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Andreas Dorau mag man oder man mag ihn eben nicht. Ich gehöre zur ersterer Bevölkerungsgruppe und habe mich natürlich sehr gefreut, als das neue Album plötzlich auf dem Tisch lag. Obwohl – so überraschend war das ganze natürlich doch nicht, denn Herr Dorau feiert dieser Tage seinen 50. Geburtstag, zu dessen Anlass auch noch ein zweites, „Hauptsache Ich“ betiteltes Best-Of-Album erscheint (ebenfalls Bureau B), das natürlich ebenfalls jedem empfohlen werden soll, der mit der immer noch jugendlich nölenden Singstimme des Jubilaren etwas anfangen kann. Aber zurück in die Bibliotheque. Andreas Dorau hat sich mit der „Liga der gewöhnlichen Gentlemen“ eine Band angelacht, die die bisher mal mehr, mal weniger vorherrschende Begleitelektronik seiner Songs vollwertig ersetzt. Da rappelt das Banjo, da tupft der Bass und das Schlagzeug spielt einen Tusch! Und dann geht’s los: Es werden Bücher, Musik und DVDs aus der Bücherei ausgeliehen, Flaschen zurückgegeben, sich über den Ablauf des Monats beschwert, mit dem Taxi gefahren. Sich von der nervigen Frau auf der Party neulich belästigen lassen, die mit ihrem Sternzeichen hausieren ging. Oder vom Hamburger Serienmörder Fritz Honka berichtet, der mit WC-Duftsteinen den Verwesungsgeruch seiner Opfer überdecken wollte. Oder oder oder. Textlich ist Dorau in Höchstform, die schmissige Musik macht das ganze Album zu einer Wucht – und wenn man sich dank bekanntbewährter Akkord- und Melodiefolgen auch immer mal wieder fragt, ob man den Song gerade nicht schon irgendwo mal gehört hat gibt es im letzten Viertel direkt die selbstironische Antwort: „Oh je, oh je, was für ein Klischee – oh je, oh je, ohne jegliche Idee“. Au contraire, mon frere! Hut ab, rundum gelungen! 9/10 Gubot.

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