DJ-Gagen: Was ist fair und wer kann sich sie noch leisten?

Als der Tresor.West in Dortmund kürzlich eine Obergrenze für DJ-Honorare einführte, rückte mal wieder eine altbekannte Frage in unser Bewusstsein: Was ist eigentlich eine faire Bezahlung für DJs – und wo beginnt das Ungleichgewicht? Während Beobachtende den Gagen-Anstieg zunehmend als unverhältnismäßig einstufen und Bookerinnen und Booker sich heutzutage zweimal überlegen DJ XY zu buchen, sind sich viele DJs einig: insbesondere unbekannte Vertreterinnen und Vertreter erhalten nach wie vor viel zu wenig Geld – obwohl auch sie grundsätzlich vom Anstieg der Honorare betroffen sind. Ein Überblick.

Wer von außen auf einen DJ-Job blickt, sieht oft nur ein paar Stunden hinter den Decks. Tatsächlich beginnt die Arbeit aber deutlich früher. Professionelles Equipment kostet schnell mehrere Tausend Euro, selbst wenn im Club mit Standard-Setups gespielt wird. Hinzu kommen laufende Ausgaben für Musikplattformen, Promo-Pools, Software-Abos und Backups – Kosten, die Monat für Monat anfallen. Auch Reise- und Übernachtungskosten werden längst nicht immer vollständig übernommen.

Oftmals unterschätzt werden dabei der körperliche und zeitliche Aufwand: Anreise, Aufbau, Soundcheck, mehrere Stunden konzentriertes Spielen im Stehen, danach Abbau und Rücktransport – nicht selten summiert sich ein einzelner Gig auf einen Arbeitstag von acht bis zwölf Stunden. Dazu kommt der mentale Druck: technische Probleme, Erwartungshaltungen, der Umgang mit alkoholisierten oder fordernden Gästen. All das gehört zur Realität des Jobs.

Tresor.West führt Obergrenze für DJ-Honorare ein

Arme, arme DJs also? Nun, es ist nicht so, dass es auf der Gegenseite grundsätzlich entspannter aussieht, denn auch Clubs und Veranstalter stehen unter Druck – und zwar vor allem ökonomisch betrachtet. Mieten, Energiepreise, Personal- und Sicherheitskosten steigen, während das Publikum preissensibler geworden ist. In diesem Spannungsfeld können hohe Einzelgagen schnell das gesamte Budget gefährden – insbesondere bei kleineren, unabhängigen Spielstätten.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob DJs fair bezahlt werden sollen – das ist selbstverständlich –, sondern in welchem Verhältnis Bezahlung, Kontext und Verantwortung stehen. Ein lokaler Clubabend mit begrenzter Kapazität folgt anderen Regeln als ein internationales Festival. Fairness entsteht dort, wo Transparenz herrscht, Erwartungen klar benannt werden und alle Beteiligten die wirtschaftlichen Realitäten anerkennen.

Vielleicht braucht es weniger symbolische Grenzziehungen und mehr offene Gespräche. Denn eine gesunde Clubkultur lebt nicht von Maximalgagen, sondern von tragfähigen Strukturen – für Artists ebenso wie für die Orte, an denen ihre Musik überhaupt erst stattfinden kann.

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