Alarmierende Zahlen: Studie untermauert Existenzängste von Berliner Clubs

Foto: Lisa Vlasenko

Berlins Clubs sind weiterhin gut besucht, stehen wirtschaftlich aber zunehmend unter Druck. Das zeigt die Studie „Clubkultur Berlin 2026“ der Clubcommission und der Senatsverwaltung für Wirtschaft. Es ist die erste umfassende Erhebung zur Berliner Clubszene seit 2019.

Besonders deutlich zeigt sich die Veränderung bei den Einnahmen. 2017 stammten rund 60 Prozent der Umsätze aus Gastronomie und Getränken, während Eintrittsgelder 21 Prozent ausmachten. 2025 war der Eintritt mit 59 Prozent die wichtigste Einnahmequelle.

Laut Studie plant das Publikum seine Clubbesuche bewusster, bleibt kürzer und konsumiert weniger Alkohol. Dadurch verliert der Getränkeverkauf an Bedeutung. Die fehlenden Einnahmen müssen zunehmend über Tickets ausgeglichen werden.

Parallel steigen die Kosten. 64 Prozent der befragten Betriebe nennen Personalkosten als größten Belastungsfaktor, 62 Prozent verweisen auf die Betriebskosten. Für 60 Prozent ist außerdem die sinkende Kaufkraft des Publikums ein Problem.

Der wirtschaftliche Druck wirkt sich bereits auf das Programm aus. 85 Prozent der Clubs und Veranstalter geben an, dass sich ihre Veranstaltungsplanung dadurch verändert hat. Gleichzeitig ist die Nachfrage weiterhin vorhanden: 83 Prozent melden eine Auslastung von mindestens 50 Prozent.

Trotz dieser Nachfrage können immer weniger Betriebe kostendeckend arbeiten. 2017 erreichten noch 79 Prozent diesen Zustand, 2025 waren es lediglich 61 Prozent. 95 Prozent der Befragten sehen ohne strukturelle Verbesserungen die langfristige Existenz vieler Clubs gefährdet.

Auch die Frage nach geeigneten Räumen bleibt ungelöst. Nur acht Prozent der Betriebe besitzen ihre Spielstätte selbst. Bei 31 Prozent laufen Miet- oder Pachtverträge über weniger als fünf Jahre.

Besonders stark konzentriert sich die Clubszene auf Gebiete mit hohem Druck auf Immobilien und Flächen. 71 Prozent der erfassten Orte befinden sich in Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Neukölln. 23 Prozent der Befragten erwägen, ihren Betrieb innerhalb der kommenden zwölf Monate aufzugeben.

Die Szene versucht gleichzeitig, auf die veränderten Bedingungen zu reagieren. 62 Prozent haben ihr musikalisches Angebot erweitert, 67 Prozent die Getränkepreise angehoben und 47 Prozent die Eintrittspreise angepasst.

Auch Kooperationen gewinnen an Bedeutung. 55 Prozent der Befragten arbeiten mit anderen Clubs oder Veranstaltungsorten zusammen. Seit 2020 haben nach Kenntnis der Clubcommission mindestens 24 Club- und Kulturstandorte geschlossen, während im gleichen Zeitraum rund 25 neue entstanden sind.

Für Berlin bleibt die Szene dennoch ein relevanter Standortfaktor. Alle befragten Zugezogenen nannten die Clubkultur als einen wichtigen Grund für ihren Umzug in die Hauptstadt.

Die Studie formuliert deshalb mehrere konkrete Handlungsfelder. Dazu gehört die stärkere Nutzung landeseigener Immobilien für Clubkultur. 86 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, entsprechende Flächen systematisch zu öffnen.

Gefordert wird außerdem eine langfristige Förderstruktur, die weniger auf einzelne Projekte ausgerichtet ist. Auch ein sogenanntes Club-Euro-Modell soll geprüft werden. Hinzu kommt der Wunsch, Clubs rechtlich stärker als Kulturstätten anzuerkennen.

Das hätte laut den Studienergebnissen unter anderem Auswirkungen auf Baurecht, Lärmschutz und Fördermöglichkeiten. Ein weiteres Handlungsfeld sind die Arbeitsbedingungen, für die Beratungsangebote zur sozialen Absicherung und Standards für faire Honorare entwickelt werden sollen.

Kai Sachse, Geschäftsführer der Clubcommission und Projektleiter der Studie, fasst die wirtschaftliche Problemlage so zusammen: „Ob die Berliner Clubkultur ihre kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Potenziale auch künftig entfalten kann, entscheidet sich weniger auf dem Dancefloor als bei Fragen von Raum, Finanzierung und Planungssicherheit.“

Auch Marcel Weber, erster Vorsitzender der Clubcommission, verweist auf die Diskrepanz zwischen Auslastung und wirtschaftlicher Situation: „Die Tanzflächen der Berliner Clubs sind voll. Trotzdem wird es für viele Betriebe immer schwieriger, wirtschaftlich nachhaltig zu arbeiten. Genau diese Schieflage macht die Studie sichtbar.“

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