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Es war ein Festival der Superlative und ein Festival der Extreme: NATURE ONE. Superlative, weil das Line-up sensationell und die Licht-, Video- und Soundtechnik einfach nur perfekt waren. Extreme, weil die Temperaturen jenseit der 30-Grad-Marke den Körper zu Höchstleisungen herausforderten.

Wie sagte es der Wetterbericht so schön voraus: „… mit 33 Grad im Schatten zu rechnen ist…“ – Im Schatten? Der war gut! Den musste man im CampingVillage erst mal kreieren. Gut, die meisten, festivalerprobten Besucher hatten natürlich ihre Pavillons dabei. Allerdings: Richtig kühl war es darunter natürlich auch nicht. Doch dass es heiß werden würde, wussten wir alle. Der Hitze trotzten 54.000 Besucher. Pro Tag! Das waren zwar 2.000 Leute weniger als im Jahr zuvor, doch vielleicht war es gerade auch der Mega-Sommer, der einige davon abhielt, sich auf den Weg in den beschaulichen Hunsrück zu machen. Denn das Line-up war es ganz sicher nicht! Das bestach mit einer guten Mischung aus internationalen Superstars, lebenden Legenden und verheißungsvollen Newcomern. Keine Hardwells und David Guettas – nein! Bei NATURE ONE griff man diesbezüglich in die Szene-Kiste und hatte vorwiegend Acts am Start, die eher dem Underground zuzuschreiben sind. Vor allem das Techno-Line-up las sich mit Charlotte de Witte, Nina Kraviz, Joseph Capriati und vielen mehr wie der Menü-Auszug eines Fünf-Sterne-Restaurants. Klar, es gab auch weitaus kommerziellere Künstler, wie die Ostblockschlampen oder Alle Farben. Aber: Kommerz muss ja nicht immer schlecht sein und verpönt werden, gelle?!

Wie jedes Jahr lag der technische Fokus auf den vier Mainfloors: Open Air Floor (Trance, Progressive), Century Circus (Techno), Classic Terminal (Rave-Klassiker) und HomeBase (House, Minimal). Absoluter Eyecatcher: Die Traversen- und Trussing-Konstruktion des Open Air Floors. Eine 26 Meter hohe Pyramide mit 212 Moving Lights, zwölf Vollfarblasern, 108 Stroboskopen der hellsten und neuesten Generation, und eine 416 Meter lange LED-Laufleiste, die das Pyramidenkonstrukt von oben bis unten umrahmte. Bombastisch! Klar, Kritiker könnten jetzt sagen „Bla, bla, die Pyramide gab es schon vor zwei Jahren“ – stimmt! Aber das Pro war, dass durch diese Konstruktion der gesamte Dancefloor einfach nur Platz für die Partypeople bot- und nicht für die Technik. Die Technik hing in „schwebender“ Variante über den 10.000 Tanzenden, in Form eines Lüsters / Kronleuchters. Oder wie die Crew sagte: In Form eines Bienenkorbes. Gefeiert wurde hier zu Paul van Dyk, Moguai und Lexy & K-Paul, um nur einige zu nennen. Der Century Circus war ebenfalls 1a-bestückt mit allem, was die neuartige Technik 2018 zu bieten hat. Ein pfeilförmig ausgerichtetes Lichtkonzept mit klarem Fokus auf den DJ, wie Felix Kröcher, Sven Väth und Klaudia Gawlas. „Problem“ war nur, dass im Zehn-Master subtropische Temperaturen herrschten und das Kondenswasser quasi vom Zeltdach tropfte. Hier hielten es selbst die hartgesottensten Technoheads nicht länger als 60 Minuten aus. Eine „Erfrischung“ (falls man das bei einer Nachttemperatur von 20 Grad überhaupt sagen kann) gab es dann im zweiten Main-Open-Air-Floor: dem Classic Terminal. Mit Heroen aus den Anfängen der Raving Society an den Reglern, wie Talla vs. Taucher, Dune und Emmanuel Top aka BBE. Das ehemalige House of House erhielt aufgrund der stilistischen Neuausrichtung einen neuen Namen: HomeBase. Neben House lief hier auch Minimal und Electro, mit Dirty Doering, Karotte und Lexer.

Ein Feuerwerk ohne Feuerwerk.
NATURE ONE war ein Feuerwerk an Emotionen, Gänsehautmomenten und natürlich toller Musik. Auf das traditionelle Feuerwerk, das in der Nacht von Samstag auf Sonntag für 20 Minuten immer abgefeuert wird, wartete man allerdings vergebens. Denn aufgrund der wochenlangen Trockenheit haben sich Veranstalter, Polizei und Feuerwehr darauf geeinigt, keine Böller in die Luft zu schießen. Zu groß sei die Gefahr für Besucher und Natur. Aber man hat auch versprochen: Zum großen, 25-jährigen Jubiläum in 2019 gibt´s dann die doppelte Ration an Pyrotechnik.

Verwunderlich, aber umso erfreulicher: In 2018 wurden weniger Rettungskräfte aufgesucht als 2017 – und das trotz der immensen Hitze. Die Besucher griffen in der Tat eher zur Wasser- als zur Bierflasche. Unter anderem dank der kostenlosen Trinkwasserversorgung im CampingVillage. Auch die Getränkepreise für Wasser auf dem Festivalgelände waren dankenswerterweise sehr moderat.

Abschließend lässt sich sagen: NATURE ONE war trotz des minimalen Besucherrückgangs ein voller Erfolg. Auch in Anbetracht der vielen Festivals, die mittlerweile veranstaltet werden. Und man darf gespannt sein, was uns alle beim 25. Geburtstag nächstes Jahr erwartet.
Um euch die Zeit bis dahin ein wenig zu erleichtern, legen wir vom FAZE Magazin diese Woche noch mal kräftig nach: Es gibt eine ausführliche Review meinerseits – sowie ein spannendes und hoch interessantes Interview, das ich mit dem Produktionsleiter und Sicherheits-Beauftragten des Veranstalters I-Motion geführt habe. On Top habe ich dem Chef-Lichtdesigner des Open Air Floors und des Century Circus´ noch ein paar Fragen gestellt. Stay tuned!

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Witzig: