Es war vor ziemlich genau drei Jahren, als Guido Minisky und Hervé Carvalho alias Acid Arab mit „Musique De France“ ihr Debütalbum veröffentlichten. Von Kritikern und Hörern gleichermaßen bejubelt, führte sie das Werk anschließend in über 50 Länder auf vier Kontinenten zu über 260 Live- und DJ-Shows. Ein gelungener Einstand. Nun folgt mit „Jdid“ der zweite Langspieler: Er vertieft den Dialog zwischen den nördlichen, südlichen und östlichen Teilen des Mittelmeers, wobei die nördlichen Ausläufer hier bis zur Seine, der Themse, der Spree und dem Hudson River reichen. Entstanden ist das von cluborientierten Beats geprägte Album im bandeigenen Studio in Paris. „Jdid“, was aus dem Arabischen übersetzt „neu“ bedeutet, erscheint am 18. Oktober auf Crammed Discs.


Der Keyboarder Kenzi Bourras, der Acid Arab ursprünglich nur bei Live-Shows unterstützte, ist mittlerweile zum vollwertigen Bandmitglied geworden; seine algerischen Wurzeln spielten eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung der neuen Stücke, von denen manche retrofuturistische Ansätze von Raï-Musik zeigen. Für die Musiker-Combo ist diese Veröffentlichung die logische Fortsetzung des Erstlingswerks. „Wir fühlen uns sicherer in Bezug auf unsere Produktion, auf unser Projekt, auf dieses Konzept, verschiedene Kulturen in unsere Musik zu integrieren. Kenzi an Bord zu haben, erlaubte es uns auch, präziser in unserem Ansatz der arabischen Musik zu sein und uns freier auf Techno und House zu konzentrieren“, erzählt Minisky. Auf den insgesamt elf Titeln gibt es zahlreiche Kollaborationen mit Künstlern aus Nordafrika sowie dem Nahen Osten. „Wir haben viele großartige Sänger und Musiker gefragt, ob sie mit uns an einem Track zusammenarbeiten möchten, und sie alle haben freundlicherweise zugesagt. Einige von ihnen waren alte Bekannte, so zum Beispiel Cem Yildiz, Rizan Said und Sofiane Saidi, die bereits auf unserem ersten Album vertreten waren. Die drei algerischen Sänger waren alle Freunde von Kenzi. Ammar 808 und Les Filles De Illighadad sind Künstler, die wir verehren. Hinter jedem Song steckt eine andere Geschichte: Mal tauschten wir Ideen und Musik über das Internet aus, mal kamen sie in unser Studio nach Paris. Wir haben dabei immer versucht, dem Universum des jeweiligen Gastmusikers ein Stück weit näher zu kommen und dieses mit unserem Sound zu vereinen.“

Acid Arab verstehen sich dabei mehr als Kollektiv statt als Band. Daher trägt auch jeder etwas anderes zum Ganzen bei. „Während der eine Tage damit verbringt, ausländische Künstler nach Paris kommen zu lassen, damit wir in unserem Studio gemeinsam produzieren können, arbeitet der andere an aktuellen Produktionen oder editiert“, so Carvalho. In Sachen Tools arbeitet das vom Duo zum Trio avancierte Projekt meist mit Cubase. „Allerdings haben wir bei diesem Album auch sehr auf die Maschine von Native Instruments gesetzt. Auch lieben wir Hardware und sammeln sogar analoge Synths. Auf ,Jdid’ zu hören sind unter anderem TB 303, 808, 909 und System 100 von Roland, der Prophet 5 von Sequential Circuit, der Memory Moog, die Analog Rytm MKII Drum Machine und einige Effekte wie Ursa Major Space Station oder Otos Bim Bam Boum.“

Für den Rest des Jahres stehen zahlreiche Shows an, darunter Auftritte beim Sonár in Athen, Transmusicales in Rennes, Elysée-Montmartre in Paris sowie Touren durch Indien, Südamerika und wahrscheinlich sogar Algerien. In Deutschland trifft man Acid Arab am 15. November im Gretchen Club in Berlin und am nächsten Tag in Mannheim.

Aus dem FAZEmag 092/10.2019
Text: Triple P
Bild: Philippe Levy
Web: www.facebook.com/acidarab