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Längentechnisch knüpft Eno hier an seine Airport-Epen an, die auch mal gerne die 20-Minuten-Grenze überschritten haben. Und doch ist der Ambient, den der Erfinder jenes Genres nun auf dem ersten Output seit 2012 präsentiert, wesentlich greifbarer als seine frühen Klanginstallationen geraten. Und das obwohl Struktursprengung immer noch Prämisse ist. Nahezu komplett neu sind hingegen die Gesangpassagen, die im Falle des romantisch interpretierenden Covers von Velvet Undergrounds „I´m Set Free“ für extrem konventionelle Formen sorgen und im Vergleich mit der bisherigen Diskographie nahezu eine unbelichtete Facette von Eno entdecken lassen. Dass sich das Album konzeptionell auch um den ersten Weltkrieg drehen soll, merkt man den vier Aufnahmen allerdings nur mit gezückter Interpretationslupe an. Ein übersolides Ambient-Album, das mit der Frühform von Eno wenig Berührungspunkte aufweist. Trotzdem lässt sich immer noch nicht am Eno-Mythos kratzen, ohne den unendlich viele Pop-Meilensteine nicht das Licht der Welt erblickt hätten. 8/10 Kressmann