Der große Hype um waschechte Boybands ist seit den späten 90er-Jahren – wohl dem natürlichen Lauf der Dinge geschuldet – größtenteils abgeflacht. Umso schöner ist es, dass sich im elektronischen Kosmos drei äußerst erfolgreiche Künstler zusammengefunden haben, um gemeinsame Sache zu machen. Better Lost Than Stupid nennt sich das Trio, bestehend aus Martin Buttrich, Davide Squillace und Matthias Tanzmann. Auf ihrem Debütalbum „Wild Slide“ kombinieren sie Synth-Pop, Electronica, Indie-Rock und Downtempo mit den gewohnt euphorischen Techno-Momenten, für die jeder Einzelne von ihnen bekannt ist. Veröffentlicht wurde das Werk am 13. September via Skint/BMG.

Better Lost Than Stupid

Better Lost Than Stupid – Foto: Andre Pattenden


Und auch wenn die drei Protagonisten zu den besten ihrer jeweiligen Zunft gehören, haben sie sich bereits früh entschieden, mit diesem Projekt Neues zu wagen, erzählt Squillace: „Man mag vielleicht ein paar Ästhetiken im Klang erkennen, aber es ist wirklich ein neuer Weg für uns, und das war der interessante Teil, außerhalb unseres üblichen Bereichs zu arbeiten und neue Klänge zu erforschen. Um dorthin zu gelangen, wohin wir wollen – mehr Indie, mehr Melodie, mehr Experimente –, mussten wir einen bestimmten Weg gehen.“ Die drei sind im vergangenen Jahr während der Produktion wie eine klassische Band vorgegangen, und das zum größten Teil in Buttrichs Studio in Barcelona. Unterstützt wurden sie von engen Freunden und Künstlern wie Jonathan Illel, seines Zeichens Teil von dOP und auch als JAW bekannt, Theo Altieri, Amber Van Day sowie Alex Naza. Gemastert wurde das Album von Bob Ludwig, der bereits für elf Grammys nominiert war. Dabei folgt „Wild Slide“ einer ganzen Reihe von Vorab-Singles. So galt der cluborientierte Track „Inside“, bei dem BLTS mit dem 21-jährigen Briten Chaney aka Theo Altieri kollaborierten, als Vorbote des Albums. Am 14.06.19 folgte „The Sky Is Too Low“ inklusive eines Remixes von Fort Romeau. Ende Juli erschien mit „Back From The Desert“ eine weitere Auskopplung, die mit zahlreichen Indie-Facetten daherkam.

Als DJs haben Better Lost Than Stupid bereits eine lange Liste von Shows gespielt, darunter eine Headline-Show der Miami Winter Music Conference für Arcadia, eine ausverkaufte Headline-Show bei Koko in London, Gigs auf der magischen Insel Ibiza in Clubs wie dem Amnesia oder DC10 sowie in Venues wie dem Razzmatazz in Barcelona oder dem Krystal Club in Rumänien und auf dem BPM Festival – und nicht zuletzt lieferten sie den von ihren Fans äußerst umjubelten BBC Radio 1 Essential Mix. Nach den Aufnahmen des Albums im späten Frühjahr dieses Jahres begann die Combo mit den Proben für ihr Live-Set, mit dem sie Ende Mai im Heart auf Ibiza debütierten, ehe sie im Londoner The Steelyard eine Folge-Show ablieferten. „Wir wollen eine unglaubliche Live-Show produzieren. Sie vereint den Geschmack von uns dreien, hat aber nichts mit dem zu tun, was wir in unserem täglichen Clubleben tun. Wir wollen nicht die Verbindung dazu verlieren, woher wir kommen, und wir wollen die Connection zu unserer Herkunft als DJs aufrechterhalten. Wir gehören zur House- und Techno-Szene. Die Idee ist es, Club-Music neuen Hörern zugänglicher zu machen, aber unsere Wurzeln nicht aus den Augen zu verlieren. Der einzige Unterschied ist, dass Better Lost Than Stupid uns in eine alternative Richtung bringt. Keiner der Tracks wird so klingen wie das, was wir vorher gemacht haben“, so Squillace.

Aus dem FAZEmag 092/10.2019
Text: Triple P
Foto: Andre Pattenden
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