Der 15.02.2013 – ein Datum, das der Menschheit wahrscheinlich noch für so manches Jahrzehnt unauslöschlich im kollektiven Gedächtnis hängen bleiben wird: Der Tag, an dem die Erde für ein paar Augenblicke still stand, als in den frühen Morgenstunden erst ein Meteorit über Russland explodierte und später mit Apophis ein Asteroid in bedrohlicher Rekordnähe an unserem Planeten vorbei raste. Und nicht zuletzt markiert der 15. Februar das Releasedate des aktuellen Albums von Star-Violinist Daniel Hope, der mit „Spheres“ den unfreiwilligen Soundtrack zum kosmischen Naturspektakel lieferte. Ironie des Schicksals, Zufall oder Vorsehung?

„Ich glaube nicht an Zufall“, lächelt Daniel Hope. „Es ist zwar eine schwierige Frage, aber ich bin sicher, dass es da draußen irgendeine höhere Macht gibt, die alles beeinflusst und ordnet. Ob und wie diese Macht zu kalkulieren ist, ist eine faszinierende Philosophie, die ich zu verstehen versuche. Wenn man sich vor Augen führt, dass manche Begegnungen, die uns widerfahren und die manchmal nicht länger als einen Sekundenbruchteil dauern, Auswirkungen auf unser ganzes Leben haben können, ist das schon verrückt. Wer das alles steuert, das kann ich allerdings nicht sagen.“ – „Spheres“, eine eindringlich-atmosphärische Sammlung zeitgenössischer wie auch barocker Kompositionen alter und neuer Meister. 18 Stücke, die dem Universum, den Gestirnen und der unwiderstehlichen Magie des Nachthimmels gewidmet sind. Auch wenn Daniel Hope selbst momentan nicht allzu viel Zeit und Muße hat, das Firmament zu bewundern; jettet der dauerbeschäftigte Violinist, Produzent, Buchautor und Fernsehmoderator doch unentwegt von Ost nach West, von Nord nach Süd. Und wieder zurück. Weltbürger, Ausnahmekünstler, geschätzter Bonusmeilen-Milliardär. Geboren im südafrikanischen Durban und aufgewachsen in London, pendelt Hope nach seinem Studium in Deutschland heute zwischen seiner Wahlheimat Wien, Berlin und sämtlichen renommierten Konzerthäusern dieser Welt umher, an denen der 38-Jährige bereits ausnahmslos zu erleben war. Von Dresden bis Detroit, von Moskau bis Melbourne. Bewaffnet mit seiner 1742 gebauten Giuseppe Guaneri del Gesu ist Daniel Hope immer auf der Suche nach dem noch unerforschten Klang: Klassik, Contemporary, New Music, Jazz. Chronisch neugierig, denkt er nicht in Kategorien, sondern entdeckt er überall Musik. Inspiriert von Büchern, Bildern, Filmen und der Welt um ihn herum ist der vielfache Award-Gewinner getrieben von Musik. Vom kreativen Prozess. Vom Zauber des Moments. Auf „Spheres“ verlässt Hope nun unser Erdenrund, um sich ganz der Unendlichkeit des Kosmos zuzuwenden. „Seit Jahrtausenden beschäftigen sich Philosophen, Mathematiker, Astronomen und Musiker mit dieser Theorie, dass Planeten Geräusche produzieren, wenn sie sich im All bewegen – so
genannte Sphärenmusik. Meine Idee mit ‚Spheres‘ war, zu schauen, ob es gelingen würde, modernen Komponisten Töne zu entlocken, die der Vorstellung von Sphärenmusik nahe kommen. Diese Idee, Sphärenmusik zu erschaffen, begleitet mich schon, seitdem ich ein kleiner Junge war.“ Die Musik der Sterne. Die Vision vom Klang der rotierenden Gestirne, die Daniel Hope schon fesselt, seit er im Alter von acht Jahren sein erstes Teleskop geschenkt bekam. Nur wenig später wurde er von seinem großen Förderer, Dirigenten-Legende Yehudi Menuhin mit dem amerikanischen Astronomen und Astrophysiker Carl Sagan bekannt gemacht – eine weitere zutiefst prägende Schicksalsbegegnung für Hope. „Doch der letztendliche Auslöser, meinen langjährigen Plan endlich umzusetzen, war ein Beitrag, den ich im letzten Mai im Autoradio gehört hatte. Ein paar Wissenschaftler führten eine heftige Debatte, ob es Sphärenmusik tatsächlich gäbe, wie sie genau klänge und was Pythagoras wohl davon gehalten hätte. Also habe ich die Idee wieder aufgegriffen und innerhalb kürzester Zeit eine lange Liste mit Stücken und Wunschkomponisten zusammengestellt.“ Namentlich: Max Richter, Philip Glass, Ludovico Einaudi, Michael Nyman, Arvo Pärt, Karl Jenkins, Johann Sebastian Bach und viele andere. Hope spannt den (Geigen)Bogen vom 17. bis ins 21. Jahrhundert über Barock, Minimal und Chillout, bis hin zur Filmmusik. Komprimiert Raum und Zeit über die Jahrhunderte hinweg zu einem ätherischen Universal-Sound. Aufgenommen wurde „Spheres“ zusammen mit dem Deutschen Kammerorchester und Teilen des Rundfunkchors Berlin im ehemaligen Ostteil von Berlin; vor dem Fall der Mauer ebenfalls ein eigener, in sich abgeschlossener Mikrokosmos, der isoliert vom Rest der Welt sein Dasein fristete. Für Hope Inspiration Galore. „Wir hatten verschiedene europäische Locations zur Auswahl und haben uns dann für das alte Funkhaus in der Nalepastraße entschieden, in dem damals der Rundfunk der DDR seinen Sitz hatte. Heute ist dieser Gebäudekomplex nur noch ein heruntergekommenes Fabrikgelände. Mitten in den Ruinen befindet sich jedoch dieser traumhafte Konzertsaal, der über einen wirklich unglaublichen Raumklang verfügt. Dieser Saal wirkte wie ein Paralleluniversum – sobald man ihn verlassen hatte, war man wieder in einer völlig anderen Welt. Ich denke, diese besondere Atmosphäre spiegelt sich letztendlich auch auf dem Album wider.“ Der Blick in die Unendlichkeit, der kaum zu trennen ist vom tiefen Blick in uns selbst. Symbolisiert der unergründliche Nachthimmel doch nicht nur unendliche Weite, sondern auch das Hadern mit der eigenen Vergänglichkeit. „Als dieser Meteorit in Russland einschlug, hat die ganze Welt aufgeschaut und sich gefragt, was da draußen ist. Für mich ist das immer schon die zentrale Frage im Leben gewesen: Was gibt es da draußen? Die Explosion war der Moment, in dem wahrscheinlich auch der Letzte realisiert hat, dass es im Kosmos nicht nur um ihn, den Einzelnen, das Individuum geht. Man selbst ist nur ein verschwindend geringer, winziger Bruchteil von etwas Endlosem, etwas Ewigem. Das ist ein Gedanke, den ich sehr oft habe: Die Frage, was da noch irgendwann kommt. In jeder Hinsicht; nicht nur, was andere Planeten oder außerirdisches Leben angeht. Die wirklich wichtigen, existenziellen Fragen“, von denen sich Daniel Hope schon die eine oder andere für sich selbst beantwortet hat. Die innere Zerreißprobe zwischen Galileo Galilei und Gott. „Kürzlich habe ich in einem Planetarium in Liverpool gespielt. Zuvor bekam ich eine private Führung, bei der man mir die neuesten Techniken zur Erforschung des Alls demonstrierte. Man konnte in Echtzeit in 3D durch die Ringe des Saturn weit über unsere Milchstraße hinaus bis in die nächste Galaxie schauen! Wenn man sich einmal verinnerlicht, dass jeder einzelne dieser Millionen Lichtpunkte am Himmel eine eigene Galaxie mit Millionen von Sternen ist, wird einem klar, dass wir unmöglich die einzige Zivilisation im All sein können …“ / Thomas Clausen

Veranstaltungstipp:
SPHERES in concert
Daniel Hope
Jacques Ammon, Klavier
Deutsches Kammerorchester Berlin
Rundfunkchor Berlin
Simon Halsey, Dirigent
30.4.13, Berlin – STATTBAD Wedding

www.danielhope.com