Als „schwermütig, energetisch, auf dem Weg“ beschreibt Aparde alias Paul Schröder seine Musik im Allgemeinen. Paul ist 33 Jahre alt und hat sein Pseudonym vor ungefähr zehn Jahren gewählt. Damals habe er seinen Künstlernamen mit dem englischen Wort „apart“ assoziiert. Der Name sei für ihn einerseits eine jugendliche, naive Kunstfigur und andererseits ein konstanter Versuch, sich auszudrücken. Nach seinem letzten Album „Hands Rest“, mit dem er einen Exkurs in experimentellere Avantgarde-Popmusik machte, releast er mit „Alliance“ acht Titel in seinem gewohnten Electronica-Sound.

 

Das dritte Werk bringt seine Verletzlichkeit zum Vorschein, ohne dass diese dabei fixiert im Mittelpunkt steht. Paul sei froh und dankbar darüber, dass er dieses Album in der gegenwärtigen Situation überhaupt realisieren konnte. Für den an der Ostsee geborenen Künstler ist das Werk nach eigener Einschätzung wie seine vorherigen „wieder eine Zusammenfassung von allem, was passiert ist, von Eindrücken und Prozessen“. Aparde hat in der Vergangenheit mit verhältnismäßig wenig Künstler*innen gemeinsame Sache gemacht, jedoch arbeitete er schon mit Jan Blomqvist oder Gardens Of God zusammen. Solche Kollaborationen haben „sich irgendwie immer so ergeben“, sagt er uns. „Bei Jan war ich auch eine kurze Zeit lang Drummer und habe ein bisschen an seinen Tracks koproduziert. Mindaugas aka Gardens Of God hat mich direkt für ein Feature nach Vilnius eingeladen.“

Obwohl Aparde ein Soloprojekt ist, hat Paul anfänglich in verschiedenen Bands gespielt und ist „recht schnell ins Bedroom-Producing reingekommen“. Seine früheren Tracks habe er dann mit seinem ersten Laptop produziert. Sein Stil befand sich in einem stetigen Entwicklungsprozess, denn mit dem Ausprobieren unterschiedlicher DAWs habe sich gleichzeitig seine Musik gewandelt: „Erst Ambient, dann zu Electro über Trip Hop und Breakbeats und über Techno zu Electronica, würde ich sagen. Diese Genres haben auch Einfluss auf meine aktuelle Musik.“ Inzwischen produziert Aparde mit einem extensiveren Setup, das sich aus analogen sowie digitalen Komponenten zusammensetzt: „Ich benutze aktuell drei analoge Synthesizer und ein paar Effekt-Pedale sowie MIDI-Controller zum Interagieren mit meiner DAW. Dazu kommen natürlich einige Plug-ins und Mikrofone sowie ein mobiler Rekorder zum Aufnehmen von Stimme, Sounds und Instrumenten.“

Die Pandemie habe seine Musik nicht verändert, jedoch seine Einstellung zu dem, was und wie er es tut. „Ich versuche, jeden Tag auf ein Neues etwas konsequenter und disziplinierter zu werden beziehungsweise zu bleiben.“ Vor allem aus den Medien, die Paul konsumiert, sowie von den engsten Menschen, mit denen er sich umgibt, ziehe er seine musikalische Inspiration, denn „draußen passiert ja nicht mehr viel, obwohl die Ruhe auch sehr schön ist“, erzählt er. Obgleich es aufgrund von Corona momentan immer noch recht ereignislos und fade ist, beschert uns Aparde mit „Alliance“ ein sowohl klanglich als auch technisch beeindruckendes Album, in dem er mit der Kombination aus elektronischen Klängen und seiner warmen, melancholischen Stimme dystopische Klang-Atmosphären erzeugt, die den Hörer auf eine emotionale Reise schicken und tief in Apardes Seele blicken lassen – eine Seele, die mal konfliktreich und aufgewühlt, mal zurückhaltend und feierlich ist. Songs wie „Hole“ oder „Know You“ gewähren intime Einblicke in die Gefühlswelt von Paul Schröder. Treibende Energien entstehen besonders durch „Lined“ und „The Shift“, die laut dem Mecklenburger Musiker Stücke sind, „zu denen man sich bewegt, wenn man einen guten Moment oder eine mentale Krise hat”.

 

 

Aus dem FAZEmag 112/06.2021
Text: Niklas Fust
Foto: Maximilian König
www.soundcloud.com/aparde