Die Welt der Digital Audio Workstations (DAW) kann manchmal sehr unübersichtlich sein. Einschlägige Software wie Avid Pro Tools, Magix Acid Pro, Apple Logic, Reaper oder Ableton Live haben meistens mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede – womöglich würde eine Einteilung in Kernkompetenzen noch am meisten Sinn machen. Im Falle von Magix Acid Pro liegt diese in der kreativen Verarbeitung und Manipulation von Audiomaterial. Ich habe mir die neunte Version etwas genauer angesehen.


Aufbau & Workflow
Nach dem Start erwartet mich eine angenehme Benutzeroberfläche, die das Auge auch bei langen Sessions schont. Das Hauptfenster wird durch die Timeline beansprucht, darunter befindet sich der File-Browser und der Mixer. Die ganze Oberfläche lässt sich sehr flexibel einteilen, was man auch daran merkt, dass sich die Piano-Roll einer Midi-Spur beliebig groß aufziehen lässt. Nach meinem ersten Arrangement war ich sehr erfreut, wie einfach man Ausschnitte des Projekts in Sektionen unterteilen und farblich hervorheben kann. So verschafft man sich einen guten Überblick über den Song und kann einzelne Parts nach Belieben tauschen oder doppeln. Darüber hinaus sind Shortcuts für die Tastatur frei wählbar, um sich so einen individuellen Workflow einzurichten.

Kernkompetenz
Im Lieferumfang ist die neun Gigabyte große Library von ACIDized-Loops enthalten, die wirklich alle Genres und Instrumentierung umfasst, und natürlich noch in allen gängigen Online-Stores erweitert werden kann. Der Workflow mit diesem File-Format sieht so aus, dass man in der Timeline Marker erzeugen kann, in denen die globale Tonart, Tempo oder Takt eingestellt werden, genau die Informationen, die auch in den ACID-Loops gespeichert sind. Diese Marker bewirken, dass alle Samples, die in der eingestellten Region abgespielt werden, nun Beat-synchron und in der gleichen Tonart abgespielt werden. Einfacher geht’s kaum! Das „Beatmapper“-Tool analysiert darüber hinaus alle sonstigen Samples nach Transienten, Pitch und Tempo, damit sich jedes Sample einfach in den Track einfügen lässt. Der neue Algorithmus von Zplane Elastique hört sich auch bei extremen Timestretching-Actions sehr transparent und klar an – ein riesiger Pluspukt. Workflow-Tipp: beim manuellen Pitchen der Samples einfach + oder – auf der Tastatur benutzen!

Ein weiteres Tool zum kreativen Manipulieren von Audiomaterial sind die Grooves: Da die Transienten der ACID-Loops in den Files gespeichert sind, kann man nun Grooves benutzen, um z.B. eine straighte Achtel-Hihat zum Swingen zu bringen. Auch kann man Grooves aus Audiodateien exportieren und auf andere Samples anwenden. Eine Neuerung in Version 9 ist der „MIDI Playable Chopper“, mit dem man Samples splitten und auf seinem Keyboard abspielen kann, ähnlich wie bei einer MPC. In der deutlich teureren Software ACID Pro Next ist außerdem ein Audioseparation-Tool von Zplane integriert, mit dem man aus ganzen Tracks Stems extrahieren kann.

Soundwelten
Was manch andere DAW nicht anbietet, sind Clip-Effekte: Jeder einzelne Clip kann hier mit individuellen Effekten bearbeitet werden. Neben VST3-Support verfügt ACID über eine Vielzahl an eigenen Effekten und Instrumenten. Neu sind die elf gelungenen Basic-Effekte (unter anderem Gate, Kompressor, Reverb, Delay, Chorus/Flanger und Limiter) der EssentialsFX-Suite, die eine gute Basis für den Mixdown bilden. Auch an Bord sind zwei neue virtuelle Synthesizer: Vita Lead Synths und der Analog Synths 2, der mit sehr warmen Sounds überzeugt und mit dem sich alle klassischen Synth-Patches programmieren lassen. Im Test war ich überrascht von der Qualität der mitgelieferten Sample-Instrumente, die zwar nicht ganz mit hochpreisigen Libraries von spezialisierten Drittanbietern mithalten können, aber doch über dem DAW-Library-Durchschnitt liegen.

Fazit
Ich bin im Test vor allem auf die neuen Features in Version 9 eingegangen – natürlich ginge da noch viel mehr: Surround-Panning, 24Bit/192kHz-Verarbeitung, MIDI-Editing oder Master-Effekte. Viele dieser Funktionen sind in anderen DAWs fast identisch oder etwas besser umgesetzt. Mir erscheint ACID als sehr intuitive Produktionssuite für Beatmaker und Produzenten elektronischer Musik. Es hat mich erstaunt, wie schnell man professionelle Ergebnisse realisieren kann, sodass man ACID auch als Anhänger etablierter DAWs auschecken sollte. Der Preis beläuft sich auf 149 EUR inkl. MwSt., was deutlich unter Ableton, Logic Pro X, Cubase und Pro Tools rangiert.

Text: Bastian Gies
Preis: 149 EUR
www.magix.com