500-mal stärker als Heroin: Neue Droge könnte sich auch in Deutschland ausbreiten

Tallinn
Estland wappnet sich gegen ein neues synthetisches Opioid.

Kaum scheint eine Drogenkrise überwunden, steht bereits die nächste vor der Tür. In Estland bereitet den Behörden derzeit eine neue Substanz große Sorgen: sogenannte Nitazene. Diese synthetischen Opioide können je nach Variante bis zu 500-mal stärker wirken als Heroin und gelten als extrem gefährlich. Die Folge ist ein deutlicher Anstieg der Drogentoten – und die Sorge, dass sich die Entwicklung auf weitere europäische Länder ausweiten könnte.

500-mal stärker als Heroin – das klingt fast wie ein übertriebener Werbeslogan für ein Produkt, das eigentlich niemand haben möchte. Doch genau diese enorme Wirkstärke macht Nitazene so gefährlich. Schon winzige Mengen können eine tödliche Überdosis auslösen. Besonders tückisch ist dabei, dass Betroffene häufig gar nicht wissen, welche Substanz sie tatsächlich konsumieren. Was für Heroin gehalten wird, kann in Wahrheit ein hochpotentes synthetisches Opioid sein.

Estland kennt sich mit solchen Problemen leider aus. Das baltische Land hatte bereits vor Jahren massiv mit Fentanyl zu kämpfen und galt zeitweise als eines der am stärksten betroffenen Länder Europas. Nachdem diese Krise weitgehend eingedämmt werden konnte, taucht nun mit Nitazenen der nächste hochgefährliche Stoff auf. Für Fachleute ist Estland deshalb so etwas wie ein Frühwarnsystem. Was dort heute passiert, könnte morgen auch andere Länder betreffen.

Man muss den Herstellern dieser Substanzen eines lassen – an Kreativität mangelt es ihnen offenbar nicht. Während andere an neuen Smartphone-Modellen oder Elektroautos tüfteln, entwickeln illegale Labore immer neue Drogen, die noch stärker und noch gefährlicher sind als ihre Vorgänger. Innovation ist eben nicht automatisch etwas Positives.

Für Konsumenten bedeutet diese Entwicklung ein enormes Risiko. Je stärker eine Droge wirkt, desto kleiner wird der Abstand zwischen der gewünschten Wirkung und einer lebensgefährlichen Überdosis. Das macht Nitazene zu einer der gefährlichsten Substanzen, die derzeit auf dem illegalen Drogenmarkt kursieren.

Auch wenn Nitazene in Deutschland bislang keine vergleichbare Rolle spielen wie in Estland, beobachten Behörden und Suchtexperten die Entwicklung aufmerksam. Die Erfahrungen mit Fentanyl in Nordamerika haben gezeigt, wie schnell sich synthetische Opioide verbreiten und welche verheerenden Folgen sie haben können.

Die Geschichte aus Estland ist deshalb weit mehr als nur eine außergewöhnliche Nachricht aus dem Ausland. Sie zeigt, wie rasant sich der illegale Drogenmarkt verändert und wie gefährlich neue Substanzen werden können. Manche Trends sollte Europa besser gar nicht erst übernehmen.

Quelle: tagesspiegel.de

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