Angefangen hat alles mit seiner Liebe zum schwarzen Gold, eine unbeschreibliche Faszination zum Medium Vinyl. Ende der 80er fand Adalberto alias Fatjack als kleiner Junge einige alte Schallplatten in einem Entsorgungscontainer und war sofort fasziniert von den Scheiben. Ohne einen Plattenspieler zu besitzen. Mittlerweile leitet er die bekannten Acidlabel Acidicted und Automatik-Datamatik. Im Rahmen unserer Themenwoche haben wir ein Interview mit ihm geführt.

Was war dein erster Kontakt zu elektronischer Musik?
Als ich dann doch einen Plattenspieler hingestellt bekommen habe – verballerte ich die paar Kröten, die ich hatte, immer auf dem Flohmarkt. Von Disco über Krautrock und minimal Elektronik der 70er und 80er brachte ich alles mit, was ich in die Finger bekommen habe und alles was interessant aussah. Irgendwann brachte ich 2 LPs mit nach Hause: MC Hammer „Please Hammer Don’t Hurt Em“ und Fast Eddie „Most Wanted“. Ab da war mir D.J. International ein Begriff und ich kaufte alle D.J. International 12inches, die ich in die Finger bekam. Aber auch US-Disco, Electro und Italo hatten es mir angetan. Ich nahm wirklich alles in Form von Blindkäufen mit, was Maxisingle war und nach Import aussah. Die Importe aus den Staaten oder Italien tauchten aber nicht oft auf. Zum Glück hat damals das Zeug die ganzen, mit Taschenlampen bewaffneten, Krautrock-Geier nicht interessiert, so dass die Wahrscheinlichkeit recht groß war, jedes mal auch etwas vom Flohmarkt mitzubringen.
Die Plattensammlung wuchs und auch das Interesse an elektronischer Tanzmusik, so dass ich auch regelmäßig in die lokalen Plattenläden ging, die neuen Stuff angeboten haben. Ich kaufte da aber eher House, Detroit Electro und Techno. Eddies „Acid Thunder“ oder Phortunes „Can You Feel The Bass“, war eher der Sound der mir zusagte. Zu der Zeit waren es aber einfach nur gute Platten im Regal, nichts was mich zu der Zeit irgendwie offensichtlich beeinflusst hätte.

Ich kaufte mir im Alter von etwa 17 Jahren meinen ersten Synthesizer  – einen KORG Polysix. Ab da war die Faszination für Sounds & Synthesizer in mir erweckt und ich steckte jede müde Mark, die ich mir als Schüler erarbeiten konnte, in analoge Hardware. Ich erwarb eine TR-808 und produzierte in den ersten Jahren aber erst Electro. Musik trat aber für einen gewissen Zeitraum in den Hintergrund, da ich viel damit beschäftigt war mir ein kleines Studio aufzubauen. Ich wollte wissen welcher Sound mit welchem Synthesizer erzeugt werden konnte, so landete ich auch schließlich bei der TB-303. Nachdem die Silberkiste eine Zeit lang hoch auf meiner Wunschliste stand, kaufte ich das Ding….und war auch schnell wieder bei den alten Scheiben angelangt, die ich von früher noch kannte – und dem Sound, der dann auch einen Namen hatte: ACID!

Was fasziniert dich an dieser Musik so sehr? Gab es eine Art Auslöser oder Schlüsselsituation? Vorbild?
Acid an sich hat mich nicht besonders gereizt, teilweise fand ich furchtbar was aus Europa und Deutschland kam. Die Chicago Scheiben, die ich hatte, fand ich sehr gut da sie einen ganz anderen Flow hatten. Der Sound war zwar der Gleiche – aber die Art und Weise, wie die 303 programmiert wurde, war komplett anders! Die 303 allein macht keinen guten Acid Track aus. Auch der Sound bzw. Klang ist an sich nicht besonders spektakulär – aber das Zusammenspiel aus dem internen Sequencer und der Möglichkeit Akzente und Slides zu setzen, machen die Kiste mit seinem Filter lebendig! Somit tritt für mich vielmehr die 303, samt Ihren Möglichkeiten, in den Vordergrund und nicht eine bestimmte Scheibe oder ein bestimmter Künstler von damals.
Der Auslöser für mich ist daher wirklich die TB-303. Es ist die Maschine, die mich fordert und mir auch die Möglichkeit bietet etwas unerwartetes auszuspucken…nach dem Motto: „looking for the perfect flow“….Der Sound der 303 steht für sich, wie man Ihn verpackt ist eine andere Sache – nichts desto trotz hat man als DJ und Musiker Vorlieben. So arbeite ich bei Acid-House Trax gerne sehr reduziert. Im Einsatz kommen dann die TB, ein Drumcomputer und ein Synthesizer für Leads und Flächen. Ich arbeite dann zwar nur mit wenigen Mitteln, lege aber großen Wert auf einen guten Flow. Eine groovende Sequenz und harmonische Flächen bilden im Zusammenspiel mit Vocals, die Basis für einen Track, der von der Machart sehr den frühen Chicago Acid-House Produktionen ähnelt.

Warum hast du dann Acidicted gegründet? Erkläre uns dein Konzept?
Ab etwa 2000 habe ich mich musikalisch immer wieder ausprobiert. Die Geräte die ich hatte gaben mir die Möglichkeit meine musikalischen Vorlieben einfach mal zu verwirklichen. Egal ob Electro, House, Acid oder Wave bzw. Minimal Synth. Ich produzierte konzeptionell in den folgenden Jahren ab 2000 diverse Tracks, die ich zusammenstellte. Da ich nie wirklich Lust hatte Demos zu verschicken und es mir tierisch auf die Nerven ging, wenn Labels angefangen haben Tracks zu selektieren und komplette EPs auseinander zu pflücken, habe ich beschlossen mein eigenes Label zu gründen und keine Demos mehr zu versenden. Ich startete 2008 mit Automatik-Datamatik. Dieses Label wurde zur Homebase, für meine musikalischen Experimente. Mir war es egal, ob und wie sich ein Release verkauft. Wichtig für mich war, dass ich meinen eigenen Stuff auf Vinyl spielen konnte – in der Aufmachung und mit dem Artwork, welches in meinen Augen ein stimmiges Bild ergab. Demnach musste ich mich musikalisch auf nichts festlegen, nahm den Vertrieb selbst in die Hand und veröffentlichte alles, worauf ich Lust hatte, bzw. bereits in den Jahren zuvor produziert hatte. Die Releases limitierte ich alle auf etwa 66 bis 99 Kopien. Das minimierte meinen Arbeitsaufwand und ich konnte in kurzer Zeit etwa 9 Konzept-EPs heraus bringen. Mit dabei waren 2 Releases, die für mich später eine viel höhere Gewichtung erlangt haben, als ich ursprünglich gedacht habe/hätte. Zum ersten AUDA_gamma (FATJACK „Acidicted“) & AUDA_theta (ADALBERTO „House Party“). Seltsammerweise gab es auf diese beiden Platten eine sehr hohe Resonanz. Nach der Adalberto 12“ wurde ich zugeschüttet mit Mails und Anfragen – doch diese Scheiben waren wie alle zuvor veröffentlichten binnen einigen Tagen ausverkauft. Ein Repress war nie vorgesehen für Automatik-Datamatik (AUDA), somit habe ich beschlossen Acidicted zu starten und beide Platten – die zuvor als einseitige 12inches erschienen waren– nachzupressen und zusammen auf  eine 12“ als ACIDICTED_0.0 zu veröffentlichen.

Das Label erlangte aufgrund meiner Vorliebe zur ROLAND TB-303 schnell einen hohen Stellenwert für mich.  Es geht bei Acidicted aber nicht nur um „ACID“, sondern eher um den gewissen Flow, der aufgrund der Produktionsweise dem nahekommt, was man von frühen House und Acid Platten kennt. Zwar nicht in jedem Track, aber auf jedem Release kommt die TB  zum Einsatz. Manchmal offensichtlich, teils aber auch nicht direkt erkennbar als Subbass versteckt. Sowohl von der Programmierung der 303, als auch der der  Drumcomputer (wie TR-707, TR-808 und TR-909), halte ich es gerne „oldschoolig“. Auf jeden Fall kommen „acid addicts“, die auf „alten Sound“ stehen und zu denen ich mich auch zähle – jedes mal auf ihre Kosten.

Wie bei AUDA, stecke ich viel Arbeit in jeden Release. So gestalte ich für jede Acidicted 12“ die 30x30cm großen Einleger, die ich selbst im Siebdruckverfahren drucke. Auch die Labels der Releases werden von mir von Hand bedruckt. So geht jede Platte durch meine Hände und ich werde jedes Mal ein Teil des Herstellungsprozesses, was für mich persönlich und meine Musik sehr wichtig ist.

 

Du benutzt mehrere Pseudonyme, hast auch mehr als nur ein Label gegründet. Was waren die Beweggründe dafür?
Ursprünglich sollte es bei den Releases auf AUDA, nie um Namen gehen. So entstanden für jeden Release und jedes Konzept eigene Pseudonyme, die zu der Zeit keinerlei Relevanz hatten – Nachfolge EPs waren nicht geplant. Aber da meine musikalischen Vorlieben doch sehr stark auseinander gehen, entstanden neben Aciddicted andere Labels wie Crime City (für dreckigere House bzw. Ghetto-Trax) oder Musique Dilettantique (für Minimal Synth & Wave) und andere. AUDA wird es nach wie vor geben – auch musikalisch wird es keine feste Richtung geben. Da aber aktuell der Fokus auf Acidicted liegt, werde ich AUDA nur 1 Release pro  Jahr spendieren. Mal sehen, vielleicht den nächsten nur auf 55 Kopien limitiert.

Was kommt als nächstes auf Acidicted? Oder andere Tracks auf anderen Labels?
Es ist mir nicht wichtig auf anderen Labels zu erscheinen, daher gebe ich aktuell auch keine Tracks ab – ich werde schnell unzufrieden, wenn ich Sachen aus der Hand gebe. Aus diesem Grund konzentriere mich erst mal auf mein eigenes Zeug. Momentan ist die „Black Labled“ Serie in Planung. Dies werden keine EPs, sondern einzelne Tracks mit DJ-Tool-artigem Bonus sein – wie Drumpattern, Accapellas oder 303 Sequenzen. Die erste 12“ ist aktuell im Presswerk und wird die Acidicted_1.0 FATJACK „Acid Flash“ sein. Im gelben Vinyl erscheint die limitierte Version auf 111 Kopien mit zweifarbigem Siebdruckeinleger. Schwarzes Vinyl wird es wahrscheinlich für Spätzünder im neutralen Holecover ohne Einleger geben.
Nach der aktuell frisch erschienenen Adalberto „Dance Maniac“ EP auf Crime City, wird es dann wohl auch eine neue 12“ für die „Black Labled“-Serie geben.

Deine drei liebsten Acid-Klassiker?
Als DJ spiele ich hauptsächlich altes Zeug – da reduziere ich mich auch nicht auf einen Sound, so gehören frühe Space-Disco, Wave und Electro-Platten genau so in die Tasche wie Italo, Techno und House. Acid ist natürlich immer dabei….und meist dürfen diese drei Kandidaten nicht fehlen:
FARLEY „Jackmaster“ FUNK – THE ACID LIFE
MD III – PERSONAL PROBLEM
PHORTUNE – CAN YOU FEEL THE BASS

 

THEMENWOCHE ACID (KW14/2013)
Einleitung:
Themenwoche Acid
Montag:
Acid – Mysterons Invade The Jackin’ Zone (Soul Jazz)
Dienstag:
THIS IS ACID – Ein silbernes Kästchen verändert die Musikwelt
Mittwoch:
RdioFAZE Playlist #043: Acid!
Verlosung: Forward To The Past Pt. 2 – The Acid Flashback (Poker Flat)

Donnerstag:
Cyclone Analogic TT-303 BassBot – Die Sauer-Sau
Freitag:
Fatjack – Aus Liebe zur TB-303
Samstag:
Steve Bug – 20 Acid-Favoriten von gestern und heute
Sonntag:
FAZE TV Special – Live-Set Stefan Gubatz mit 303 Bassbot, 606 & 707
Acid-Tracks – eure Favoriten!
Verlosung: Acid – Mysterons Invade The Jackin’ Zone

Weitere Artikel zum Thema: 
Forward To The Past 2 – The Acid Flashback (Poker Flat)
Bringmann & Kopetzki’s Wildlife – Acid