind noch viele Leute aus Deutschland gekommen, heute sind sie gar nicht mehr da, also vielleicht noch ein ganz kleiner prozentualer Anteil. Ich denke, die fahren einfach lieber zum Ballermann. Ich glaube nicht, dass es damit zusammen hängt, dass es viele neue Party-Reihen auf der Insel gibt. Auch wenn Diynamic mit Solomun beispielsweise einen super Job macht. Solomun ist auch sehr und ein guter DJ, er kann mal so spielen und mal so spielen. Aber ich glaube, das hat damit nichts zu tun. Ich glaube, es liegt am Geld, dass Ibiza nicht günstig ist und die Techno- und House-Kultur in Deutschland schrumpft. Die ganze Bewegung ist doch total rückläufig und Deutschland leider auch sehr vermainstreamt im Augenblick durch EDM. Das ist schade, aber es fehlen eben so junge Technogrößen aus Deutschland. Natürlich gibt es Answer Code Request, Rodhad oder Recondite und ihr Sound funktioniert ja, aber das ist dann schon wieder zu sehr Underground. Es ist auf jeden Fall echt schade, dass immer weniger Deutsche auf die Insel kommen. Vielleicht liegt es auch daran, dass die jungen Leute keinen Bock haben auf die Musik zu tanzen, auf die schon ihre Eltern abgegangen sind. Aber wenn ich das dann vergleiche mit Frankreich, Italien, England, Spanien, Holland, Schweiz, da geht es ab mit unserer Musik. Da springen 17-, 18- und 19-jährige herum und flippen total auf diesen Sound aus.

Tomorrowland

Wir sind da ja von Anfang an dabei gewesen und hatten immer unsere eigene Bühne. Natürlich ist das da jetzt auch alles verkauft, aber man muss sagen, die Veranstalter machen einen super Job. Die Gäste bekommen einiges geboten, das Ganze ist ein Erlebnispark für die Erwachsene mit viel Fantasy und tollen Aufbauten. Obwohl es eine große Kirmes ist, haben wir da unseren Platz. An einem Abend spielt der Richie mit Enter und am anderen ich mit Cocoon.
Bis auf Berlin sehe ich in Deutschland kaum Weiterentwicklung. Ich werde auch bald bestimmt mal im Berghain spielen. Aber man muss diesen Hype auch relativieren. war jetzt vor kurzem da. Die Szene lebt dort auch von den ganzen internationalen Gästen und denjenigen, die nach Berlin gezogen sind. Du gehst abends weg und sprichst englisch. Es ist ja nicht so, dass die Berliner Jugend dort den Techno feiert. Aber in London ist das genau so. Fakt ist, das Berghain ist ein Ausnahme-Club weltweit. Ob das an der Türe alles so cool ist weiß ich nicht.

Frankfurt

Wieso ich meinen 50sten Geburtstag nicht in Frankfurt feiere? Also ehrlich gesagt, war mir das nicht wichtig. Ich habe alles gegeben in den letzten Jahren für und in Frankfurt, aber nicht umsonst bin ich nach London gezogen. Deswegen Mannheim und Cosmopop: Ich verbinde mit der Time Warp sehr viel Schönes, was meine ganze Laufbahn angeht. Die Time Warp ist für mich seit jeher das Aushängeschild für qualitativ hochwertige, deutsche Ausgeh- und Veranstaltungskultur. Kein Wunder, dass sie jetzt auch in New York und Buenos Aires stattfindet, nachdem sie ja schon regelmäßig in Holland und in Italien war. Zuerst wollte ich meinen Geburtstag im kleinen Rahmen mit Freunden und der Familie feiern. Aber dann dachte ich, nein, ich muss das schon in Deutschland und im großen Rahmen machen, das gehört hierher. Und das Vertrauen in die Umsetzung bringe ich nur Steffen und Robin entgegen.

London

Mein Office ist nach wie vor in Frankfurt, und ich werde jetzt noch eins in Berlin aufmachen, aber London ist super geil. habe noch überlegt ob Berlin oder London. Aber London ist letzten Endes die größere Weltstadt für mich und hat sich so toll entwickelt in den vergangenen zehn Jahren. No Limit was Kunst angeht, was man dort für Menschen trifft, Kontakte, die man knüpfen kann. Ob Mode, Fashion oder andere Trends, die dort aufgeschnappt werden. Ich lerne diese Stadt jetzt erst richtig kennen. Sonst war das ja immer ein schnelles Rein und wieder Raus, aber jetzt ist das etwas ganz anderes, und ich liebe es. Es war der richtige Schritt für mich. Da kommt noch mal ein ganz neuer Wind rein.

väth_portraitDie nächsten 50 Jahre

Ich habe noch viele Sachen in der Pipeline. Mein Move nach Berlin wird nochmal was Spezielles werden, aber das Ganze ist noch nicht spruchreif. Dann werde ich mich nach wie vor auf Cocoon konzentrieren. Ich habe jetzt die Company als Brand geschärft, indem ich mich auf den Kern besinne, Musik und Events und nicht mehr um die Künstlerbetreung, was wir auch über Jahre mit Cocoon-Booking gemacht haben. Das ist jetzt eigenständig. Es gibt eine eigene Booking-Agentur, das ist die Flash Artist Booking unter dem Dach vom Cocoon. Ich werde auf jeden Fall mein Liebstes die nächsten Jahre genauso ausüben wie zu vor. Ich möchte viel Zeit mit meinem kleinen Sohn verbringen. Tiga ist jetzt vier. Buch, Dokumentation, Film, ich habe so viele Angebote, dass ich noch gar nicht weiß, für was ich mich entscheiden werde. Irgendwas wird es irgendwann werden.
Einen Club kann man immer machen, aber ich weiß nicht, ob ich noch mal einen Club machen muss. Na ja, ich war schon enttäuscht, wie es mit dem Cocoon Club zu Ende gegangen ist. Ich war enttäuscht von der Region und von der Szene auch ein bisschen, aber ich weiß, es war auch unserem Standort geschuldet. Mit dem hohen Anspruch den wir hatten, war das einfach nicht mehr zu realisieren. Der Club lief ja aber die ganze Zeit gut, aber das Gesamtpaket mit den Restaurants war in Schieflage geraten. Ja und dann wollten wir einen sauberen Schlussstrich ziehen. Wir hatten super 8,5 Jahre gehabt und Auszeichnungen, wie den Design Award Deutschlands, Michelin Stern für das Restaurant. Das Ende war war bitter, aber so ist das nun mal, aber es geht immer weiter. Ich glaube auch, dass ich gestärkt aus dem Ganzen heraus gegangen bin. Ich konnte mich wieder auf andere Dinge konzentrieren. Aber jetzt nochmal einen Club zu machen, mir reicht eigentlich das auf Ibiza.

Kommende Cocoon Acts

Ricardo Tobar finde ich unwahrscheinlich stark, das ist ein super Künstler und mit dem könnte ich mir was vorstellen. Ten Walls zum Beispiel hat einen guten Live Act hingelegt. Ja, da gibt es einige, die ich beobachte an jungen DJs, aber die Cocoon Label Arbeit macht jetzt ganz der Edgar. Der macht das echt super. Allerdings weiß man ja auch – spätestens seit der „Coming Home“-Zusammenstellung, dass ich auch ganz andere musikalische Interessen habe. Ich bin ein großer Big Band- und Piano-Fan, gerade von Nils Frahm. Ich könnte mir auch vorstellen, dass noch ein bisschen weiter auszubauen. „Coming Home“ kam auch echt gut an.

In Bezug auf Ibiza-Mottos. Wir sind nicht müde. Ich war der Mottos überdrüssig. Ich fand einfach, das ist out. Die Party selbst muss wieder in den Mittelpunkt. Es war aber mehr ein neuer Aufbruch als Müdigkeit. Wieder etwas Neues. Seit vier Jahren war das nun unsere beste Saison. Es gibt einen Irrsinn an Partys, beinahe erschreckend. Aber wir dachten, okay, macht ihr nur alle, wir konzentrieren uns auf das, was wir am besten können, geile Partys und hin und wieder auch mal eine geile Afterhour. Nicht nach links und rechts geschaut und das war genau richtig so, das ist Cocoon Ibiza. Wir hatten eine super Saison im Jubiläumsjahr. Beim Closing habe ich 19 Stunden aufgelegt, 7,5 Stunden im Amnesia, dann noch 12 Stunden im Destino von 12-12. Hat Mega Spaß gemacht. Nur zwei Plattenspieler und ein Mixer, thats it. Improvisiert und gefühlt mit dem Herzen. Die Leute haben das gespürt. Wir hatten 12.000 Leute am Montag und Dienstag zusammen genommen mit der Afterhour. Das war der Wahnsinn, alles war positiv und alle haben gelacht. Schöne und tolle Leute waren da, also nicht nur so Jungs auf dem Dancefloor….
Es gibt keine Müdigkeit, ganz und gar nicht. Es geht immer weiter.

 

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Text: Julian Haussmann & Sven Schäfer
Bilder: Daniel Woeller