Brandserie in Berliner Clubs – Polizei unter Druck

Mehrere Brände in Berliner Clubs sorgen seit Jahren für Unruhe in der Szene. Vorsatz oder tragischer Zufall? Sicher ist: Das Klima in der Hauptstadt ist rauer geworden – und das ausgerechnet in einer Phase, in der die Clubkultur ohnehin unter der anhaltenden Krise leidet. Die Polizei ermittelt, steht jedoch selbst in der Kritik.

Im Juni gab es einen Großbrand in der Wilden Renate. Im Garten des Clubs brach nachts ein Feuer aus, der Eingangs- sowie der Außenbereich wurden stark zerstört. Zuvor hatte es Anwohnern zufolge Explosionen vor Ort gegeben. Der beliebte Techno-Club bleibt zwar geöffnet, trägt aber einen hohen Schaden davon, der die Location finanziell belastet. Glücklicherweise wurde bei dem Vorfall niemand verletzt. Doch beim Brand in der Renate handelt es sich um keinen Einzelfall. Die letzten Jahre traf es ebenfalls den Sage Club, den Club der Visionäre, Ipse sowie das Bricks. Während es kurz nach dem Feuer in der Renate keine Hinweise auf eine Brandstiftung gab – das Landeskriminalfall ermittelt weiterhin – geht die Polizei mittlerweile in einigen der Fälle von vorsätzlichen Taten aus.

Besonders betroffen: die Georgia Bar. Seit der Eröffnung Ende 2022 war sie schnell zu einem Hotspot geworden. Betreiber und Berliner Türsteher-Legende Frank Künster sagt: „Das Leben in Berlin ist härter geworden, die Straße rauer und brutaler.“ Seine Versicherung geht von Brandstiftung aus, die Polizei habe jedoch „kein großes Interesse“ gezeigt. Trotzdem will er im Herbst wieder eröffnen.

Berliner Clubs als Cash Cows

Die wirtschaftliche Bedeutung der Clubszene ist enorm: Laut einer Studie der Clubcommission erwirtschaften Berliner Clubs jährlich einen dreistelligen Millionenumsatz und sichern zehntausende Arbeitsplätze.

Ein Blick in die jüngere Brandchronik zeigt erschreckende Muster: 2019 der Club der Visionäre, 2020 die Ipse, 2021 der Sage Club. Im Juni 2024 wurde das Bricks nur dank einer Sprinkleranlage vor der Zerstörung bewahrt. In der Wilden Renate hingegen fehlte diese. Viele Szeneclubs setzen auf Holzkonstruktionen – charmant, aber brandanfällig.

Die Polizei sieht keine Serientäter am Werk und erfasst Clubs nicht einmal als eigene Objektkategorie. Ermittlungen verliefen bisher ergebnislos, Tatverdächtige gibt es nicht. Auch Bezirksämter melden keine besonderen Auflagen oder Gespräche mit Betreibern.

Die Clubcommission bewertet die Sicherheitslage dennoch als gut: Alle Mitgliedsclubs verfügten über genehmigte Brandschutzkonzepte und würden regelmäßig kontrolliert. Spekulationen über mögliche Ursachen vermeidet man.

Und die Szene? Sie reagiert mit Trotz. Die Wilde Renate öffnete am Tag nach dem Brand wieder, die Ipse kämpfte mit Spendenaktionen, scheiterte jedoch. Frank Künster bleibt optimistisch: „Wir machen weiter.“

Quelle: Welt

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