Brutale Razzia in queerem Nachtclub: Festnahmen und Demütigungen

Bei einer Polizeirazzia in einem queeren Nachtclub in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku sind Ende Dezember mehr als 100 Menschen festgenommen worden. Das berichtet die LGBTQIA+-Organisation Qıy Vaar! und spricht von einem „brutalen Einsatz“ gegen Besucherinnen und Besucher des Clubs Labyrinth Nightclub.

Demnach trafen Polizeikräfte am 27. Dezember mit Bussen im Stadtzentrum ein und brachten die Anwesenden geschlossen zu einer nahegelegenen Polizeistation. Betroffene berichten, sie hätten zuvor längere Zeit bei Kälte auf der Straße ausharren müssen; mehrere Personen sollen dabei das Bewusstsein verloren haben. Laut Qıy Vaar! seien die Festgenommenen ohne konkrete Begründung zu Drogentests gezwungen worden. Wer sich weigerte, habe mit Gerichtsverfahren rechnen müssen. Zudem hätten Beamte Bestechungsgelder zwischen 50 und 100 Manat verlangt, um eine Freilassung zu ermöglichen.

In der Polizeistation soll es zu körperlicher Gewalt gekommen sein. Zeugen berichten von Verletzungen, Demütigungen und Drohungen, in einem Fall auch von sexueller Gewalt. In einem anonym veröffentlichten Video heißt es, alle 106 Festgenommenen seien gezwungen worden, Wasser aus der Toilette zu trinken. Auch der Umgang mit einer Person während eines epileptischen Anfalls wird als besonders problematisch geschildert.

Die Menschenrechtsorganisation ILGA-Europe äußerte sich ebenfalls besorgt. Man stehe solidarisch an der Seite der LGBTI-Community in Baku und fordere eine unabhängige Untersuchung sowie eine öffentliche Stellungnahme der Behörden.

Zwar sind gleichgeschlechtliche Beziehungen in Azerbaijan seit 2000 entkriminalisiert, dennoch berichten Organisationen seit Jahren von zunehmender Diskriminierung. Bereits im März 2025 warnte ILGA-Europe vor systematischen Polizeimaßnahmen gegen queere Menschen, darunter Festnahmen über Dating-Apps, Razzien und Erpressung.

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