DJ kritisiert Antisemitismus: Meute zwingt Künstlerin zum Set-Abbruch

Die französische DJ und Produzentin Barbara Butch ist nicht nur für ihre Musik, sondern auch für ihre Haltungen bekannt. Immer wieder wurde sie deshalb in der Vergangenheit Opfer von Body Shaming, LGBTQ-feindlichen Beleidigungen und Drohungen.

Während der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris 2024 trat Butch mit Dragqueens und Tänzern auf und posierte an einer langen Tafel in Anlehnung an Leonardo da Vincis Gemälde „Das Letzte Abendmahl“.

Konservative, christliche Fundamentalisten und Hardliner interpretierten dies damals als eine respektlose Parodie auf das letzte Mahl von Jesus Christus und seinen Jüngern. Nun stand sie einmal mehr im Mittelpunkt einer intensiven Debatte.

Dieses Mal musste ihr Auftritt beim diesjährigen Festival Cabaret Frappé in Grenoble von der Stadtverwaltung aufgrund von Sicherheitsbedenken nach 20 Minuten abgebrochen werden. Hintergrund ist dieses Mal allerdings ein Streit um Antisemitismus.

Butch unterstützt eine neue Gesetzinitiative, die sogenannte Yadan-Vorlage. Dabei handelt es sich um einen umstrittenen Gesetzentwurf in Frankreich, der von der Abgeordneten Caroline Yadan (Mitte-Allianz) eingebracht wurde, um neue Formen des Antisemitismus zu bekämpfen.

„Die israelische Politik betrifft mich nicht (…), natürlich bin ich gegen diese Regierung“, wird Butch in den Medien zitiert. „Ich habe eine Stellungnahme unterzeichnet, um den Antisemitismus in Frankreich anzuprangern, unter dem ich seit meiner Kindheit täglich leide und der nach den Olympischen Spielen noch stärker geworden ist.“

Kritiker befürchteten, dass das Gesetz die Meinungsfreiheit stark einschränken würde. Der Entwurf sah unter anderem vor, den „Aufruf zur Zerstörung eines Staates“ strafbar zu machen und den Tatbestand der Terrorverherrlichung auszuweiten.

Dies wurde von Gegnern als Instrument gewertet, um Kritik an Israel zu kriminalisieren und pro-palästinensische Stimmen zum Schweigen zu bringen. Die Initiative wurde im April 2026 nach massiven Protesten und einer Petition mit über 700.000 Unterschriften kurz vor der Parlamentsdebatte zurückgezogen.

Vergessen wurde sie seitdem offenbar nicht, ebenso wenig, dass Butch das Vorhaben befürwortete. Jedenfalls protestierten propalästinensische und linksextreme Aktivisten während ihres Auftritts in Grenoble, weshalb der Gig der jüdischen DJ schließlich abgebrochen werden musste.

Laut Nachrichtenagentur AFP hätten sich bereits ca. 150 Demonstranten vor der Bühne versammelt, Transparente hochgehalten, gepfiffen und Butch beschimpft. Aus den Protestlagern sei die Aktion als friedlich bewertet worden.

Die Stadt Grenoble widersprach dem allerdings und bezeichnete den Vorfall als „unerträgliche Aggression“. Demnach seien Glasflaschen und andere Gegenstände Richtung Bühne geschmissen worden.

„Ich hatte Angst. Ich sage das ganz offen, weil es der Wahrheit entspricht und weil ich nicht vorgeben möchte, stärker zu sein, als ich bin“, so Barbara Butch via Instagram. „Was geschah, war weder ein Unfall noch bloß eine Situation, die außer Kontrolle geraten war. Es ist die nächste Stufe einer Kampagne, die seit Monaten darauf abzielt, mich aus dem künstlerischen und öffentlichen Leben auszugrenzen.“

Die Bürgermeisterin Laurence Ruffin kündigte an, Anzeige zu erstatten und versprach eine „vollständige Aufklärung“ der Justiz. Innerhalb der politischen Spektren spaltete die Protestaktion die Lager, auch innerhalb der linken und propalästinensischen Lager.

 

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Quelle: Schwulissimo

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